Digitale Souveränität: Den Blick nach Japan wagen
Digitale Souveränität erfordert verlässliche Partnerschaften. Dabei lohnt sich auch der Blick auf weiter entfernte Partner, wenn diese die gleichen Werte teilen. Japan bietet hohe Datenschutzstandards, technologische Unabhängigkeit und ist der Schweiz seit vielen Jahren eng verbunden.
Spätestens seit die transatlantischen Beziehungen zunehmend durch Verunsicherung getrübt sind, gewinnt die Debatte um die digitale Souveränität an Dynamik. Viele Unternehmen überlegen, wie sie technologisch unabhängiger von grossen US-Anbietern werden können. Dabei wäre es ein Trugschluss, Souveränität mit Autarkie gleichzusetzen. Abschottung ist in einer globalisierten, vernetzten digitalen Welt weder umsetzbar noch erstrebenswert. Vielmehr geht es darum, selbstbestimmt zu entscheiden und zu handeln. Gefragt sind deshalb belastbare, verlässliche Beziehungen mit Partnern, die unsere Werte teilen und Souveränität unterstützen.
Doch wo finden Schweizer Unternehmen verlässliche Technologiepartner, die Datenschutz, Compliance und Unabhängigkeit gleichermassen sicherstellen? Bisher fokussiert sich die Suche meist auf europäische Anbieter. Eine oft noch übersehene Ergänzung sind Technologieanbieter aus Japan – einem politisch stabilen, demokratischen Land, das der Schweiz seit Jahrzehnten eng verbunden ist.
Japan und die Schweiz - eine unterschätzte Partnerschaft
Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Japan gehören zu den ältesten zwischen einem europäischen und einem asiatischen Land überhaupt: Bereits 1864 schlossen die beiden Länder einen Freundschafts- und Handelsvertrag. Heute ist Japan einer der wichtigsten Handelspartner der Schweiz in Asien und eines der Fokusländer der Schweizer Aussenpolitik. Besonders bemerkenswert: 2009 schloss Japan sein erstes Freihandelsabkommen mit einem europäischen Land und das war die Schweiz. Dieses Abkommen unterstreicht, wie eng die wirtschaftlichen Bindungen sind und wie gross das gegenseitige Vertrauen ist.
Seit 2007 verbindet die Schweiz und Japan zudem ein Kooperationsabkommen in Wissenschaft und Technologie, das seitdem durch weitere Erklärungen und Vereinbarungen erweitert wurde. Ziel ist eine systemische Zusammenarbeit in strategischen Bereichen wie Quantentechnologie, Halbleitertechnologie und künstlicher Intelligenz. Politisch teilen beide Länder zentrale Grundwerte: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und den Willen zur multilateralen Zusammenarbeit. Im Gegensatz zu den USA, die teils auf Protektionismus setzen und Zölle als politisches Druckmittel nutzen, vertritt Japan eine offene Handelspolitik.
Datenschutz auf vergleichbarem Niveau
Für Schweizer Unternehmen ist die Frage des Datenschutzes zentral. Das revidierte Schweizer Datenschutzgesetz (revDSG), das seit September 2023 in Kraft ist, stellt ähnlich hohe Anforderungen wie die europäische DSGVO. Das japanische Pendant, das APPI (Act on the Protection of Personal Information), ist bereits seit 2003 in Kraft und wurde seither mehrfach an internationale Standards angepasst. Alle drei Regelwerke garantieren ein gleichwertiges Datenschutzniveau, wie die EU-Kommission per Angemessenheitsbeschluss festgestellt hat.
Wichtig für die Praxis: Japan verfügt über kein Äquivalent zum US CLOUD Act, der amerikanische Behörden berechtigt, auf Daten zuzugreifen, die bei US-Unternehmen gespeichert sind – unabhängig davon, wo diese Daten physisch liegen. Bei japanischen Anbietern entfällt somit dieses Risiko.
Cybersicherheit als gemeinsame Priorität
Digitale Souveränität ist ohne robuste Cybersicherheit nicht denkbar. Japan hat in diesen Bereich in den letzten Jahren stark investiert. Viele japanische Technologieunternehmen verfolgen eine konsequente «Security & Compliance by Design»-Philosophie. Sicherheit ist also nicht nachträglich eingebaut, sondern von Beginn an Teil der Produktarchitektur. Auch in internationalen Gremien wie ISO, IEC und ITU arbeiten beide Seiten gemeinsam an sicheren Standards für globale Lieferketten und Technologien.
Das japanische National Center of Incident Readiness and Strategy for Cybersecurity (NISC) hat eine Secure-by-Design-Leitlinie mitunterzeichnet, die 2023 von der amerikanischen Cybersicherheitsbehörde CISA gemeinsam mit internationalen Partnern – darunter Deutschland, Australien, Kanada und Grossbritannien – veröffentlicht wurde. Diese Empfehlung fordert Softwarehersteller auf, Produkte so zu entwickeln, dass sie von Anfang an sicher konzipiert sind.
Eine belastbare Grundlage für langfristige Kooperationen
Für Schweizer Unternehmen, die ihre technologischen Partnerschaften stärker diversifizieren möchten, ohne dabei auf bewährte Qualität und Zuverlässigkeit zu verzichten, ist Japan eine strategisch sinnvolle Ergänzung. Die langen gemeinsamen Handels- und Wertetraditionen, vergleichbare Datenschutzstandards und enge Zusammenarbeit schaffen eine belastbare Grundlage.
Gerade weil die Schweiz kein EU-Mitglied ist und damit eigene digitale Souveränitätsfragen stellt, lohnt sich der Blick auf Partner, die nicht in geopolitische Blöcke eingebunden sind, sondern wie die Schweiz auf Stabilität, Offenheit und Qualität setzen.

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