Wie man nicht wie ein Bünzli, sondern paradiesisch digitalisiert
Im September hat IT-Dienstleister UMB ein neues Eventformat gestartet. Am Impact 2026 ging es um Ausprägungen von Digitalismus - vom Bünzli bis zum Paradies - und darum, wie KI heutige Unternehmensstrukturen in Frage stellt.
In der historischen Industriehalle Schiffbau hat im September eine Premiere stattgefunden: Der Schweizer IT-Dienstleister UMB veranstaltete in der zum Zürcher Schauspielhaus gehörenden Eventhalle seinen ersten Impact-Event. Rund 400 Personen kamen dafür zusammen.
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Cham habe sich lange überlegt, ob es dieses Format brauche oder nicht. "Es gibt ja genügend Veranstaltungen und Sie hätten sicher alle die Möglichkeit, jede Woche irgendwo an einen Event zu gehen", sagte UMB-CEO Martin Gartmann scherzhaft während der Eröffnung des Events. Deshalb schätze er es enorm, dass so viele Gäste an der ersten UMB Impact dabei waren.

Martin Gartmann, CEO von UMB, am Impact 2026 im Zürcher Schiffbau. (Source: Netzmedien)
Die vier Ausprägungen von Digitalismus
Das Thema des halbtägigen Events war "Ausprägungen von Digitalismus", wie Gartmann sagte. "Ich weiss gar nicht, ob es das Wort überhaupt gibt", scherzte Gartmann. UMB hätte es erfunden.
Digitalismus komme in verschiedenen Ausprägungen vor. Gemäss den Erklärungen des UMB-CEOs kann man es sich als Kontinuum mit zwei Achsen vorstellen: regulierte versus unregulierte Digitalisierung und trainierte versus autonome KI. Daraus lassen sich die folgenden vier Archetypen ableiten:
- Bünzli-Digitalismus: regulierte Digitalisierung gekoppelt mit trainierter KI. "Better safe than sorry", erklärte Gartmann. Man komme zwar schon voran, aber wohl eher nicht so schnell, wie man es gern hätte.
- Turbo-Digitalismus: unregulierte Digitalisierung mit trainierter KI. Dieser Archetyp komme zwar extrem schnell voran, aber auch völlig unstrukturiert und unsicher - gewisse Security-Themen könnten hier nicht mehr adressiert werden.
- Unlimited Digitalismus: unregulierte Digitalisierung mit autonomer KI. Dieser Weg sei unkontrolliert und schwierig zu lenken. Hier habe die künstliche Intelligenz die Leine in der Hand.
- Paradiesischer Digitalismus: regulierte Digitalisierung mit autonomer KI. Gemäss Gartman das ideale Szenario. "Wir haben noch immer das Steuerrad in der Hand, aber gleichzeitig gehen wir Hand in Hand mit der Intelligenz in die Zukunft."
UMB sieht sich selbst dabei als IT-Dirigent, der die Kunden-IT orchestriert, und "wie bei einem Orchester kann unser IT-Dirigent aus einer Kakophonie eine Sinfonie kreieren".

Die vier Ausprägungen von Digitalismus gemäss UMB. (Source: Netzmedien)
"Wir wollen uns weiterentwickeln", sagte Gartmann. Unbequemer Wandel sei die Konsequenz davon. "Impact bedeutet in diesem Kontext natürlich auch, dass wir uns nicht von diesem Wandel treiben lassen; wir wollen stattdessen proaktiv das Steuerrad in der Hand halten. Und wir können den Wandel beschleunigen und voranbringen."
Unsicherheiten würden zwar bleiben, sagte der UMB-CEO. Aber mit Unsicherheiten könne man umgehen und sie adressieren. "Wir können Unsicherheiten nicht eliminieren. Aber wir wollen sie möglichst gut mitnehmen und im Griff haben."
KI-Renaissance und -Fomo
Für die erste Keynote an der ersten Impact-Veranstaltung hatte UMB Pascal Kaufmann, CEO und Gründer von AlpineAI, eingeladen. "Ich glaube, wir stehen vor einer neuen Renaissance", sagte er. Wie er erklärte, ist die Situation heute vergleichbar mit derjenigen vor rund 500 Jahren. "Unglaubliche neue Technologien" wie ChatGPT, die ihn jeden Tag verblüffen würden, neue Perspektiven und die Akkumulation von Reichtum. Auch wenn man diese Personen vielleicht nicht so sympathisch finden könnte, sagte Kaufmann, "Michelangelo, Da Vinci werden wahrscheinlich dereinst im gleichen Atemzug genannt wie Steve Jobs, Elon Musk und Demis Hassabis. Denn sie haben so viele Branchen auf einmal revolutioniert, dass man retrospektiv wohl sagen wird: 2025 und 2026 waren eine richtige Revolution. Und wenn die richtigen Leute den Braincode knacken, dann können wir wahrscheinlich das Paradies auf Erden schaffen."

Pascal Kaufmann, CEO und Gründer von AlpineAI. (Source: Netzmedien)
Nach einer breiten Auswahl an Breakout-Sessions war es am Abend Zeit für die zweite Keynote auf der grossen Bühne. Diese hielt Evangelos Avramakis, Lead Corporate Foresight, Intelligence & Development bei Swiss Re. Avramakis erwähnte eine Umfrage, gemäss der sich die KI-Adoption in der Schweiz zwischen 2024 und 2026 verdoppelt habe. "So what!", warf er ein. "Weil jeder nun schnell eine Zusammenfassung machen lässt oder einen Chatbot etwas fragen kann, verfügt er nun über eine KI-Kompetenz, die der Hammer ist? Natürlich nicht!" Ein echtes Verständnis von der Technologie hätten nur ganz wenige.
In seiner Präsentation ging es aber mehr darum, wie sich die aktuellen KI-bedingten Veränderungen auf Führungskräfte auswirken. Bei diesen sei nämlich eine subtile Angst vorhanden - Fomo, die Angst, etwas zu verpassen. Diese komme daher, dass sich die Technologie so extrem schnell weiterentwickle. Die Geschwindigkeit kreiere einen unangenehmen Druck; aber daran müsse man sich gewöhnen. "Langsamer wird es nicht."

Evangelos Avramakis, Lead Corporate Foresight, Intelligence & Development bei Swiss Re. (Source: Netzmedien)
"Time-to-Market ist jetzt plötzlich entscheidend", sagte Avramakis, nachdem er aufgezeigt hatte, wie man mit KI und ohne entsprechende Ausbildungen ein Produkt - in diesem Fall ein Sportschuh - designen, eine passende Werbekampagne kreieren und auch einen Vertriebskanal in Form eines Webshops aufbauen könne.
"Wir werden uns daran gewöhnen müssen"
"Plötzlich habe ich ein System, das von sich selbst lernt. Weil ich ja weiss, was die Kunden wollen, kann ich dies wieder zurückspiegeln in das Produkt" sagte er. "Wer zuerst ist und die richtigen Verkaufskanäle und Marketingkampagnen hat, gewinnt. Wo ist da die Differenzierung, wenn jeder das kann?" Dies brachte ihn wieder zu seinem Punkt: Time-to-Market sei der KPI jetzt - und die Kosten für Know-how gehen gegen Null.
Die Führungsebene solle sich nun überlegen, wie sie die Arbeit anders orchestrieren müsse. "So wie wir heute organisiert sind, glaube ich nicht, dass wir das überleben werden." Wir werden uns alle "ziemlich heftig" verändern müssen. Und das werde nicht angenehm sein. "Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass wir viel mehr innovieren müssen - zehnmal mehr als heute."

Komiker Kaya Yanar am UMB Impact 2026. (Source: Netzmedien)
Damit niemand nach diesem Weckruf von Avramakis mit einer pessimistischen Haltung nach Hause gehen musste, holte UMB für den Abschluss des Abends den Komiker Kaya Yanar auf die Bühne, der das Publikum mit seiner Faszination für Sprachen unterhielt.
Im Anschluss an den Event zeigte sich Gartmann auf Anfrage der Redaktion zufrieden mit dem Anlass. Die Premiere habe Kunden, Partner und das eigene Team gleichermassen begeistert. "inspirierende Gäste, starke Themen, eine geniale Location und viel Raum für echten Austausch – das machte UMB Impact 2026 zum Branchenevent des Jahres", sagte der CEO. "Danke an die über 400 Teilnehmenden. Die Messlatte für 2027 liegt hoch, und wir freuen uns darauf."

Der erste UMB-Impact-Event fand in der historischen Zürcher Industriehalle Schiffbau statt. (Source: Netzmedien)
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