SAP proklamiert das autonome Unternehmen, SAP-User würdigen Wahlfreiheit
SAP treibt seine Business AI Platform voran. Kombiniert mit weiteren SAP-Tools soll die Plattform Kunden ermöglichen, die Vision des autonomen Unternehmens umzusetzen. Derweil fragt sich die DSAG, wie Anwenderunternehmen in Zeiten kontinuierlicher Transformation ihren Kurs, ihr Tempo und ihre Prioritäten selbst bestimmen können.
Der deutsche Softwareanbieter SAP glaubt an "das autonome Unternehmen". Anlässlich seiner Hausmesse SAP Connect in Las Vegas zeigte der ERP-Spezialist, was es seiner Ansicht nach braucht, um die Vision umzusetzen: jede Menge SAP-Werkzeuge.
Die meisten Produkte, die SAP in der Mitteilung erwähnt, sind nicht brandneu. Die "Business AI Plattform" etwa kündigte das Unternehmen bereits im Mai 2026 an. Mit dieser Plattform "können Unternehmen zentral für SAP- und Drittumgebungen KI-Lösungen entwickeln, Kontextinformationen bereitstellen und diese Lösungen steuern", heisst es in der Mitteilung. Auf dieser Plattform wiederum baut "Joule Studio" auf. Darin lassen sich Fähigkeiten und Agenten in No-Code- und Pro-Code-Workflows entwickeln. Den für ihre Arbeit nötigen Geschäftskontext und die Geschäftsdaten erhalten die Agenten über die "Business Data Cloud" und den "Knowledge Graph". Die Governance der Agenten werde aus SAP heraus gesteuert, wobei auch gesetzliche Anforderungen berücksichtigt würden.
Schliesslich hält SAP ein Lösungsportfolio und diverse Kooperationen bereit, "um Unternehmen dabei zu unterstützen, KI auf breiter Basis zu nutzen", wie es in der Mitteilung heisst. Darin zitiert der Softwarehersteller auch eine Reihe von Kunden, die "das autonome Unternehmen im Einsatz" hätten. SAP-Vorstandsvorsitzender Christian Klein kommentiert: "Dies ist ein bahnbrechender Moment für Unternehmens-KI." Das autonome Unternehmen sei in der Geschäftswelt angekommen. "Mit Joule und der SAP Autonomous Suite, die auf der SAP Business AI Plattform basiert, unterstützen wir Unternehmen wie Novartis, Morgan Foods Nestlé und PwC dabei, intelligente Funktionen nahtlos in alle Funktionsbereiche zu integrieren, um vertrauenswürdige Ergebnisse zu erzielen."
SAP-User: Umsetzbarkeit statt Visionen
Fast zeitgleich mit der SAP Connect treffen sich in Köln die Mitglieder der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) zum Jahreskongress 2026. Dort dreht sich alles um die Frage, "wie Anwenderunternehmen in Zeiten kontinuierlicher Transformation ihren Kurs, ihr Tempo und ihre Prioritäten selbst bestimmen können - und welchen Beitrag sie, SAP und Partner dazu leisten müssen", wie die DSAG mitteilt. DSAG-Vorstandsvorsitzender Jens Hungershausen erläutert: "Es geht um Einordnung statt Euphorie, Nutzenbewertung statt Schlagworten und Problemlösungen statt blindem Aktionismus. Unternehmen müssen ihren Gestaltungs- und Handlungsspielraum bewusst definieren und Investitionen gezielt ausrichten."
Die SAP-Vision weise zwar in die richtige Richtung, schreibt die Anwendergruppe weiter, deren Umsetzung müsse sich jedoch erst im Kundenalltag beweisen. "Investitionsentscheidungen dürfen sich nicht allein an Visionen und angekündigten Zielbildern orientieren. Entscheidend sind Umsetzbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Integrationsfähigkeit und ein nachweisbarer Nutzen für das jeweilige Geschäftsmodell", sagt Hungershausen. Für die DSAG sind daher transparente Roadmaps, nachvollziehbare Meilensteine und verlässliche Planungssicherheit essentiell.
Übrigens gastierte SAP Connect diesen Herbst auch in der Romandie. Dort erklärte SAP der Redaktion, mit "automen Unternehmen" seien nicht vollständig selbstständig arbeitende Unternehmen gemeint. Was SAP tatsächlich darunter versteht, erfahren Sie hier.
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