KI soll Roboter mit Alltagsvideos auf neue Aufgaben vorbereiten
Roboter für neue Aufgaben zu trainieren, kostet Zeit und Geld. Ein neues KI-Modell soll diesen Aufwand verringern. Fürs Vortraining nutzt es Alltagsvideos, um anschliessend Roboter beim Greifen und Bewegen von Gegenständen zu steuern. Erste Unternehmen testen die Technik bereits.
Roboter lernen viele Handgriffe aus Demonstrationen: Menschen steuern die Maschinen aus der Ferne und zeichnen ihre Bewegungen auf. Solche Trainingsaufnahmen für unterschiedlichste Situationen zu erstellen, ist allerdings aufwendig. Das US-amerikanische KI-Unternehmen Runway will diesen Aufwand mit seinem neuen Modell Praxis-1 verringern. Dafür nutzt es beim Vortraining auch grosse Mengen an Videos aus dem Internet, etwa von Menschen bei alltäglichen Handgriffen, wie das Unternehmen mitteilt.
Runway machte sich mit KI-Tools zur Videogenerierung einen Namen. Ende 2025 stellte das Unternehmen sein erstes sogenanntes Weltmodell vor.
Solche KI-Systeme sollen unter anderem anhand von Videos lernen, wie sich eine Umgebung verändert und welche Folgen bestimmte Handlungen haben. Damit sollen sie vorhersagen können, was in einer bestimmten Situation als Nächstes passiert. Die Forschung an World Models reicht bis in die frühen 1990er-Jahre zurück. 2018 zeigten die KI-Forscher David Ha und Jürgen Schmidhuber in einer Studie (PDF), wie sich KI-Systeme mithilfe solcher Modelle in simulierten Umgebungen trainieren lassen.
Mit Praxis-1 stellt Runway nun ein Modell vor, das unterschiedliche Roboter in der realen Welt steuern soll. Das Modell soll beispielsweise erkennen, wie sich Gegenstände bewegen, wie sie sich greifen lassen und welche Schritte eine Aufgabe erfordert.
Alltagsvideos statt Aufnahmen von Robotern?
Ob Webvideos von Alltagssituationen die aufwendig gesammelten Roboteraufnahmen zumindest teilweise ersetzen können, hat Runway in einem eigenen Test untersucht. Dafür verglich das Unternehmen Modelle, die es entweder mit Videos aus dem Internet oder mit Aufnahmen ferngesteuerter Roboter vortrainiert hatte. Nach zusätzlichem Fine-Tuning lag die Abweichung beim Platzieren eines Gegenstands bei 16,1 Zentimetern für Webvideos und bei 16 Zentimetern für Roboteraufnahmen. Der Unterschied sei statistisch nicht signifikant, schreibt Runway.
Runway verweist zudem auf eine separate Untersuchung vom Februar 2026. Darin verglich das Unternehmen acht Robotersteuerungen anhand ihrer Leistungen in Simulationen und realen Tests. Die Korrelation zwischen den Leistungsbewertungen betrug laut Runway 0,95. Das heisst: Steuerungen, die in der Simulation besser abschnitten, erzielten tendenziell auch bei realen Tests bessere Ergebnisse. Der Wert bezieht sich allerdings auf das Weltmodell GWM-Robotics und nicht auf Praxis-1. Beide Untersuchungen stammen von Runway selbst. Wie zuverlässig Praxis-1 in anderen Umgebungen und bei neuen Aufgaben funktioniert, bleibt offen.
Erste Unternehmen testen die Roboter-KI
Praxis-1 soll unterschiedliche Robotertypen steuern können. In Demonstrationsvideos zeigt Runway unter anderem einen mobilen Roboter, der an ein Regal heranfährt, einen Gegenstand greift und ihn an einen anderen Ort bringt. Das Unternehmen präsentiert zudem Tests mit ähnlich aussehenden, teilweise verdeckten oder transparenten Gegenständen sowie mit verformbaren Materialien wie Stoff. Solche Situationen stellen Roboter vor besondere Herausforderungen.
Die Unternehmen Noble Machines, Standard Bots und Ultra testen Praxis-1 bereits auf eigener Hardware. Dazu gehören Roboter mit zwei Greifarmen, einzelne Roboterarme mit sechs Bewegungsachsen und mobile Plattformen. Runway zufolge konnte dasselbe Modell zudem sowohl in einer kontrollierten Studio-Umgebung als auch in einer gewöhnlichen Küche Aufgaben ausführen, ohne dass dafür ein zusätzliches Training nötig war.
In den kommenden Monaten will Runway Praxis-1 öffentlich zugänglich machen und auch die trainierten Modellgewichte veröffentlichen. Damit könnten andere Unternehmen das Modell auf eigener Hardware einsetzen. Zu den Lizenzbedingungen sowie einer möglichen Veröffentlichung von Quellcode und Trainingsdaten macht Runway bislang keine Angaben. Interessierte Unternehmen können einen Vorabzugang beantragen.
Übrigens: Die Schweizer Robotikbranche zählt inzwischen 217 Unternehmen, doch die Skalierung bleibt für viele eine Herausforderung. Welche Stärken und Schwächen eine Raiffeisen-Analyse aufzeigt, lesen Sie hier.
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