Partner-Post KI und User Experience

KI reproduziert das Wahrscheinliche – der Mensch muss weiterdenken

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KI analysiert Daten, strukturiert Informationen und erzeugt in kurzer Zeit viel Output. Doch plausible Antworten sind nicht ­automatisch gute Lösungen. Entscheidend bleibt die Fähigkeit des Menschen, zu beobachten, zu hinterfragen und über das Wahrscheinliche hinauszudenken.

(Source: Ulubek - stock.adobe.com)
(Source: Ulubek - stock.adobe.com)

Künstliche Intelligenz verändert, wie Menschen arbeiten, analysieren, konzipieren und gestalten. Aufgaben, die früher Stunden oder Tage beanspruchten, lassen sich heute innerhalb weniger Minuten erledigen. KI kann grosse Datenmengen auswerten, Zusammenhänge erkennen, Texte zusammenfassen und Varianten für Benutzeroberflächen, Anwendungen oder digitale Services erzeugen. KI kann Daten verdichten, Muster sichtbar machen und Wahrscheinlichkeiten berechnen. Aus diesen Ergebnissen entsteht aber nicht automatisch ein Verständnis für das Verhalten eines Menschen. Dafür braucht es Beobachtung, Interpretation und Kontextwissen. Effizienz allein garantiert noch keine gute Lösung.

Der Sirenengesang plausibler KI-Antworten

Gerade im Bereich User Experience zeigt sich diese Grenze deutlich. Bei einem Usability-Test kann eine KI Gespräche transkribieren, Aussagen kategorisieren, wiederkehrende Begriffe erkennen und die Ergebnisse zusammenfassen. Damit beschleunigt sie einen wesentlichen Teil der Auswertung. Ein Transkript enthält jedoch zunächst nur das Gesagte. Es zeigt nicht ohne Weiteres, was ein User verschwiegen hat, wo er zögerte oder weshalb er eine bestimmte Funktion übersah. 

Eine weitere Herausforderung liegt in der Überzeugungskraft KI-generierter Ergebnisse. Die Antworten erscheinen schnell, strukturiert und plausibel. Häufig sind sie auch unmittelbar brauchbar. Genau das macht sie verführerisch. Sobald ein Mensch einen solchen Vorschlag liest, setzt die KI einen gedanklichen Rahmen, in der Psychologie nennt sich das «Priming». Wer geprimt ist, denkt von diesem Moment an nicht mehr vollkommen frei über ein zu lösendes Problem nach, sondern reagiert auf einen bereits formulierten Lösungsansatz. Das kann einen Arbeitsprozess beschleunigen. Es kann aber auch verhindern, dass andere Denkwege überhaupt entstehen. Wer bei jeder Aufgabe zuerst die KI befragt, verkürzt möglicherweise jene offene Phase, in der ein Problem erkundet wird, ohne dass die Lösung bereits vorgezeichnet ist.

Das verführend Wahrscheinliche

In der Diskussion über KI-Risiken stehen häufig falsche Antworten, Halluzinationen oder mangelnde Transparenz im Vordergrund. In kreativen Prozessen kommt ein weiteres Risiko hinzu: die Dominanz des Plausiblen. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, zu prüfen, ob das Wahrscheinliche im konkreten Fall tatsächlich das Richtige ist. Er muss Zusammenhänge herstellen, die nicht offensichtlich sind, Beobachtungen einordnen und Entscheidungen treffen, die sich nicht direkt aus vorhandenen Daten ableiten lassen.

Ideen entwickeln sich aus Umwegen, Irritationen und Widersprüchen oder aus einem Gedanken, der zunächst nicht sinnvoll erscheint. Solche Denkwege sind ineffizient. Gerade darin liegt ihr Wert.

Neben Prompting, Datenkompetenz, Modellverständnis und Automatisierungswissen rückt damit eine vertraute Fähigkeit in den Vordergrund: der Menschenverstand. Er zeigt sich darin, eine plausible Antwort nicht vorschnell zu akzeptieren und stattdessen zu fragen: Passt das Ergebnis wirklich? Welche Annahmen liegen ihm zugrunde? Was fehlt? Wie würde sich ein realer User verhalten? Und gibt es eine Lösung, die bisher niemand vorgeschlagen hat?

Der User bleibt auch mit der Unterstützung von KI-Tools Massstab dafür, ob eine Lösung tatsächlich funktioniert. Denn gute Ergebnisse entstehen nicht aus dem plausibelsten Output, sondern basieren auf Verständnis, Kreativität und Urteilskraft.

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