Hat die Schweiz das Zeug dazu, im KI-Zeitalter mitzuhalten?
Ob die Schweiz im KI-Zeitalter wettbewerbsfähig bleibt, entscheidet sich nicht nur bei Modellen und Chips. Rechenleistung, Energie, sichere Netze, Fachkräfte und Vertrauen werden zu strategischen Voraussetzungen für Innovation und Wertschöpfung.
Künstliche Intelligenz verändert die Voraussetzungen für technologische Wettbewerbsfähigkeit. Leistungsfähige Modelle, Rechenleistung, sichere Netze und ausreichend Energie können nicht länger als voneinander getrennte Themen betrachtet werden. Sie bilden gemeinsam die Voraussetzungen dafür, dass Unternehmen KI produktiv einsetzen können. Doch technologische Exzellenz entsteht nur mit Menschen, die sie in produktive Anwendungen übersetzen. Und selbst die beste Anwendung nützt wenig, wenn das Vertrauen in sie fehlt.
Der globale KI-Wettbewerb wird nicht auf einer einzigen Ebene entschieden. Er reicht von Foundation Models und Chips über Datacenter und Kommunikationsinfrastrukturen bis hin zur Frage, wie schnell Unternehmen neue Technologien aufnehmen und in Wertschöpfung übersetzen können.
Es geht um mehr als ein «eigenes Schweizer KI-Modell»
Besonders deutlich zeigt sich das bei den Modellen. Diese Systeme entstehen heute mit einem Ressourceneinsatz, den nur wenige Akteure bewältigen können. Gleichzeitig steigt die Zahl der spezialisierten Modelle, offenen Architekturen und branchenspezifischen Anwendungen.
Für die Schweiz ergibt sich daraus eine anspruchsvolle Ausgangslage, aber auch eine interessante. Denn nicht alles muss im eigenen Land entwickelt werden. Entscheidend ist die Frage, in welchen strategisch wichtigen Bereichen eigene Kompetenzen unverzichtbar sind, wo verlässlicher Zugang genügt und wo Abhängigkeiten zu einem strategischen Risiko werden.
Damit ergibt sich eine differenziertere Frage als jene nach einem «eigenen Schweizer KI-Modell». Für eine exportorientierte Volkswirtschaft mit starken Branchen und hochspezialisiertem Wissen könnte sich hier ein eigener Spielraum eröffnen. Dieser Spielraum hängt jedoch von einer Infrastruktur ab, die lange als selbstverständlich galt.
Eine neue Standortfrage
KI zeigt deutlich, dass die digitale Welt sehr physische Grenzen hat. Rechenleistung braucht Chips, Fläche und Strom. Daten brauchen sichere und leistungsfähige Netze. Anwendungen, die in Echtzeit reagieren sollen, benötigen Rechenkapazität nahe am Ort ihrer Nutzung. Entscheidend ist nicht nur die Qualität eines Modells, sondern auch, ob Rechenleistung verfügbar ist, Daten schnell verarbeitet werden können – und zu welchem Preis. Je tiefer KI in Mobilität, Gesundheitsversorgung oder Telekommunikationsnetze integriert wird, desto stärker wird Infrastruktur selbst zum Teil der Innovation.
Rechenzentren, Glasfasernetze, Mobilfunk und Cloud sind damit nicht mehr bloss Träger der Digitalisierung. Sie werden zu einem Teil der strategischen Produktionsbasis einer KI-getriebenen Wirtschaft.
Für die Schweiz stellt sich somit eine neue Standortfrage: Welche technologischen Grundlagen müssen hier verfügbar sein, damit Forschung, Unternehmen und neue Geschäftsmodelle hier entstehen, statt dort, wo Rechenleistung, Energie oder Zugang einfacher zu bekommen sind?
Essenziell ist auch die Frage nach der Verfügbarkeit von Talenten. Die Schweiz kann auf starke Hochschulen und eine hohe internationale Attraktivität bauen. Doch im KI-Zeitalter reicht wissenschaftliche Exzellenz allein nicht. Knapp werden Fachleute, die zwischen Forschung, Technologie und Anwendung vermitteln, das Potenzial von Modellen verstehen und es in konkrete Lösungen für Banken, Industriebetriebe oder Kommunikationsnetze übersetzen können.
In dieser Übersetzung könnte ein entscheidender Wettbewerbsvorteil liegen. Es geht nicht nur darum, Wissen zu erzeugen, sondern es schnell und präzise in reale Wertschöpfung zu überführen.
Vertrauen wirkt beschleunigend
Und schliesslich gewinnt eine Ressource an Bedeutung, die sich weder kaufen noch beliebig skalieren lässt: Vertrauen. Mit jeder Anwendung, die näher an sensible Daten, kritische Systeme oder relevante Entscheidungen rückt, wächst die Bedeutung von Sicherheit, Transparenz und Verlässlichkeit. Vertrauen darf dabei nicht nur als regulatorische Bremse verstanden werden. Es kann zum Katalysator für eine verantwortungsvolle und breite Nutzung von KI werden. Je grösser das Vertrauen in eine Technologie, desto rascher kann sie in Wirtschaft und Gesellschaft Anwendung finden.
Die Schweiz bringt für den rasanten KI-Wettbewerb vieles mit. Doch die Stärken der bisherigen technologischen Ordnung garantieren keine starke Position auf der nächsten Stufe. Entscheidend wird sein, wie gut es gelingt, Modelle, Infrastruktur, Talent und Vertrauen zu verbinden und daraus Fähigkeiten zu entwickeln, die in einer zunehmend KI-geprägten Wirtschaft knapp und wertvoll sind.
Ob die Schweiz KI wirksam in Produktivität, Innovation und neue Wertschöpfung übersetzen kann, wird deshalb weit über ihre technologische Position hinausreichen. Am Ende ist die Fähigkeit, diese Technologie wirksam zu nutzen, ein entscheidender Faktor für den Wohlstand.
Mobilitätskonferenz
Die Schweizer Mobilitätsinfrastruktur steht vor grossen Herausforderungen: Alternde Infrastrukturen, steigende Mobilitätsbedürfnisse, Klimawandel, neue Sicherheitsanforderungen und der technologische Wandel verlangen nach neuen Ansätzen für Betrieb, Unterhalt und Ausbau. Gleichzeitig eröffnen Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung neue Möglichkeiten, bestehende Infrastrukturen intelligenter und effizienter zu nutzen.
Die von Asut, Astra und ITS Switzerland organisierte Konferenz zeigt, wie Politik, Betreiber, Industrie und Forschung gemeinsam die Mobilitätsinfrastruktur der Zukunft gestalten und wie Sensorik, KI und Digital Twins Strasse und Schiene sicherer und effizienter machen. Konkrete Praxisbeispiele reichen von der Zustandsüberwachung über Predictive Maintenance bis hin zu intelligenten Kommunikations- und Datenplattformen.
Einblicke gibt es unter anderem von Linus Looser (SBB), Sonia I. Seneviratne (ETH Zürich / Weltklimarat IPCC), Helmut Ruhl (Amag) und Gerd Scheller (Siemens). Praxisnahe Beispiele, eine Fachausstellung und viel Raum fürs Networking runden das Programm ab. Begleitet wird der Anlass von Ericsson, Swisscom, Nokia, Cellnex, Huawei, Connect Com, Cablex und weiteren Akteuren der Branche.
Am 28. Oktober wird Bern zum Treffpunkt für alle, die Mobilitätsinfrastruktur neu denken.
Weitere Informationen und Anmeldung
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