Verbandsnachrichten von Asut

Digitalisierung wird zum Schlüssel für die Verkehrssysteme der Zukunft

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von Dominik Müller, Asut

Die Zukunft der Mobilitätsinfrastruktur entscheidet sich nicht allein auf der Baustelle, sondern zunehmend im intelligenten ­Zusammenspiel von Infrastruktur, Daten und Vernetzung. Die Schweiz verfügt über ausgezeichnete Voraussetzungen, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten.

Dominik Müller, stv. Geschäftsführer, Asut. (Source: zVg)
Dominik Müller, stv. Geschäftsführer, Asut. (Source: zVg)

Die Schweiz verfügt über eine der leistungsfähigsten Verkehrsinfrastrukturen der Welt. Doch dieser Erfolg ist kein Selbstläufer. Alternde Bauwerke, steigende Verkehrsströme, veränderte Mobilitätsbedürfnisse, neue Sicherheitsanforderungen und Auswirkungen des Klimawandels erhöhen den Druck auf Strasse und Schiene. Gleichzeitig eröffnen Digitalisierung, Sensorik, leistungsfähige Kommunikationsnetze und künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten, den Betrieb und den Unterhalt bestehender Infrastrukturen intelligenter zu gestalten und ihren gezielten Ausbau besser zu planen. Die Zukunft der Mobilitätsinfrastruktur entscheidet sich deshalb nicht allein auf der Baustelle, sondern zunehmend im intelligenten Zusammenspiel von Infrastruktur, Daten und Vernetzung.

Die Verkehrsinfrastruktur gehört zu den wichtigsten Lebensadern der Schweiz. Sie verbindet Wirtschaftsregionen sowie die Bevölkerung und sichert die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes, das im Zentrum Europas liegt und gerade deshalb stark vom Transitverkehr geprägt ist. Bund, Kantone und Infrastrukturbetreiber stehen deshalb vor einer doppelten Aufgabe: Sie müssen bestehende Anlagen über Jahrzehnte zuverlässig betreiben und gleichzeitig auf neue Anforderungen vorbereiten.

Diese Anforderungen verändern sich. Viele Brücken, Tunnel und Verkehrswege erreichen ein Alter, das intensivere Unterhaltsmassnahmen erforderlich macht. Gleichzeitig steigt das Verkehrsvolumen weiter an, neue Mobilitätsformen fordern ihren Platz und die Erwartungen an Verfügbarkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit nehmen zu. Hinzu kommen die Auswirkungen von Extremwetterereignissen, Naturgefahren und Cyberrisiken. Die Antwort darauf liegt nicht allein im weiteren Ausbau der Infrastruktur. Mindestens ebenso wichtig ist es, die vorhandenen Verkehrssysteme intelligenter zu betreiben, ihren Zustand besser zu kennen und ihre Lebensdauer gezielt zu verlängern.

Mehr Leistung statt mehr Beton

Während früher vor allem der Ausbau von Kapazitäten im Vordergrund stand, stellt sich heute eine weitere Frage: Wie lässt sich die bestehende Verkehrsinfrastruktur effizienter nutzen?

Hier kommen digitale Technologien ins Spiel. Sensorik, künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge schaffen neue Möglichkeiten, den Zustand von Strasse und Schiene kontinuierlich zu überwachen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Unterhaltsmassnahmen gezielter zu planen. Dadurch verschiebt sich der Fokus von der reinen Reaktion auf Schäden hin zu einem vorausschauenden Infrastrukturmanagement.

Davon profitieren nicht nur die Betreiber und die Nutzerinnen und Nutzer der Verkehrsinfrastrukturen, sondern auch alle Akteure, welche die Finanzierung sicherstellen. Unterhaltsarbeiten können stärker am tatsächlichen Zustand einer Anlage ausgerichtet werden, Ressourcen gezielter eingesetzt und Verkehrsbeeinträchtigungen reduziert werden. Gerade angesichts knapper öffentlicher Mittel und begrenzter personeller Ressourcen gewinnt diese Effizienz zunehmend an Bedeutung.

Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Technologie als ihr Zusammenspiel. Erst wenn Informationen aus Verkehr, Infrastruktur, Kommunikation und Umwelt zusammengeführt werden, entsteht die Grundlage für fundierte Entscheidungen – im täglichen Betrieb ebenso wie bei der langfristigen Infrastrukturplanung.

Möglich wird dies allerdings nur mit einer ebenso leistungsfähigen digitalen Infrastruktur. Sensoren, Verkehrsmanagementsysteme, digitale Zwillinge oder automatisierte Prozesse erzeugen und verarbeiten laufend grosse Datenmengen – häufig in Echtzeit. Voraussetzung dafür sind zuverlässige Kommunikationsnetze, die Informationen sicher und schnell zwischen Infrastrukturen, Fahrzeugen, Leitstellen und Datenplattformen austauschen. Die Digitalisierung der Mobilität ist deshalb immer auch eine Frage leistungsfähiger Kommunikationsinfrastrukturen.

Digitalisierung als strategische Aufgabe

Auch auf politischer Ebene gewinnt dieses Thema an Bedeutung. Der Bundesrat misst der Digitalisierung eine zentrale Rolle für die Weiterentwicklung der Schweiz bei. Mit der geplanten Mobilitätsdateninfrastruktur (MODI) soll künftig der sichere und standardisierte Austausch von Mobilitätsdaten zwischen Behörden, Infrastrukturbetreibern und weiteren Akteuren ermöglicht werden. Dahinter steht die Erkenntnis, dass ein leistungsfähiges Verkehrssystem zunehmend auch ein leistungsfähiges Datenökosystem benötigt.

Es ist daher bedauerlich, dass der Ständerat in der Sommersession beschlossen hat, auf die Gesetzesvorlage für eine Mobilitätsdateninfrastruktur (MODIG) gar nicht erst einzutreten. Ein Neustart dieses wichtigen Projekts würde Jahre dauern und die dringend notwendige Digitalisierung im Mobilitätsbereich verzögern. Ein Lichtblick ist daher die Verkehrskommission des Nationalrates, welche die Verknüpfung von Verkehrsdaten begrüsst und auf die Effizienzsteigerungen hinweist.

Datenplattformen allein genügen jedoch nicht. Ebenso wichtig sind Kommunikationsinfrastrukturen, die den zuverlässigen und sicheren Datenaustausch überhaupt erst ermöglichen. Verkehrs-, Kommunikations- und Dateninfrastrukturen wachsen damit zunehmend zu einem Gesamtsystem zusammen – eine Entwicklung, die für die Mobilität der Zukunft ebenso entscheidend sein wird wie die physische Infrastruktur selbst.

Auch international zeigt sich derselbe Trend. Europa investiert in intelligente Verkehrssysteme, digitale Kommunikationsnetze entlang der Verkehrsachsen sowie gemeinsame Standards für automatisierte und vernetzte Mobilität. Gerade für ein exportorientiertes und eng mit den Nachbarländern verflochtenes Land wie die Schweiz gewinnt diese Interoperabilität zunehmend an Bedeutung.

Resilienz beginnt lange vor dem Ereignis

Besonders deutlich zeigt sich der Nutzen digitaler Technologien beim Thema Resilienz. Naturereignisse oder technische Störungen lassen sich zwar nicht verhindern, ihre Auswirkungen jedoch deutlich reduzieren.

Digitale Überwachungssysteme erkennen Veränderungen an Brücken oder Hängen frühzeitig. Glasfaserkabel können Erschütterungen registrieren und Naturgefahren detektieren. Prognosemodelle unterstützen Infrastrukturbetreiber dabei, Investitionen dort vorzunehmen, wo sie den grössten Nutzen erzielen. Digitale Zwillinge ermöglichen es, unterschiedliche Szenarien zu simulieren und deren Auswirkungen auf Verfügbarkeit, Sicherheit und Kosten bereits vor einer Umsetzung zu bewerten.

Die Infrastruktur wird dadurch nicht nur sicherer, sondern auch wirtschaftlicher. Jeder vermiedene ungeplante Ausfall reduziert volkswirtschaftliche Kosten und erhöht gleichzeitig die Zuverlässigkeit des gesamten Verkehrs­systems.

Technologie allein genügt nicht

So gross die technologischen Möglichkeiten sind – ihr Nutzen entfaltet sich nur, wenn auch Organisation, Zusammenarbeit und Regulierung Schritt halten. Verkehrsinfrastrukturen werden für Zeiträume von mehreren Jahrzehnten geplant, digitale Technologien entwickeln sich hingegen in rascheren Zyklen von einigen Jahren. Daraus entsteht ein Spannungsfeld zwischen langfristigen Investitionen und kurzen Innovationszyklen. Gefragt sind deshalb offene Standards, eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Forschung und Wirtschaft sowie regulatorische Ansätze, die Innovation ermöglichen, ohne Sicherheit und Stabilität zu gefährden.

Die Schweiz verfügt über ausgezeichnete Voraussetzungen, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten. Sie verbindet eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur mit einer starken Forschungslandschaft, innovativen Unternehmen und einer traditionell engen Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft. Entscheidend wird sein, diese Stärken konsequent zu nutzen. Denn die Mobilitätsinfrastruktur der Zukunft entsteht nicht allein durch neue Bauwerke, sondern durch das intelligente Zusammenspiel von Verkehrs-, Kommunikations- und Dateninfrastrukturen.


Mobilitätskonferenz 2026 – Zukunfts­sicher. ­Vernetzt. ­Resilient.

Wie digitale Technologien den Betrieb, den Unterhalt und die Weiterentwicklung der Schweizer Mobilitätsin­frastruktur verändern, steht im Mittelpunkt der Veranstaltung «Mobilitätsinfrastruktur Schweiz: Zukunftssicher. Vernetzt. Resilient.» am 28. Oktober 2026 in Bern. Präsentiert werden konkrete Praxisbeispiele und aktuelle Entwicklungen aus Verwaltung, Infrastruktur, Forschung und Indus­trie. Sie zeigen, wie Sensorik, Kommunikationsnetze, digitale Zwillinge und künstliche Intelligenz dazu beitragen, Verkehrsinfrastrukturen sicherer, effizienter und resilienter zu betreiben. Weitere Informationen und Anmeldung unter: odoo.asut.ch/event

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