Ein Entwickler baut mit KI-Agenten einen digitalen Zwilling von Genf
Eine interaktive 3D-Karte zeigt den Kanton Genf samt Verkehr und Wetter. Arnaud Ricci hat sie in seiner Freizeit entwickelt - mit Open Data und der Unterstützung von bis zu 15 KI-Agenten.
Eigentlich wollte Arnaud Ricci nur das Netz der Genfer Verkehrsbetriebe (TPG) digital nachbilden. Aus dem Freizeitprojekt, das er im Juli 2026 startete, ist inzwischen "Genève 3D" geworden: eine interaktive Website, die den ganzen Kanton in drei Dimensionen zeigt. Die Plattform bildet Gebäude und Strassen ebenso ab wie fahrende Trams, Flugzeuge und aktuelle Wetterbedingungen. Für die Entwicklung nutzt Ricci Daten aus zahlreichen öffentlichen Quellen - und vor allem KI-Agenten, wie er auf Anfrage erläutert.
Bis zu 15 KI-Agenten arbeiten gleichzeitig
Nachdem Ricci verschiedene KI-Modelle von Anthropic und OpenAI getestet hatte, entschied er sich hauptsächlich für Claude von Anthropic. Andere Modelle nutzt er gelegentlich, um die Ergebnisse zu kontrollieren. Dabei übernimmt Ricci die Rolle des Projektleiters: Er gibt die Ziele vor, während ein leitender KI-Agent die Aufgaben an weitere Agenten verteilt. "Im Grunde habe ich wie ein Manager gearbeitet", sagt er im Gespräch. Bis zu 15 Agenten könnten gleichzeitig arbeiten - auch während er schlafe. Die Ergebnisse überprüfe er anschliessend selbst.
Ganz ohne menschliche Kontrolle funktioniert die Zusammenarbeit jedoch nicht, besonders bei der grafischen Darstellung. Zwar können die KI-Agenten ihre Ergebnisse anhand von Screenshots überprüfen. Wie Animationen in Echtzeit ablaufen, können sie damit aber nur eingeschränkt beurteilen. Deshalb kontrolliert Ricci die Darstellung selbst und gibt bei Bedarf weitere Anweisungen. So musste er etwa die Schatten mehrfach nachbessern lassen. Aufgetretene Fehler dokumentiert er, damit die Agenten sie bei späteren Arbeiten nicht wiederholen. Vor der Veröffentlichung durchläuft der Programmcode zudem automatisierte Tests und Sicherheitsaudits.
Auch der wachsende Funktionsumfang stellte Ricci vor Herausforderungen. Mehrfach musste er den Programmcode umstrukturieren. Die Plattform basiert auf einer selbst entwickelten JavaScript-Engine, die mithilfe der Grafikbibliothek Three.js dreidimensionale Inhalte direkt im Browser darstellt. So lässt sich "Genève 3D" ohne zusätzliche Installation auf unterschiedlichen Geräten nutzen. Die Anwendung lädt Daten nach Bedarf und berechnet die Grafiken auf dem jeweiligen Endgerät. Das entlastet die Server, stellt allerdings entsprechende Anforderungen an die Geräte.
Durch den Einsatz der KI-Agenten hat Ricci nach eigener Einschätzung viel Entwicklungszeit gespart. Ohne diese Werkzeuge hätte ein vergleichbares Projekt seiner Schätzung zufolge zwei bis drei Jahre gedauert. Auch die Ausgaben für die KI-Tools seien im Vergleich zu einer herkömmlichen Entwicklung gering geblieben. Seine eigene Arbeitszeit rechnet er dabei jedoch nicht mit.
Die Arbeit mit Open Data hat ihre Tücken
Neben den KI-Agenten spielt Open Data eine zentrale Rolle. Für "Genève 3D" nutzt Ricci Informationen von mehr als 15 Datenanbietern. Eine der wichtigsten Quellen ist das Genfer Geoinformationssystem SITG, das unter anderem Daten zu Gebäuden und Bäumen liefert. Hinzu kommen Informationen von MeteoSchweiz, der Nasa und OpenStreetMap.
Die Zusammenführung dieser Daten erwies sich als aufwändig. Einige Streckenverläufe des öffentlichen Verkehrs waren ursprünglich für herkömmliche Karten ausgelegt. Für die präzisere 3D-Darstellung musste Ricci sie mithilfe von OpenStreetMap überarbeiten.
Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, die Daten aktuell zu halten. Während manche Datenanbieter im Abstand weniger Minuten neue Informationen bereitstellen, aktualisieren andere ihre Datensätze nur alle paar Monate. Ricci entwickelte deshalb gemeinsam mit seinen KI-Agenten ein Programm, das die Daten auf tatsächliche Veränderungen überprüft. Nur wenn sich die Inhalte geändert haben, berechnet die Software die betroffenen Datenschichten neu. So vermeidet sie unnötige Verarbeitungsschritte und reduziert den Aufwand für die Pflege der Plattform.
Ricci kann sich vorstellen, dass seine Plattform künftig auch in der Bildung, im Tourismus oder in der Raumplanung zum Einsatz kommt. So könnten Behörden beispielsweise geplante Bauvorhaben oder Änderungen der Verkehrsführung in der 3D-Umgebung veranschaulichen. Das würde es auch der Bevölkerung erleichtern, solche Vorhaben nachzuvollziehen.
Ricci will "Genève 3D" vorerst für alle kostenlos zugänglich halten.
Übrigens: Auch die Stadt Zürich lässt sich virtuell erkunden. Was die Anwendungen “Zürich virtuell” und “Zürich 4D” zeigen und wie sie die Stadtentwicklung veranschaulichen, lesen Sie hier.
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