Mehr Betrug, weniger Diebstahl

Kryptodelikte gehen zurück – aber zerschlagen zuerst noch den Vorjahresrekord

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von Coen Kaat

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres haben Kryptowährungsdelikte deutlich mehr Schaden verursacht als im gesamten Jahr 2018. Statt in kurzen Attacken viel Geld zu stehlen, beweisen Kryptokriminelle zunehmend Geduld, um noch viel fettere Beute zu erzielen.

(Source: fox17 / Fotolia.com)
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Im dritten Quartal 2019 ist der Schaden, der durch Kryptowährungsdelikte entstand, eigentlich zurück gegangen. Laut einer Studie von Ciphertrace war der Schaden sogar auf dem Tiefstwert der vergangenen Jahre.

Die gesamte Schadenssumme im dritten Quartal betrug 15,5 Millionen US-Dollar. Davon wurden 6,5 Millionen Dollar durch Cyberkriminelle gestohlen. Die übrigen 9 Millionen Dollar sind gemäss der Studie auf Exit-Scams und Ponzi-Systeme zurück zu führen.

Warum ist dieser Rückgang allein noch kein Grund zur Freude? In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres wurden insgesamt 4,4 Milliarden US-Dollar mit Kryptowährungsdelikten ergaunert. Bereits jetzt liegt die Schadenssumme 150 Prozent über dem Vergleichswert des gesamten Jahres 2018, wie die Studie zeigt.

4,8 Milliarden in zwei Exit-Scams

Zu dem Rekordwert im laufenden Jahr trugen laut der Studie vor allem zwei Exit-Scams bei: QuadrigaCX und Plustoken.

Gerald Cotten, der CEO der kanadischen Kryptowährungsbörse QuadrigaCX, verstarb im Dezember 2018 unter mysteriösen und widersprüchlichen Umständen in Indien. Er besass jedoch als einziger das Passwort für die Offlinespeicher, in denen 192 Millionen Dollar von über 100'000 Kunden verwahrt wurden.

Im März 2019 knackte EY mit richterlicher Verfügung den Laptop des verstorbenen CEOs. Ihre Untersuchung zeigte, dass die Konten rund acht Monate vor dem Tod Cottens geplündert wurden. Zudem war die Buchhaltung des Unternehmens mangelhaft und voller Lücken.

Plustoken könnte derweil der bisher grösste Exit-Scam sein. Der Schaden soll etwa 2,9 Milliarden Dollar betragen. Die chinesische Polizei deckte das angebliche Ponzi-System rund um den südkoreanischen Anbieter Ende des zweiten Quartals auf. Die Einzelheiten sind aber noch immer nicht klar.

Hohe Dunkelziffer und mehr Betrugsdelikte

Eine echte Erklärung dafür, wieso die Kryptowährungsdelikte im dritten Quartal zurückgingen, hat Ciphertrace nicht. Laut der Studie hätten die beiden Exit-Scams aber sicher dazu beigetragen, die Statistiken zu verzerren. Ferner könnte der Rückgang mit der zunehmden staatlichen Regulierung der Kryptobranche zusammenhängen.

"Aber auch ohne die beiden grössten Fälle sehen wir sehr viele Millionendelikte", sagt Dave Jevans, CEO von Ciphertrace gegenüber Reuters. Gemäss ihm steige die Kriminalität in der Kryptoszene relativ konstant. "Und wir gehen nicht davon aus, dass sich dies über Nacht ändern wird."

Delikte mit einem Schaden von weniger als 5 Millionen Dollar werden gemäss dem CEO oft gar nicht gemeldet. Das Unternehmen sehe jedoch eine klare Verschiebung in der Art der Verbrechen: Statt Diebstahl mehren sich nun die Fälle von Betrug: Kryptokriminelle sind zunehmend geduldig und warten, um eine fettere Beute zu erzielen.

Die vollständige Studie von Ciphertrace können Interessierte hier lesen.

Wer mehr zum Thema Cybercrime und IT-Sicherheit lesen will, kann dies im IT-Security-Blog von IT-Markt auf www.it-markt.ch/Security tun. Der Blog wird laufend aktualisiert.

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