FHNW Cloud-Studie 2018

Ohne Austausch kein erfolgreicher Cloud-Einsatz!

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von Stella Gatziu Grivas, Leiterin Kompetenzschwerpunkt Cloud Computing, Digitalisation & Transformation, FHNW

Der schnelle und einfache Zugang zu Cloud-Services erfüllt die Forderung des Business nach Agilität. Doch wie stehen die verschiedenen Funktionsgruppen eines Unternehmens tatsächlich zu einem Cloud-Einsatz? Unterscheiden sie sich bezüglich Vorbereitung und strategischer Positionierung?

Stella Gatziu Grivas, Leiterin Kompetenzschwerpunkt Cloud Computing, Digitalisation & Transformation, FHNW. (Source: zVg)
Stella Gatziu Grivas, Leiterin Kompetenzschwerpunkt Cloud Computing, Digitalisation & Transformation, FHNW. (Source: zVg)

Digitale Technologien prägen die heutige Wirtschaft massgeblich: Sie erlauben das Verknüpfen von Produkten, Prozessen und Services. In der Folge verändert sich das Konsumverhalten der Kunden, neue Geschäftsmodelle sowie Kooperationsmöglichkeiten tun sich auf und bringen eine hohe Automatisierung mit sich, Digital Business entsteht. Cloud spielt dabei eine wichtige Rolle.

Ein Cloud-Einsatz betrifft Business und IT gleichermassen, ist also nicht nur eine IT-Angelegenheit, um die Servicequalität zu erhöhen oder um Kosten zu sparen. Ein Cloud-Einsatz erlaubt der IT in der Funktion als Business-Enabler Businessinnovationen zu unterstützen, indem die interne IT als Bindeglied zwischen Business und Cloud-Services fungiert. Anders gesagt: Die Rolle der IT wandelt sich. Als interner Cloud-Broker ist sie verantwortlich für die Verwaltung des Servicekatalogs und die Definition und Realisierung der Cloud-Strategie, abgeleitet von der Business-Strategie. Die Cloud-Strategie bestimmt, welche Services inhouse angeboten werden, welche man extern bezieht und welche aus der Cloud kommen.

Die neue IT muss jedoch noch weitaus mehr leisten, als lediglich als Cloud-Broker zu fungieren, denn ein Cloud-Einsatz wirkt sich auf viele Bereiche des Unternehmens aus. Er eröffnet neue Möglichkeiten, die man aber unbedingt mit Blick auf das Gesamtunternehmen betrachten muss. Entsprechend manifestiert sich die neue Rolle der IT auch in unterschiedlichen Bereichen, etwa bei agilen Softwareentwicklungsmethoden (Dev­OpsD) oder in den Organisationsstrukturen (etwa Bimodale IT). In der IT-Architektur zeigen sich Veränderungen in Richtung Microservices (als Dekomposierung). Schliesslich führt der Wandel der IT zu neuen Anforderungsprofilen für die IT-Mitarbeiter, vor allem was die Fach-, Sozial-, und Führungskompetenz betrifft.

Doch wie stehen die verschiedenen Funktionsgruppen eines Unternehmens tatsächlich zu einem Cloud-Einsatz? Unterscheiden sie sich bezüglich Vorbereitung und strategischer Positionierung? Die «FHNW Cloud Studie 2018» hat dies evaluiert. Untersucht wurden die folgenden Funktionsgruppen: CIO, Fachverantwortliche IT, Fachverantwortliche an der Schnittstelle zwischen Business und IT, Cloud-Provider, Geschäftsleitung, IT-Architekt, Fachverantwortliche Business.

Vorbereitung für die Cloud

Seit zirka zehn Jahren ist Cloud omnipräsent und dominiert immer mehr die CIO-Agenda. Cloud revolutionierte die Art, wie die IT bereitgestellt und konsumiert wird. Die ersten Jahre waren geprägt von hohen Erwartungen was Kostenersparnis, Flexibilität und Skalierbarkeit betrifft und Ängsten in Bezug auf Sicherheits- und Compliance-Risiken. Das Einsatzfeld mit den verschiedenen Servicemodellen (Software-as-a-Service, Infrastructure-as-a-Service etc.) war zu Beginn nicht klar. «Warum, wie und wann in die Cloud?» war das Thema in der Presse und bei Konferenzen. Gleichzeitig wurde die Frage «Mit welchen Services?» immer anspruchsvoller zu beantworten, da die Anzahl angebotener Services laufend gestiegen ist.

Heute reicht es bei Weitem nicht mehr aus, zu wissen, was Cloud ist und die relevanten Services für das Unternehmen zu kennen. Essenziell ist ein Bewusstsein für die Auswirkung von Cloud auf das gesamte Business. Das wiederum bedingt einen hohen Informationsstand und eine genaue Bedürfnisabklärung in Bezug auf Cloud. Die «FHNW Cloud Studie 2018» zeigte, dass nur 23 Prozent aller befragten Entscheidungsträger die Auswirkungen von Cloud auf das Unternehmen und das Business abschätzen können. Die Ergebnisse bei den einzelnen Funktionsgruppen variieren hier aber stark. Lediglich zirka 15 Prozent der Teilnehmer aus der Geschäftsleitung und der IT-Architekten sehen die Auswirkungen der Cloud auf das Business. Jedoch ist genau dies die Voraussetzung für die strategische Positionierung der Cloud und damit auch für den Erfolg von Transformationsprojekten.

Bei den Fachverantwortlichen IT sehen beinahe 30 Prozent die Auswirkungen von Cloud auf das Unternehmen. Es ist die Aufgabe der IT, Businessinnovationen den Weg zu ebnen. Denn die IT hat das Know-how, das technische Potenzial der Cloud zu verstehen und mit den Businessmöglichkeiten abzustimmen. Dafür muss die IT jedoch genügend Nähe zum Business haben und die Business­anforderungen wahrnehmen. Für die IT stehen aus­ser Kosten auch Agilität, Skalierbarkeit und schnelle Bereitstellung im Vordergrund. Dies lässt sich nur mit Cloud erreichen.

Die Notwendigkeit von Transparenz in der IT-Landschaft (vor allem was Infrastruktur und Applikationen betrifft), in den Businessprozessen und in den IT-Services begleiten die IT-Vorhaben seit längerer Zeit. Sei es, um Konsolidierung und Standardisierung anzustreben, oder um die strategische Weiterentwicklung der IT-Plattform zu unterstützen. Eine solche Transparenz ist die Voraussetzung für die Analyse der Cloud-Bedürfnisse, aber auch für die Integration von Cloud-Angeboten in die eigene IT-Landschaft – wie etwa im Fall von hybriden Clouds. Die Umfrage zeigte, dass 81 Prozent aller Befragten die aktuelle Situation sowie ihre Cloud-Bedürfnisse kennen. Davon nehmen 42 Prozent bereits entsprechende Anpassungen vor. 14 Prozent sind dabei, diese Anpassungen zu optimieren. Lediglich 19 Prozent sind mit ihrer aktuellen Situation nur teilweise vertraut.

Bei den Fachverantwortlichen an der Schnittstelle zwischen Business und IT gaben bloss zirka 9 Prozent an, ihre aktuelle Situation und die Cloud-Bedürfnisse genau zu kennen. Ungefähr 30 Prozent kennen die aktuelle Situation teilweise. Genau diese Funktionsgruppe sollte jedoch die höchste Transparenz besitzen und auch definieren können, welche Veränderungen/Anpassungen ein Cloud-Einsatz in der IT und in einem nächsten Schritt beim Business bewirkt – etwa optimierter Datenaustausch und weniger Brüche bei den Businessprozessen. Ähnlich sehen die Zahlen auch bei den IT-Architekten aus. Die IT-Architekten sind verantwortlich für die Bereitstellung von Landkarten für die IT, Businessprozesse, Daten, Funktionen, Rollen usw. und die Förderung von Transparenz. Die Fachverantwortlichen Business gaben mit mehr als 20 Prozent an, die aktuelle Situation genau zu kennen. Dies ist zentral, um Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Strategische Positionierung der Cloud

Die Definition einer Cloud-Strategie zementiert die strategische Rolle von Cloud im Unternehmen. Als Teil der IT-Strategie hat sie viel mehr Potenzial, auch aktiv umgesetzt zu werden, sofern die IT-Strategie ausgehend von den Bedürfnissen und Zielen des Business definiert wird. Die Ableitung der IT-Strategie aus der Unternehmensstrategie ist somit zentral für einen erfolgreichen Cloud-Einsatz zur Unterstützung von neuen Businessmodellen. Das bedingt eine enge Zusammenarbeit von Business und IT. Über alle Funktionsgruppen hinweg gaben die meisten an, Cloud sei Teil der Strategie aber noch nicht vollständig definiert. 37 Prozent der Teilnehmenden sagten aus, Cloud sei in ihrem Unternehmen strategisch in Abstimmung mit der Business-Strategie erfasst. Etwas mehr als 30 Prozent der Geschäftsleitung sieht Cloud nicht nur als Teil der Strategie, sondern arbeitet auch an der strategischen Positionierung und an der Optimierung der Cloud-Nutzung. «Wir haben noch keine Cloud-Strategie definiert», sagen vor allem die Verantwortlichen an der Schnittstelle zwischen Business und IT (etwa 10 Prozent). Dies stellt insofern ein Risiko dar, als dass genau diese Funktionsgruppe eigentlich verantwortlich ist für die Abstimmung zwischen Business und IT. Ist eine solche Abstimmung erreicht, ist die IT dann nicht mehr nur Kostenfaktor im Unternehmen, sondern Business-Enabler oder sogar Business-Driver.

Als Enabler und Treiber für die digitale Transformation bietet die Cloud folgenden Nutzen: Prozesse können ohne Verluste und Medienbrüche abgewickelt werden, über globale Wertschöpfungsketten und zahlreiche Firmen hinweg. Cloud-Lösungen sind weitgehend frei skalierbar und können jederzeit an die Geschäftsentwicklung angepasst werden. Dies unterstützt Agilität und die Anpassung an äussere Bedingungen und Veränderungen. Ein schnelles Geschäftswachstum beispielweise kann von der IT entsprechend mit höheren Cloud-Ressourcen abgedeckt werden. Im optimalen Fall wirkt sich die Nutzung von Cloud-Dienstleistungen positiv auf die Innovationskraft eines Unternehmens aus und ermöglicht das Entstehen von neuen Geschäftsmodellen. Denn die häufig sehr hohen Vorabinvestitionen für IT-Infrastruktur oder Softwareentwicklung fallen weg und dieses Budget kann etwa in der Produktentwicklung eingesetzt werden. Aber auch auf organisatorische Bereiche kann die Cloud positive Auswirkungen haben. Weil Daten und Anwendungen zentral verwaltet werden und von überall her zugänglich sind, ist ein Arbeiten unabhängig von Ort und fixen Arbeitszeiten möglich.

In der Studie gaben entsprechend 31 Prozent der Teilnehmer an, die digitale Transformation sei ohne einen Cloud-Einsatz gar nicht möglich. Nur 13 Prozent sagten aus, die digitale Transformation und ein Cloud-Einsatz hätten nichts miteinander gemeinsam. Mit Blick auf die einzelnen Funktionsgruppen offenbart sich folgendes Bild: Ein Cloud-Einsatz wird nur von ganz wenigen generell abgelehnt. Dabei ist bei Teilnehmern aus der Geschäftsleitung die Zahl der Cloud-Skeptiker aber am grössten. Jedoch gibt es deutliche Unterschiede bei der Motivation für den Cloud-Einsatz. Für die Fachverantwortlichen Business und bei den CIOs überwiegt mit zirka 70 Prozent Kostensparen als Motivation. Die Geschäftsleitung und die Fachverantwortlichen an der Schnittstelle zwischen Business und IT sehen mit 30 Prozent respektive 40 Prozent Cloud als ein fester Bestandteil der digitalen Transformation. Das Spannungsfeld ist hier nicht zwischen Business und IT, sondern zwischen CIOs und Geschäftsleitung. Eigentlich sollten die CIOs die Geschäftsleitung überzeugen, was die Möglichkeiten der Cloud betrifft, und nicht umgekehrt. Wenn die CIOs aber wie erwähnt Zahlen priorisieren und die Hauptmotivation Kostenersparnis ist, macht dies einen umfassenderen Blick auf die Auswirkungen und das Potenzial eines Cloud-Einsatzes unmöglich.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Damit der Weg in die Cloud gelingt, braucht es ein fundiertes und umfassendes Verständnis darüber, was die Möglichkeiten, Grenzen und Risiken eines Cloud-Einsatzes betrifft. Ein Cloud-Einsatz ist nicht nur Sache der IT, sondern betrifft das gesamte Unternehmen. Der intensive Dialog und Wissenstransfer zwischen den einzelnen Funktionsgruppen ist daher ein Muss für einen erfolgreichen Cloud-Einsatz.

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