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"Monetas ist ein System, auf dem die gesamte Wirtschaft laufen wird"

Uhr | Aktualisiert
von Marc Landis, Chefredaktor

Johann Gevers will mit seinem Start-up Monetas die Welt zu einem besseren Ort machen. Wie Gevers das schaffen will und warum er in der Schweiz wohl kein Start-up mehr gründen würde, erklärt er im Gespräch.

Johann Gevers, CEO von Monetas. (Quelle: Netzmedien)
Johann Gevers, CEO von Monetas. (Quelle: Netzmedien)
Ich habe Sie einmal an einer Crypto-Finanz-Konferenz auf der Bühne erlebt und gemerkt, dass Sie eine Mission haben. Ihnen geht es darum, die Welt zu verändern, sie zu verbessern. Sie wollen nicht einfach ein Start-up gründen, um es dann gewinnbringend zu verkaufen. Was ist Ihr Antrieb?

Johann Gevers: Es fing schon in meiner Jugend an in Südafrika. Ich habe damals gesehen, dass das Apartheid-System nicht funktionierte – es war ungerecht und autoritär – und auch viele andere Regierungssysteme funktionierten damals nicht und funktionieren heute nicht, weil sie die Souveränität der Menschen missachteten und missachten. Und so habe ich mir überlegt, was es bräuchte, ein System zu schaffen, das bessere Resultate liefern würde. Zuerst habe ich mir überlegt, welchen politischen Weg es geben würde. Also welches Grundgesetz beziehungsweise welche Verfassung es bräuchte, um eine gerechte und prosperierende Gesellschaft zu fördern. Damit habe ich mich viele Jahre lang befasst und habe auch gute Fortschritte erzielt. Allerdings wurde mir klar, dass ich mein Ziel über den politischen Weg nicht erreichen würde.

Und so wandten Sie sich der Weltverbesserung durch Technologie zu?

Ja, schauen Sie sich nur Facebook oder Twitter an. Damit kann man die ganze Welt erreichen. Ohne dass man politisch jemanden überzeugen muss, denn das Produkt ist so entwickelt, dass die Menschen es gerne benutzen. So kann man einen Riesen-Impact haben. Die Kombination von Mobiltelefonen mit Social Media hat den Arabischen Frühling eingeleitet.

Stimmt, allerdings geht es der Bevölkerung dort heute nicht unbedingt besser als vorher. Viele dieser Länder haben seither Rückschritte gemacht, die Menschen dort werden nach wie vor unterdrückt und die Menschenrechte verletzt. Ganz zu schweigen vom radikalen Islamismus, der es sich zunutze macht, dass gewisse Länder seit dem Arabischen Frühling nicht mehr in der Lage sind, ihr Staatsgebiet unter Kontrolle zu halten ...

Da haben Sie Recht. Tunesien ist das einzige arabische Land, in dem seit dem Arabischen Frühling heute Demokratie herrscht. Revolutionen haben es an sich, dass sie Wandel zu schnell herbeiführen wollen, so dass die Menschen nicht mitkommen. Man kann Frieden nicht mit dem Bajonett pflanzen.

Aber mit Technologie?

Ja. Man ist frei, die Technologie zu benutzen oder nicht. Die Adaptation neuer Technologien geschieht also nicht plötzlich, sondern über einen längeren Zeitraum. Die ersten Smartphones Anfang der 2000er-Jahre hatten nur eine kleine Fan-Gemeinde und es gab nur wenige Hersteller. Mit dem Eintritt von neuen Anbietern in den Smartphone-Markt, insbesondere natürlich von Apple, Google und Samsung, begann der Boom und die Geräte wurden mehrheitsfähig. Evolution statt Revolution.

Und Sie glauben, dass Ihre Technologie, also die Monetas-­Plattform, dasselbe Potenzial hat?

Davon bin ich überzeugt. Monetas bietet eine globale digitale Vertragsplattform, die es ermöglicht, dass zwei Parteien, die sich nicht kennen und die sich auch nicht vertrauen müssen, einen Vertrag miteinander abschliessen können, der dann in jedem Fall auch eingehalten wird. Monetas hat einen automatisierten digitalen Notar entwickelt, der sicherstellt, dass nicht betrogen werden kann und beide Parteien die vertraglich vereinbarten Leistungen auch erhalten. Wir bieten dabei ein offenes, universelles digitales System, das effizient und sicher ist. Man kann auf dieser Plattform jegliche Art von Werten und Wertschriften vertraglich definieren und handeln – von einfachen Zahlungen bis hin zu den komplexesten Finanzprodukten, Futures und Options und Währungen aller Art.

Was hat die Monetas-Plattform mit Blockchain zu tun?

Monetas ist ein Vertragssystem was auf effiziente, sichere Transaktionen spezialisiert ist. Blockchain ist ein ­Konsenssystem, was auf die sichere Speicherung von digitalen Daten spezialisiert ist. Weil die Blockchain ein Konsenssystem ist, muss die Mehrheit der angeschlossenen Computer jeder Transaktion zustimmen. Das ist für Transaktionen, die schnell und billig gehen sollen, sehr unpraktisch, weil das sehr viel Zeit braucht und ­teuer ist. Blockchain eignet sich aber gut für die Dokumentation von Infrastrukturdaten wie Gesetze, Grundbücher oder für Wahlen und Abstimmungen. Konsenssysteme wie Blockchain plus digitale Vertragsplattformen wie die Monetas-Plattform ergeben ein vollständiges Ökosystem.

Wie laufen die Geschäfte für Monetas?

Wir sind mit dem operativen Geschäft noch nicht gestartet. Wir planen den Markteintritt im zweiten Quartal 2017.

Sie haben also seit der Firmengründung 2012 kein Geld verdient?

Das stimmt. Aber es ist auch ein grosses Projekt. Es ist nicht nur einfach eine App, sondern es ist ein System, auf dem in Zukunft die gesamte Wirtschaft laufen wird.

Wie finanziert sich Monetas?

Wir haben Investoren. Am Anfang standen die drei Fs, also Family, Friends und Fools – dann kamen Small Angel Investors dazu, später Large Angel Investors, und jetzt haben wir gerade die vierte Finanzierungsrunde eröffnet und nehmen auch Risikokapitalfirmen dazu.

Aber sind Sie im Zeitplan?

Wir wären gerne schon dieses Jahr auf den Markt gegangen.

Was ist der Grund für die Verzögerung?

Wir legen bei unserer Plattform höchsten Wert auf Sicherheit. Wir lassen unsere Software von einer Schweizer Universität und von unabhängigen Consulting-Unternehmen immer wieder prüfen und machen kontinuierlich Sicherheits-Upgrades. Das braucht sehr viel Zeit. Und wir hatten Anfang des Jahres eine sehr gründliche Security Review und in diesem Rahmen wurden einige Punkte entdeckt, bei der wir die Sicherheit unserer Plattform noch weiter verbessern können. Das verzögert nun unseren Markteintritt. Wir wollen nicht das Risiko eingehen, dass wir bei der Lancierung Opfer eines grossen Scams werden, wie das bei dem Ethereum DAO passiert ist. Denn das wäre unser Ende. Deshalb sind wir sehr vorsichtig.

Wie gehen Sie eigentlich mit Mitbewerbern aus der Crypto-­Finanzindustrie um? Wie sind die Verhältnisse?

Die ganze Crypto-Finanz-Industrie ist ein offenes Feld und noch so jung, dass es genug Platz für verschiedenste Start-ups hat. Wir haben bei den Vertragsplattformen aber die Nase vorne, weil wir schon früh gemerkt haben, dass Blockchain nicht das Alpha und das Omega ist. Andere Start-ups aus unserem Bereich merken das nun auch.

Warum haben Sie Zug in der Schweiz als Domizil für Monetas gewählt?

Die Schweiz ist ein Land mit einer dezentralen Struktur. Bund, Kantone, Gemeinden. Die Macht ist nicht an einem Ort konzentriert. Und da wir mit Monetas auch eine dezentrale Plattform entwickeln, passen die Schweiz und Monetas sehr gut zusammen. Zudem gibt es hier ein gutes Bildungssystem und eine gute Infrastruktur. Und Zug bietet attraktive wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen mit moderaten Steuern. Zudem ist die ETH nicht weit, und so finden wir die Talente, die wir für unsere Arbeit brauchen.

Viele Jungunternehmer beklagen sich, dass in der Schweiz die ­Bedingungen für Start-ups schlecht seien ...

Das stimmt auch, obwohl es sich nach einem Widerspruch anhört. Die Rahmenbedingungen für das Business sind gut, aber nicht für Start-ups. Da habe ich auch böse Überraschungen erlebt. Ich habe das unterschätzt.

In Bezug auf die Steuerbelastung nach Finanzierungsrunden?

Das auch. Aber auch die Bürokratie ist enorm, mit der wir uns als Start-up herumschlagen müssen. Wenn ein Technologieriese wie Google in die Schweiz kommt, haben die ein Heer von Anwälten, die sich durch den Bürokratie­-Dschungel durchschlagen können. Für ein Start-up, für das jeder Franken zählt, ist das eine enorme Belastung, und die Zeit, die man dadurch verliert ist auch kostbar. Aber es gibt zum Glück einige Leute, die das einsehen und versuchen, die Rahmenbedingungen für Start-ups in der Schweiz zu verbessern. Es gibt hier etwa eine Anwaltskanzlei in Zug namens Wenger und Vieli, die oft mit Start-ups arbeiten, oder Ständerat Ruedi Noser von der FDP und andere, die sehen, dass die Schweiz Start-up-freundlicher werden muss, wenn sie mittel- und langfristig als Technologiestandort überleben will. Auch wir von Monetas beteiligen uns an der Initiative, um bessere Bedingungen für Start-ups zu schaffen.

Würden Sie wieder ein Start-up in der Schweiz gründen?

Wahrscheinlich nicht. Wenn ich gewusst hätte, wie schwierig es werden würde, hätte ich es wahrscheinlich in Singapur gemacht. Aber wir haben uns für die Schweiz entschieden und sind jetzt hier. Wir haben uns bis jetzt durchgekämpft und wir werden auch bleiben. Wenn es uns jetzt noch gelingt, die Bedingungen zu verbessern, dann klappt das schon. Und ich bin auch ein Riesenfan der Schweiz.

Die Crypto-Finanzindustrie, in der Sie sich mit Monetas bewegen, hat das Potenzial, die Finanzwelt zu revolutionieren. Laufen nun Banken Gefahr ge-ubert zu werden? Welche Zukunft sehen Sie für die traditionellen Finanzinstitute?

Man kann die neuen Technologien nicht stoppen. Und ich glaube, Banken tun gut daran, sich damit zu befassen und die Chancen darin für sich zu nutzen. Die Finanzindustrie leidet etwa massiv unter den Kosten der Compliance. Eine Studie der Santander-Bank hat berechnet, dass Banken mit Cryptofinanz-Technologien Kosten in Höhe von rund 20 Milliarden Franken sparen könnten. Wichtig ist, dass die Banken jetzt schnell handeln und auf den Zug aufspringen. Denn wer nicht schnell genug ist, wird eines Tages zu den Dinosauriern gehören.

... und die sind ausgestorben.

Genau.

Wie sieht es mit den Schweizer Grossbanken aus. Sind sie schnell genug?

Das ist eine gute Frage. Wir sprechen mit ihnen und sie sind auch begeistert über die neuen Möglichkeiten der Crypto-Finanztechnogien. Aber die Banken klagen selbst darüber, wie schwierig es sei, entsprechende Projekte firmenintern zu lancieren und umzusetzen. Der Wille zur Digitalisierung muss von ganz oben, vom Verwaltungsrat her kommen.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Mein erstes Ziel ist, dass wir im zweiten Quartal 2017 im Markt sind, dass Monetas genutzt wird und dass die Menschen, die unsere Plattform verwenden, einen wirklichen Nutzen davon haben. Wir werden auch immer die Privatsphäre und die Souveränität unserer Nutzer wahren. Ich hoffe, dass die Leute einen Wow-Effekt mit uns erleben. Ich bin mir sicher, dass Monetas dann schnell wächst und dass wir der führende Anbieter digitaler Vertragsplattformen sein werden. Wir wollen die Infrastruktur für eine freie und prosperierende Gesellschaft bauen. Das ist unser Ziel.

Zur Person

Johann Gevers ist in Südafrika aufgewachsen und hat nach seinem Studium von Mathematik, Philosophie und Psychologie in der Finanzindustrie gearbeitet. Er war danach als Business-Consultant tätig und wanderte nach Kanada aus, wo er in Vancouver lebte und Start-ups beriet.

Er siedelte dann in die Schweiz über und gründete 2012 das Start-up Monetas in Zug. Neben der Arbeit treibt Gevers Sport, liest gerne und er liebt Musik. Er spielt Trompete und singt im Chor "Audite Nova" in Zug, der als einer der bedeutendsten Chöre der Zentralschweiz gilt.

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