Software-as-a-Service-Anbieter: "Houston, we have A(I) problem"
Welche neuen Fallstricke gibt's denn da für Software-as-a-Service-Anbieter? Die Softwareentwicklung entwickelt sich selbst! Kein Wortspiel, sondern Realität.
Vor zwei Jahren noch konnte ein KI-Agent rund 30 Sekunden lang autonom coden. Heute arbeitet er länger als eine Stunde selbstständig. Die Lernkurve zeigt steil nach oben und das Wachstum der KI-Player erst recht. Sie legen dreimal schneller zu als klassische Software-as-a-Service-Firmen (SaaS). Paradebeispiel: Anthropic. In Rekordzeit von null auf 14 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Für die alte Garde wie Figma dagegen weniger witzig: Zeitweise waren 75 Prozent des Börsenwerts futsch. Das tut weh, hätte doch die FTC Adobe erlaubt, Figma zu kaufen.
Ich ärgere meine Entwickler-Freunde gerade sehr gern mit der naiven Frage: "Na, wie viele Tokens hast du heute schon verbrannt?" Die Antwort ist dann meist betretenes Schweigen.
Weg vom sehr Plakativen, hin zur Realität in der Softwareentwicklung: Ja, man kann mit KI-Agenten schnell und gut viel coden, aber damit ist es dann mitnichten getan. Die Kosten explodieren regelrecht, weil man nun viel mehr einrechnen muss (KI-Tool-Lizenzen und Tokens, Hosting/Infrastruktur, Integration in Standards und Architektur, QA-Mehraufwand). Das kann durchaus teuer werden.
Last, but certainly not least lauert da die Gefahr der Bedeutungslosigkeit für SaaS-Anbieter. KI schichtet sich wie Sand auf die SaaS-Software, vom Interface durch bis zur Businesslogik. Damit wird der Traum jedes Endanwenders endlich Realität. Endlich "der Software" einfach nur schreiben oder sagen, was man will, so wie einem der Schnabel gewachsen ist. Hach, mir wird ganz anders (Grüsse nach Walldorf, und an Herrn Benioff).
Was können die SaaS-Anbieter denn nun tun?
- Sich weiterentwickeln, messen, analysieren, sich anpassen, diese KI-Tools (auch) nutzen (mit IBMs WatsonX kann man jetzt auch Cobol-Code generieren. Da lacht mein altes Programmierer-Herz und ich ärgere mich etwas weniger darüber, dass ich irgendwann einmal meine Cobol-Manuals wegwarf) – Courant normal seit … ewig. Bloss jetzt halt unter Hochdruck, weil die Uhren schneller ticken.
- Sich spezialisieren, möglichst ganze Abläufe abarbeiten, platt gesagt: sich tief(er) in die Abläufe eingraben. Wie die guten alten Mainframe-Hersteller wissen, kann das jahrzehntelang halten (siehe IBMs WatsonX ...).
- Das eigene Ökosystem hegen und pflegen. Auch eine alte Weisheit im (Standard-)Software-Business; egal wie modern, On-Prem, SaaS, was auch immer. Es hat sich noch immer ausgezahlt, anständig mit Partnern und Kunden umzugehen. Das hat sich nie geändert und wird sich nie ändern. Anständig von A (wie Lizenzpreise) bis Z (Support), einmal querbeet durch.
Eins ist sicher: Es wird nicht langweilig und bleibt spannend!
Ich bedanke mich bei Andreas Göldi. Sein Referat zu diesem Thema am Digital-Shift-Anlass im März 2026 inspirierte mich zu diesem Artikel. Meine Helferlein: Notebook LM und Perplexity Pro unterstützten mich brav beim Feinschliff des Artikels.
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