Claude Code

Anthropic erschüttert mit KI-Tool für Cobol den IBM-Aktienkurs

Uhr
von Alexia Muanza und Übersetzung: Joël Orizet, nki

Eine Ankündigung von Anthropic sorgt bei IBM für einen Kurssturz. Das KI-Unternehmen will mit seinem Werkzeug Claude Code die Modernisierung der Programmiersprache Cobol automatisieren. Die IBM-Aktie fiel daraufhin um mehr als 13 Prozent - der stärkste Tagesverlust seit dem Jahr 2000.

(Source: Coolcaesar / CC BY-SA 3.0)
(Source: Coolcaesar / CC BY-SA 3.0)

Das Vorhaben hat lange als eines der komplexesten und teuersten in der Unternehmens-IT gegolten: die Modernisierung alter Systeme, die in der Programmiersprache Cobol geschrieben sind. Das KI-Unternehmen Anthropic will diese Aufgabe nun mit seinem Werkzeug Claude Code grösstenteils automatisieren.

Cobol ist in kritischen Infrastrukturen nach wie vor allgegenwärtig. Laut einem Blogeintrag von Anthropic verarbeitet die Sprache rund 95 Prozent aller Transaktionen an Geldautomaten in den USA. Täglich laufen Hunderte Milliarden Zeilen Cobol-Code in Systemen der Finanzbranche, der Luftfahrt und öffentlicher Verwaltungen. Doch dieses Fundament bröckelt, weil das Fachwissen schwindet: Die ursprünglichen Entwicklerinnen und Entwickler sind pensioniert, die Sprache wird kaum noch gelehrt und die Dokumentation hinkt der jahrzehntelangen Entwicklung oft hinterher.

Bislang erforderte die Modernisierung solcher Umgebungen langwierige und teure Projekte. Über Jahre hinweg rekonstruierten Beratungsteams die Geschäftslogik und zeichneten komplexe Abhängigkeiten nach. In vielen Fällen überstiegen die Kosten für das blosse Verständnis des alten Codes den Aufwand für eine komplette Neuentwicklung.

Claude Code soll diese Vorarbeit nun automatisieren. Laut Anthropic analysiert das Werkzeug die gesamte Codebasis, bildet Abhängigkeiten automatisch ab und dokumentiert nicht formalisierte Arbeitsabläufe. Zudem identifiziert es Risikobereiche vor einer Migration. Menschliche Fachkräfte bleiben für die Planung, Risikobewertung und funktionale Abnahme zuständig, während die Übersetzung in neuere Sprachen schrittweise erfolgt. Anthropic behauptet, dieser Ansatz verkürze Modernisierungsprojekte von mehreren Jahren auf wenige Quartale.

Auf diese Ankündigung reagierten die Finanzmärkte heftig. Die Aktie von IBM brach am Montag, dem 23. Februar, um 13,2 Prozent ein, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt. Dies ist der stärkste Tagesverlust seit dem 18. Oktober 2000. Reuters erinnert daran, dass Cobol auf IBM-Grossrechnern im Banken-, Versicherungs- und Behördenumfeld massiv zum Einsatz kommt, was die Nervosität der Anleger und Anlegerinnen erklärt.

Auch die Kurse anderer Softwarefirmen gaben in der Folge nach. Der Vorfall verdeutlicht eine wachsende Nervosität am Markt: Anlegerinnen und Anleger befürchten, dass KI-Anwendungen zunehmend die Produkte etablierter Softwarefirmen ersetzen könnten. Konkret fielen am Montag auch die Aktien der Cybersicherheitsfirmen Crowdstrike und Datadog. Laut Reuters reagierte der Markt damit auf ein weiteres, neu angekündigtes Werkzeug von Anthropic, das eine direkte Konkurrenz für die Sicherheitsbranche darstellt.
 

Cobol ist übrigens eine der ältesten noch angewendeten Programmiersprachen weltweit. Welche Herausforderungen diese Langlebigkeit birgt, sagen Experten von UBS, Planzer und IBM im Hintergrundbericht: Wie die Programmiersprache Cobol dem Wandel der Zeit trotzt.

Webcode
XvnFi3bG