Editorial

Gadget-Puzzle

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René Jaun, Redaktor. (Source: Netzmedien)
René Jaun, Redaktor. (Source: Netzmedien)

Am Anfang meiner Odyssee hat ein simpler Wunsch gestanden: Ich – bekennender Radio- und Funk-Nerd – wollte auf Reisen meinem Hobby frönen: durch die Frequenzen streifen, Programme erkunden, Musik entdecken, Flugfunk und Amateurfunk abhören und so weiter. Als Fan von quelloffenen und Do-it-yourself-Lösungen war ich nicht an einem kommerziellen Funkscanner interessiert, sondern wollte mir meine idealen Komponenten selbst zusammenstellen.

Der Anfang war easy: Der populäre Einplatinencomputer Raspberry Pi bietet sich als Gehirn an, und einen guten USB-Funkempfänger fand ich bei einem Unternehmen namens SDRplay. Tastatur, Kopfhörer und Antenne lagen bei mir schon herum. Sogar eine Powerbank hatte ich parat, um meine Ausrüstung fernab von Steckdosen nutzen zu können. Damit war alles parat – oder?

Nein, musste ich leider feststellen. Was in der Theorie funktionieren mag, scheiterte in der Praxis: Zunächst musste ein Ventilator her, da sich der Minicomputer ohne Kühlung viel zu oft wegen Überhitzung abschaltete. Dann rüstete ich eine schnelle, interne Festplatte nach, weil die Standard-Speicherkarte viel zu schnell verschliss. Wieder später kam es erneut zu spontanen Abschaltungen, da meine Powerbank zwar viel Strom lieferte, jedoch nicht mit der vom Computer benötigten Spannung; dieses Manko behebt aktuell ein zusätzlicher Stromwandler. Dazu kommen noch ein Gadget, um den Funkempfänger von den durch die anderen Komponenten verursachten Störungen abzuschirmen, ein Signalverstärker für die Antenne und ein GPS-Kästchen für die funktionierende Positionsbestimmung. Und soll ich Ihnen jetzt noch erläutern, wie viele verschiedene Kabel und Adapter ich benötige, um das alles zu verbinden?

Kurzum: Über die vergangenen Monate erwuchs aus meinem simplen Wunsch ein überraschend beachtlicher Gerätepark. Einige Bestandteile kaufte ich mehrfach in unterschiedlichen Ausführungen, da in der Praxis längst nicht alle miteinander harmonieren. Andere Komponenten sind einzig dafür da, diese Harmonie herzustellen.

Für mich gleicht das Aufbauen meiner Funkausrüstung inzwischen dem Zusammensetzen eines Gadget-Puzzles. Neu sind solche Erfahrungen übrigens nicht. Ich mache sie regelmässig, wenn ich versuche, Produkte verschiedener Hersteller miteinander zu verbinden. Ich will bei der Auswahl neuer Komponenten nicht an ein festes Ökosystem gebunden sein. Und ich mag die Herausforderung, auf dem Markt genau die für mich passenden Komponenten auszuwählen. Aber damit das funktioniert, sind Hersteller und Entwickler gefordert: Sie müssen sich darum bemühen, dass ihre Gadgets und Tools mit Komponenten ausserhalb ihres eigenen Ökosystems kompatibel sind.

Beim Verwirklichen meines Wunsches nach einer portablen Empfangsausrüstung holte ich mir übrigens regelmässig KI-Unterstützung. Damit löste ich diverse Probleme angenehm schnell – und schuf zugegebenermassen auch ein paar neue. Ähnlich dürfte es aktuell auch manchem Unternehmen bei der KI-Einführung gehen. Wie KI-gestützte Business-Software den Geschäftsalltag verändert, lesen Sie im Podium in dieser Netzwoche-Ausgabe. Welche Rolle KI für die Digitalisierung der Landwirtschaft spielt, erfahren Sie im Live mit Lucy Reynolds, Head of Commercial Digital IT bei Syngenta. Bleibt zu hoffen, dass sich die neue Technologie ohne neuen Gerätepark einbinden lässt.

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