Prozesse zeigen Wirkung: Microsoft öffnet sich der Konkurrenz
Der Softwareriese Microsoft hat in der Nacht auf gestern Donnerstag angekündigt, sein Betriebssystem Windows für die Konkurrenz zu öffnen. Das Unternehmen hat dazu zwölf Regeln definiert. Diese sollen bereits beim Windows-XP-Nachfolger Vista angewandt werden. Mit diesen Prinzipien verpflichtet sich Microsoft selbst zu mehr Transparenz und Kooperation mit der Konkurrenz. In Zukunft wird der Nutzer wieder selbst entscheiden dürfen, welche Programme und Funktionen auf den Rechner geladen werden. PC-Herstellern werde es erlaubt, von Windows-PCs Programme wie Internet Explorer oder Windows Media Player zu entfernen und die Vorgaben für Anwendungen zu ändern. Ausserdem dürfen beliebige andere Betriebssysteme, Anwendungen und Web-Services installiert und vermarktet werden. Von offizieller Seite heisst es, Microsoft habe erkannt, welch wichtige Rolle Windows in der IT einnehme und welche Verantwortung deshalb auf Microsoft ruhe. Es sei deshalb wichtig, Transparenz für alle Marktteilnehmer zu schaffen. Die Mitteilung zu den neuen Grundsätzen erfolgte kurz nachdem die EU Microsoft zu einer Strafe von 280,5 Millionen Euro verbrummt hatte. Die Strafsumme entspricht einem täglichen Bussgeld von einer Million Euro seit Dezember 2005, als die EU Microsoft ultimativ aufgefordert hatte, bis zum 20. Juni vollständige und genaue Schnittstellenangaben offen zu legen. Die Frist wurde von Microsoft nicht eingehalten. Microsoft dementiert einen Zusammenhang mit der von der EU-Kommission verhängten Strafe. Microsoft-Sprecher Thomas Lutz betont, dass diese Prinzipien weltweite Gültigkeit hätten und nicht nur an die EU gerichtet wären. Dass die Kartellverfahren jedoch einen gewissen erzieherischen Effekt gehabt hätten, räumt er ein, sei offensichtlich. Microsoft habe aus den Kartellprozessen in den USA und Europa seine Lektionen gelernt, sagte Brad Smith, Leiter der Rechtsabteilung. Ebenfalls lernen müssen habe Microsoft, dass ein Betriebssystem für die Anwender weniger interessant ist als die Anwendungen, die darauf laufen.
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