CNO-Panel

"Daten sind der Eckpfeiler einer IoT-Strategie"

Uhr | Aktualisiert
von George Sarpong

Chris Hillman ist Principal Data Scientist bei Teradata. Er hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Business Intelligence ­Industry. An der University of Dundee forscht er für seine Dissertation im Bereich Datenwissenschaften. Auf dem ­CNO-Panel wird er am 27. Oktober die wichtigsten Erkenntnisse sprechen.

Chris Hillman, Principal Data Scientist bei Teradata. (Quelle: Teradata)
Chris Hillman, Principal Data Scientist bei Teradata. (Quelle: Teradata)

Ist das Internet der Dinge nur ein Hype?

Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) wird so aufgebauscht, dass Unternehmen desillusioniert werden oder sich, schlimmer noch, ganz davon abwenden könnten. Warum ist das so? Bisher konzentrieren sich die wichtigsten IoT-Akteure auf die Hardware, insbesondere die Sensoren, auf Plattformen, die nebenbei Daten speichern, oder auf die Software für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation. Die fortschrittlichsten Akteure untersuchen neue Geschäftsmodelle. Aber niemand spricht über die Daten. Wir dürfen aber eins nicht vergessen: Je mehr Endgeräte miteinander reden, je mehr Sensoren eingebaut werden, umso mehr Daten werden generiert. Und damit entstehen auch Datenquellen, mit deren Zahl und Verschiedenheit nicht alle Branchen Erfahrung haben. Wenn es um das Internet der Dinge geht, müssen Daten einen entscheidenden Eckpfeiler jeder Unternehmensstrategie bilden. Denn Daten sind das Herz des IoT. Die wesentliche Frage lautet: Wie können wir die Daten aus dem IoT nutzen, um echte Geschäftsprobleme zu lösen? Wie können wir zum Beispiel vorhersagen, wann eine Maschine defekt wird?

Was sind die häufigsten Fehler auf dem Weg?

Bei der Entwicklung einer IoT-Strategie wird oft der Datenschatz vergessen, den das Unternehmen schon vor dem IoT hatte – Kundendaten, Finanzkennzahlen, Supply-Chain-Reports. Es reicht nicht, die IoT-Daten isoliert zu betrachten. Erst wenn sie in Zusammenhang mit anderen Daten gesetzt werden, fängt das Ganze an, einen Mehrwert zu liefern. So können wir beispielsweise Sensordaten erfassen, mit denen wir das Motorenverhalten überwachen. Aber nur wenn wir auch die Stammdaten des Motors oder Fahrzeugs, seine Reparatur- und Servicehistorie sowie den bisherigen Einsatz betrachten, können wir präzise vorhersagen, wann dieser Motor ausfallen wird. Für Eisenbahnunternehmen, Fluglinien und Lieferfirmen könnte das bedeuten, dass sie ein Fahrzeug nicht stilllegen müssen und damit verhindern, dass Passagiere oder Güter liegenblieben.

In welchen Bereichen und Branchen sehen Sie derzeit das größte Marktpotenzial?

Gesundheits- und Fitnessarmbänder machen die größten Schlagzeilen, aus wirtschaftlichen Gründen wird das IoT aber die größten Auswirkungen auf kapitalintensive Branchen und deren Geschäftsanwendungen haben und nicht auf Verbraucheranwendungen wir Fitbit. Ein großes Potenzial bietet das vernetzte Auto. Gartner sagt voraus, dass 2020 bereits 250 Millionen vernetzte Autos auf den Straßen unterwegs sein werden, die damit einen signifikanten Teil des IoT ausmachen. Im Bereich der Fertigung haben Länder wie Deutschland, die USA, Japan und Korea staatliche Programme zu "Industrie 4.0" oder "Smart Manufacturing" aufgelegt. Der Erdöl- und Erdgasindustrie kann das IoT wichtige Daten liefern, etwa darüber, wo ein neues Ölfeld erschlossen werden soll oder ob sich bei fallenden Ölpreisen der Bau einer neuen Raffinerie lohnt.

Wie können kleine und mittlere Unternehmen vom Internet der Dinge profitieren?

Die Unternehmen müssen herausfinden, ob es sich für sie lohnt. Es reicht nicht mehr, sich auf Produktinnovationen zu konzentrieren. Denn die steigende Kommodisierung bedeutet, dass ein neues Produkt von heute schon morgen einfach kopiert und von einem anderen Unternehmen hergestellt werden kann. Es geht darum, Szenarien zu entwickeln, in denen das IoT genutzt wird, um laufenden Service zu bieten und damit langfristigen Nutzen für den Kunden und den Anbieter zu schaffen. Die Technologie dafür ist vorhanden und für jeden zugänglich. So ermöglichen es die Cloud-Technologien kleinen und mittleren Unternehmen, große Speicherkapazität und Rechenleistung ohne große Einstiegsinvestitionen zu nutzen. Diese Unternehmen haben oft den Vorteil, dass sie eine engere Beziehung zu ihren Kunden haben und besser verstehen, wie sie Mehrwert für die Kunden schaffen könne.

Was sind die größten Hindernisse beim Internet der Dinge, und wie können sie beseitigt werden?

Es geht heute oft um die Notwendigkeit von Echtzeit-Daten und Echtzeit-Analysen. Das ist eine neue, coole Technologie. Tatsächlich ist es aber viel wichtiger herauszufinden, wie und zu welchem Zweck die Daten genutzt werden können. Wenn Unternehmen die Daten Minuten, Stunden oder Tage nach ihrer Erfassung analysieren, können sie daraus fast immer noch direkt verwertbare Erkenntnisse ziehen. So ist beim vernetzten Auto ein nach vorne gerichteter Radar ein Beispiel für die Echtzeit-Analyse von Daten. Er erkennt Objekte vor dem Auto und sendet diese Information an nachfolgende Autos, um ihnen mehr Zeit zum Bremsen zu geben und damit Unfälle zu verhindern. Die Entwicklungsteams beim Automobilhersteller brauchen die Daten aber nicht sofort. Auch wenn Sensordaten, die zeigen, dass die hinteren Türen eines bestimmen Modells nur selten geöffnet werden, erst Monate später an das Entwicklungsteam übermittelt werden, können sie immer noch eine wertvolle Grundlage für die Entscheidung darstellen, von diesem Modell künftig lieber eine dreitürige als eine fünftürige Variante zu produzieren. Unternehmen sollten ihre Daten zur richtigen Zeit analysieren, nicht unbedingt in Echtzeit. Damit können sie die Kosten niedrig halten, und sie können die Daten immer noch den Mitarbeitern mit Kundenkontakt zur Verfügung stellen, die mit ihrer Hilfe operative Entscheidungen rechtzeitig und korrekt treffen können. So kann ein Unternehmen seinen Call-Center-Agenten über entsprechenden Datenzugriff Kenntnis über alle anderen Kontaktpunkte geben, über die ein bestimmter Verbraucher mit dem Unternehmen zu tun hatte, sodass die Agenten optimal auf den Kunden eingehen können. Langfristig stärkt das die Kundenbindung und die Kundenzufriedenheit, außerdem steigert es die Rentabilität und die Effizienz des Geschäfts. Bei vielen Unternehmen, die bisher eher produktorientiert waren, erfordert das ein Umdenken. Das Internet der Dinge kann Unternehmen nachhaltige neue Umsätze bieten, wenn sie bereit sind, sich auf das IoT einzulassen. Beispiel Automobilindustrie: Hier fangen die Hersteller gerade an zu verstehen, dass ein Autokauf nicht unbedingt eine einmalige Transaktion darstellt. Das vernetzte Auto ist kein Endprodukt. Es ist vielmehr ein Weg, Daten zu sammeln, und eine Plattform für Services und Angebote, über die eine laufende, für beide Seiten nützliche Beziehung aufgebaut werden kann. Um das zu verstehen, muss die Automobilindustrie nur an neue Marktteilnehmer wie Tesla denken, die gerade die Regeln neu definieren. Statt die Autos für ein Software-Update in die Werkstätten zu rufen, kann Tesla die Updates remote durchführen. Das ist zeitsparend, bequem – und ein einzigartiges, attraktives Angebot für neue Kunden.

Sollte die Schweizer Regierung eingreifen und Projekt zum Internet der Dinge fördern?

Lassen Sie mich mit einem Beispiel antworten. Die deutsche Regierung hat sich, ebenso wie die Regierungen einiger anderer Länder, entschieden, das industrielle IoT unter der Flagge "Industrie 4.0" voranzutreiben. Diese Initiative hat sich als sehr nützlich erwiesen, weil sie ein Forum für den Ideenaustausch, den Dialog und die Entwicklungszusammenarbeit von Ingenieuren und IT-Firmen bietet. Regierungen sollten günstige Rahmenbedingungen für das IoT schaffen, indem sie rechtliche Hindernisse beseitigen, für ein innovationsfreundliches Investitionsklima sorgen und dazu beitragen, eine moderne IT-Infrastruktur aufzubauen und zu erhalten. Meines Erachtens ist das eine strategische Entscheidung der Schweizer Regierung.

Warum sollten Schweizer IT-Experten das CNO-Panel besuchen? Was können die Zuhörer von Ihrer Keynote lernen?

Dass die Zukunft von Big Data schon begonnen hat. Ich werde zeigen, wie visionäre Unternehmen mit ihrem IoT und mit Big Data im Rahmen des Konzepts „The Quantified Self“ Innovationen schaffen. Ich möchte die Zuhörer dafür begeistern, die Grenzen des Machbaren zu verschieben. Außerdem werde ich über die Zukunft von Big Data und seinen Einfluss auf das datengetriebene Unternehmen sprechen.

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