Interview mit Philippe Nicolas

Wer im Rennen um den Speicher der Zukunft am besten positioniert ist

Uhr | Aktualisiert

Nur wenige kennen die Speicherbranche so gut wie Philippe Nicolas. Er arbeitete lange bei Scality, nun berät er Firmen wie Solix Technologies, Guardtime und Rozo Systems. Im Gespräch mit der Redaktion verrät er, welche Unternehmen für den Storage-Markt der Zukunft am besten gerüstet sind – und wer sich warm anziehen muss.

Philippe Nicolas, Storage Industry Analyst (Quelle: itpresstour.net)
Philippe Nicolas, Storage Industry Analyst (Quelle: itpresstour.net)

Hinweis: Die Redaktion sprach mit Philippe Nicolas auch über Trends wie Software-defined, Container und NVMe. Der Storage-Experte äusserte sich zudem zum überfüllten Object-Storage-Markt.

Sprechen wir zuerst über die Riesen der Branche. EMC Dell, HPE, IBM, Netapp und HDS – wer steht am besten da?

Philippe Nicolas: Das kommt auf die Art des Speichers an. Wenn es um Primärspeicher und Block Storage geht, sprechen wir heute meist von Flash. Dell stand hier lange nicht gut da – bis zur EMC-Übernahme. Das war ein kluger Schachzug. HPE hat es nach dem Split des Unternehmens schwer, bietet mit 3Par aber ein starkes Produkt an. Netapp kaufte Solidfire und setzte damit auf das richtige Pferd. IBM darbt und kämpft gegen rückläufige Einnahmen seiner Speichersparte. HDS ist ein interessanter Herausforderer.

Wie sieht es bei File Storage aus?

Beim Primärspeicher mit File Storage sind Dell EMC und Netapp klar die wichtigsten Player. HPE bietet keine ernst zu nehmende File-Storage-Lösung an, und auch IBM und HDS sind im Hintertreffen. Der Markt für Secondary Storage ist umkämpfter. Dell EMC profitiert hier immer noch vom Kauf von Data Domain, der 2009 über die Bühne ging. Alle genannten Unternehmen rechnen sich aber grosse Chancen im Markt für Sekundärspeicher aus.

Wie schätzen Sie die vier grössten Cloud-Speicher-Anbieter Amazon, Google, Microsoft und IBM ein?

Ihnen gehört ein Grossteil des Marktes, und alle decken die wichtigsten Produkte im Cloud Computing ab. IBM kaufte mit Cleversafe die Nummer eins für Object Storage. Das war strategisch eine hervorragende Entscheidung. Das Unternehmen kann nun viel selbstbewusster auf dem Markt auftreten. Dass heute niemand mehr die Cloud ignorieren kann, verdanken wir natürlich Amazon. Amazon hat die IT mit AWS radikal umgekrempelt. Unternehmen, die den Einsatz von Cloud-Speicher in Erwägung ziehen, sollten aber immer eine Analyse des Return on Investments und der Total Cost of Ownership machen. Vor allem wenn sie Daten langfristig in der Cloud speichern wollen.

HPE kaufte Simplivity. Wird es bald weitere Übernahmen im Hyperconverged-Markt geben?

Gut möglich. Nutanix wäre ein Kandidat, Pivot3 gebe es als Challenger deutlich günstiger. Auch Unternehmen wie Scale Computing und Atlantis Computing könnten für Systemanbieter interessant sein. Die Branche blickt zudem sehr genau auf die Container-Welle und auf Technologien wie Docker, Mesosphere und CoreOS.

Welche Unternehmen kommen als Käufer infrage?

Das hängt von der Strategie ab. Zwischen On-prem und Cloud gibt es etliche Optionen, sich zu positionieren. Viele Anbieter wissen, dass sie ein Hyperconverged-Produkt in ihrem Portfolio brauchen. Sie sind aber noch vorsichtig. Ich denke etwa an Oracle und IBM. Cisco investierte in Springpath, aber das reicht wohl nicht. Der Simplivity-Deal war übrigens keine Überraschung. Der tiefe Übernahmepreis verwundert aber noch immer.

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