Pontines "Welcome Party" in Zürich

Business vs. Entwicklung vs. Operations? Muss nicht sein

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Pontine hat in den Impact Hub nach Zürich geladen. In den Viaduktbögen ging es um Themen wie Agile, Lean und Devops. Das Start-up verriet zudem, was Cloud Computing mit Pizzas zu tun hat.

Glenfis hat Pontine gegründet. Die Firma bietet Beratungen, Events und Schulungen zu Agile, Lean, Devops und Cloud an. Pontine will Brücken bauen. Zwischen Business, IT-Entwicklung und Operations, zwischen Menschen, Prozessen und Technologien.

Warum braucht es Pontine?

Das Unternehmen lud am 1. Juni zu einer "Welcome Party" in den Impact Hub bei den Viaduktbögen in Zürich ein. Alex Lichtenberger zeigte auf, was der IT-Dienstleister alles anbietet – und warum. Pontine soll für alle interessant sein, die mit Themen wie Continuous Delivery, Kanban, Toolchains, Deployment-Prozessen, Value Stream Mapping, Scrum, Kaizen und Cloud Computing in Berührung kommen.

Lichtenberger ist spezialisiert auf Agile und Lean Management. Glenfis biete seit vier Jahren Agile-Schulungen an. Da das Unternehmen aber auch Themen wie IT Service Management abdecke, sei es im Markt nicht immer als Experte für Agile wahrgenommen worden. Das sei einer der Gründe für den Start von Pontine gewesen.

Entwicklung versus IT-Betrieb

"Devops und Agile sind nie das Ziel, sondern das Mittel zum Zweck", sagte Lichtenberger. In der typischen Enterprise-IT gebe es oft eine "Wall of Confusion" zwischen der Entwicklung und dem IT-Betrieb. Entwickler seien getrieben von Veränderungen und Features, die IT-Operations von Konstanz und Stabilität.

Entwickler müssten meist unter einem sehr hohen Zeitdruck arbeiten und darum "lästige Themen" wie Performance, Testing und Dokumentationen vernachlässigen. Der IT-Betrieb gelte dafür oft als Tempobremse und Innovationsverhinderer. Und das Business? Es wolle alles auf einmal, sagte Lichtenberger. Probleme seien so unausweichlich – ausser das Unternehmen werde aktiv.

Alex Lichtenberger von Pontine.

Lösungen können iterative Entwicklungs- und Continuous-Delivery-Modelle bringen. Sie sollen dafür sorgen, dass die Software immer bereit für den Release ist. "Start-ups haben es einfacher", sagte Lichtenberger. Sie könnten gleich von Anfang an alles auf Agilität trimmen, auf die Cloud, auf Microservices und auf Devops-Modelle.

Nicht jedes System muss agil sein

Einige Unternehmen würden ihre IT bimodal organisieren und sichere und stabile Systeme von den agilen und experimentellen trennen. Das führe zu einer Zweiklassengesellschaft: Es gebe dann nervige Legacy- und coole Devops-Umgebungen. Meist sei es sinnvoller, stattdessen auf eine "IT der verschiedenen Geschwindigkeiten" zu setzen. Agilität sei überall da wichtig, wo es um Innovationen gehe. Das heisse aber nicht, dass jedes System agil sein müsse, sagte Lichtenberger.

Oft helfe es Firmen, Feedback-Loops einzubauen und das Testing stärker zu automatisieren. Dafür eigne sich eine Wertstromanalyse, ein Value Stream Mapping. Die Methode zeige das "Big Picture" und helfe, ein Unternehmen richtig auszurichten.

Javier Baiges von Pontine.

Alles eine Frage der Kultur

Laut Javier Baiges von Pontine ist die Kultur am wichtigsten. "Wenn die Mitarbeiter nicht mitmachen, kann man keinen Erfolg haben." Unternehmen könnten das aber verhindern, mit selbstorganisierten Teams, mehr Verantwortung für Mitarbeiter sowie Holacracy und ähnlichen Modellen.

Manager sollten die Vision, den strategischen Fokus und die Strategie vorleben. "Agile heisst nicht, die Mitarbeiter einfach machen zu lassen", sagte Baiges. Firmen helfe es auch, ihre Arbeiten zu standardisieren und messbar zu machen.

Was die Cloud mit Pizzas zu tun hat

Ralf Winter referierte über Cloud Computing als Enabler für Devops und Continuous Delivery. Die Cloud sei zwar schon 10 Jahre alt, sie stecke aber immer noch in den Kinderschuhen. "Abwarten ist trotzdem falsch", sagte Winter. "Heute muss sich jedes Unternehmen mit der Cloud auseinandersetzen. Je früher, desto besser."

Ralf Winter von Pontine.

Die meisten Firmen würden heute in der hybriden Cloud landen und sowohl private als auch öffentliche Cloud-Umgebungen nutzen. Unternehmen sollte sich darum mit dem Multi-Provider-Management auseinandersetzen, das oft unterschätzt werde.

Winter verglich die Cloud-Varianten mit Pizzas. Wer On-premise nutze, mache seine Pizza selbst. Infrastructure-as-a-Service (IaaS) sei eine Fertigpizza, Platform-as-a-Service (PaaS) der Pizza-Kurier und Software-as-a-Service (SaaS) die Pizzeria.

Folie von Pontine (Quelle: Pontine)

Zahlen, Daten, Fakten

Ralph Blumer von Pontine sprach über Kaizen, Lean Management und Value Stream Mapping. Er rät Firmen, mit Symbolen und Ritualen zu schaffen. Visualisierungen würden helfen, Probleme aufzuzeigen. Etwa wenn man eine Same Day Delivery einführen wolle. In diesem Fall könne eine Value-Stream-Analyse aufzeigen, dass zum Beispiel die Zeit, in der Menschen und Maschinen wertschöpfende Tätigkeiten vollbringen, nur 1,5 Stunden betrage. Trotzdem dauere die Lieferung 3 oder 4 Tage. Das Problem seien oft die Schnittstellen, sagte Blumer.

Ralph Blumer von Pontine.

Pontine fange hinten an, also beim Ergebnis, und kämpfe sich zurück bis zur Ursache des Problems. Der Ansatz sei methodisch und in der Praxis erprobt. Oft hätten Firmen zu wenig Informationen, um richtig zu handeln. Die Lösung? "Zahlen, Daten, Fakten", sagte Blumer. Unternehmen müssten diese sammeln und richtig nutzen.

Vorzeigekunde Swisscom

Mit Dominique Stalder war auch ein Pontine-Kunde vor Ort. Er führt bei Swisscom 20 Prozessmanager. Stalder verantwortetet den After Sales Lifecycle von Privatkunden und KMU. Genauer: Betrieb, Verwendung, Support und die Nutzungsanalyse.

Dominique Stalder von Swisscom.

Swisscom habe gemeinsam mit Pontine 100 Bereiche identifiziert, in denen sich der Telko verbessern könne. Das habe rund 40 Stunden gedauert. Ein Team bei Swisscom diskutiere zum Beispiel nun alle zwei Wochen über Swisscom TV. Es müsse aufzeigen, welche Use Cases bei den Kunden immer wieder vorkommen. "Man muss die Veränderungen wirklich wollen", sagte Stalder. "Sonst passiert nichts."

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