Interview mit CDO Hilmar Scheel

Mehr als Kaugummis, Kaffee und Zeitschriften: Valora digitalisiert

Uhr | Aktualisiert

Valora betreibt rund 2800 Convenience- und Food-Service-Verkaufsstellen an Hochfrequenzlagen in der Schweiz und in mehreren europäischen Ländern. Bekannte Marken sind zum Beispiel K kiosk, Brezelkönig, Avec, Caffé Spettacolo, Ok.-, Press & Books. Die Redaktion hat im Rahmen des Digitaltags mit Hilmar Scheel, dem Chief Digital Officer von Valora, über die Digitalisierung im Retail gesprochen.

Hilmar Scheel, Chief Digital Officer von Valora. (Source: Valora)
Hilmar Scheel, Chief Digital Officer von Valora. (Source: Valora)

Was gilt es bei der Digitalisierung im Retail besonders zu beachten?

Hilmar Scheel: Besonders wichtig im Retail sind Schnelligkeit und Convenience. Wir sehen die Technologie als Enabler, um Kundenbedürfnisse zu erfüllen. Damit uns das gelingt, beobachtet das Valora Lab Entwicklungen und Trends aus der Retail-Industrie. Es geht um Technologien, die neue Einkaufserlebnisse oder Services ermöglichen sollen. Wir versuchen, diese bei Valora zu implementieren. Mit unserem Outpost in San Francisco sind wir auch nah an den Entwicklungen in den USA dran. Gegründet haben wir das Valora Lab bereits vor zweieinhalb Jahren.

Was ist die grösste Veränderung im Zuge der Digitalisierung?

Wir glauben, dass die Kundenerwartungen hinsichtlich Einfachheit, Schnelligkeit und Convenience durch Konzepte wie Amazon Go weiter steigen werden. [Amazon Go ist ein physischer Supermarkt, der dank Smartphone-App ganz ohne Kassenbereich auskommt – die Werbeslogans dafür: keine Schlangen, einfach aus dem Regal und mitnehmen, Anm. d. Red.] Deshalb versuchen wir, mehr über unsere Kunden zu lernen - zum Beispiel über unsere Loyalty-Apps. Valora kann sehen, für welche Produkte die Kunden Coupons einlösen. Das passiert natürlich nur mit Einwilligung der Kunden. Wir haben ein Data-Analytics-Team, das diese Daten auswertet. Unser Ziel ist es, die Loyalität der Kunden zu erhöhen.

Wie funktioniert die von Valora zusammen mit der SBB und ASE entwickelte IoT-Anwendung zum Management von hohen Kundenanstürmen? Welchen Vorteil bringt die bei Brezelkönig in der Sihlpassage erstmals eingesetzte Frequenzmessung?

Die Frequenzmessung nutzt optische Sensoren. Diese erfassen, wie viele grössere Objekte sich in einem bestimmten Bereich pro Zeiteinheit bewegen. Einzelne Personen sind bei der Messung nicht erkennbar. Das Resultat wird den Mitarbeitern von Brezelkönig angezeigt; diese können dann rechtzeitig von der Produktion von Sandwiches zur Kasse wechseln.

Woran tüftelt das Valora Lab sonst noch? Welche neuen Produkte und Services könnten demnächst auf den Retail-Kunden zukommen?

Valora bietet bereits jetzt eine Vielzahl von zusätzlichen, teils digitalen Services. Gerade wird die 1-Click-Bestellung der Ok-Energydrinks lanciert. Die 1-Click-Bestellung via Button ist auch ein Trend aus den USA. Am Digitaltag brachten wir dem Publikum mit einem Kino zudem Virtual Reality näher. Diese Technologie könnte auch bei uns intern zur Anwendung kommen, um etwa neue Ladenkonzepte mit unseren Kunden schnell und einfach zu testen. Zu unseren Services zählt auch der Pick-up-/Drop-off-Dienst für Zalando-Pakete, wie auch die Barzahlung von Konzert- und Flugtickets von Partnern wie Starticket, Airprishtina und zahlreichen E-Commerce-Unternehmen. Und wir prüfen den Einsatz von Chatbots für Produkt- und Ernährungsinformationen.

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DPF8_71579

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