Huaweis KI-Podiumsdiskussion

Die unheimliche Revolution

Uhr | Aktualisiert

Huawei hat zum KI-Podiumsgespräch nach Zürich geladen. Vier Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten über die Fähigkeiten der künstlichen Intelligenz, Zukunftszenarien und die Rolle der Schweiz.

Von links: Richard Hahnloser, Isabelle Flückiger, Martin Jaggi und Pascal Kaufmann. (Source: Netzmedien)
Von links: Richard Hahnloser, Isabelle Flückiger, Martin Jaggi und Pascal Kaufmann. (Source: Netzmedien)

Huawei setzt auf künstliche Intelligenz (KI). Das hat das chinesische IT-Unternehmen gestern im Zürcher Impact Hub anlässlich eines Podiumsgesprächs zum Thema gleich zu Beginn deutlich gemacht. Markus Bühlmann, Marketing Director of Consumer Business bei Huawei, nahm das Publikum zum Auftakt mit auf einen Streifzug durch die Geschichte des intelligenten Computers.

Von den ersten Überlegungen Alan Turings über den Triumph von "Alphago" über Lee Sedol bis hin zu Huaweis eigenem Produkt. Der KI-Chip im Smartphone "Mate 10 Pro" könne verschiedene Fotomotive erkennen und so die passenden Einstellungen automatisch vornehmen, sagte Bühlmann.

Huawei verspricht sich viel von der Technologie. Allerdings wies Bühlmann auch auf ihre Schattenseiten hin. Neben der Frage, ob durch intelligentere Computersysteme Arbeitsplätze verloren gingen, gehe es vor allem darum, ob das Thema für die Schweiz überhaupt relevant und das Land gut darauf vorbereitet sei.

Markus Bühlmann begrüsste Publikum und Gäste im Namen von Huawei. (Source: Netzmedien)

KI zwischen Hype und Halbwissen

Um diese Fragen drehte sich das anschliessende Podiumsgespräch. Es diskutierten Richard Hahnloser, Isabelle Flückiger, Martin Jaggi und Pascal Kaufmann. Modiert wurde das Experten-Podium von Michel Fornasier, der ohne rechte Hand zur Welt kam und heute mit einer bionischen Handprothese lebt.

Gerade vom WEF zurückgekehrt, wo man auch über das Thema KI diskutierte, meldete sich Pascal Kaufmann als Erster. Der Mitgründer des KI-Unternehmens Starmind sagte, dass die Entwicklergemeinde sich gerade in zwei Lager spalte.

Die einen seien der Ansicht, es brauche primär mehr Rechenleistung, damit KI ihr Potenzial auspielen könne. Andere hingegen warteten noch auf den technischen Durchbruch, der Computer intelligent werden lasse. Generell sei es schwierig, Fortschritte in der Masse der KI-News zu erkennen.

"Es gibt viel Desinformation und Hype", sagte Kaufmann. Er gab sich jedoch überzeugt: "KI wird kommen." Viele Forscher arbeiteten aktuell an dem Projekt, und dabei seien ethische Fragen oft zweitrangig.

Von Menschen und Daten

Richard Hahnloser, Professor am Institute of Neuroinformatics der ETH und der Universität Zürich, stellte nicht die Gefahren von KI, sondern die Konsequenzen für das menschliche Denken in den Vordergrund. Je mehr Denkarbeit uns Computer abnähmen, umso stärker könnten Fähigkeiten verloren gehen, Probleme zu lösen.

Gleichzeitig könne KI dem Menschen mehr Zeit für kreatives Arbeiten ermöglichen. Die Maschine sei dem Menschen nämlich nur in denjenigen Bereichen überlegen, in denen das biologische Gehirn traditionell eher schlecht sei. Etwa bei repetitiven und mathematischen Arbeiten.

Dass viele aktuelle KI-Programme auf enormen Datenmengen aufbauten, betonte Martin Jaggi vom Start-up Spinning Bytes. Das Stichwort war hier Machine Learning. Diese Technik sei aber an sich noch keine KI, sondern das Werkzeug zu ihrer Entwicklung.

Woher viele dieser Daten kommen, zeigte Isabelle Flückiger, ASG Applied Intelligence Lead bei Accenture. Das, was als Industrie 4.0 bezeichnet werde, lebe von Sensoren und einer grossen Menge an damit erhobenen Daten.

Bereits jetzt würden Unternehmen ganze Wertschöpfungsketten vernetzen und so den Unterhalt von Maschinen planen. So könnten Teile schon ausgetauscht werden, bevor bei ihnen ein Defekt auftrete. Die Industrie sei hier weiter als andere Branchen.

Auf einen Verlust von Jobs durch KI-Systeme müsse man sich einstellen, sagte Flückiger. Dieser Prozess sei bereits im Gange. Die Gesellschaft habe hier eine Verantwortung, die Betroffenen umzuschulen und neue Stellen zu schaffen.

Allerdings müssten auch die positiven Effekte der KI auf den Menschen Beachtung finden. Flückiger erwähnte hier die Hilfe bei der Terminplanung, bei Finanzgeschäften oder beim Einkaufen. KI könne hier dem Menschen einen konkreten Nutzen bieten.

Michel Fornasier war als Moderator eingeladen. (Source: Netzmedien)

Quo vadis KI-Standort Schweiz?

Pascal Kaufmann war mit seiner Forderung nicht allein, dass die Schweiz beim Thema des Abends eine Führungsrolle einnehmen müsse. Allerdings zeigte sich der KI-Pionier nicht überzeugt, dass das Land für KI bereit ist. Auf jeden Fall müssten die Schweizer für neue Ideen und Wege offener sein und besser zusammenarbeiten. Das würde auch Firmen anlocken.

Mit der Frage konfrontiert, was denn in Zukunft auf die Menschheit zukomme, herrschte bei den Gästen zunächst Schweigen. Hahnloser sagte schliesslich, dass man die Prognosen besser Science-Fiction-Autoren überlassen solle. Ideen, das menschliche Gehirn am Computer nachbauen zu wollen, stand er skeptisch gegenüber.

Kaufmann hoffte in Anspielung auf Isaac Newton, dass dereinst ein Talent von einer Drohne am Kopf getroffen werde und daraufhin den "Brain-Code" entschlüssle. Jaggi forderte, den Daten und der Ausbildung als Grundlage von KI-Fortschritten mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Kaufmann meinte, mehr Daten erzeugten nicht unbedingt grössere Intelligenz. "Small Data" sei das Gebot der Stunde.

Isabelle Flückiger wies auf die Erwartungshaltung in der Gesellschaft hin, dass KI-Systeme perfekt sein müssten. Wenn man vom Menschen keine Unfehlbarkeit erwarte, dürfe man dies auch bei der Technik nicht tun. Kaufmann griff das Thema mit dem Hinweis auf das autonome Fahren auf. Wenn KI-Autos statistisch die Zahl der Unfallopfer senken könnten, sei das ein starkes Argument für deren Einführung. Auch wenn es Unfälle geben werde, an der die KI schuld sei.

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