Telko streamt Netflix in 4k

Sunrise stellt erste 5G-Antenne der Schweiz auf

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von Coen Kaat

Die Schweiz hat ihre erste 5G-Antenne erhalten. In Oerlikon zeigte Sunrise, was diese kann. Der Telko will mit dem neuen Mobilfunkstandard bestehende ADSL-/VDSL-Angebote ersetzen - aber noch sind nicht alle Hürden beseitigt.

Die gemäss Sunrise erste 5G-Antenne der Schweiz. (Source: Netzmedien)
Die gemäss Sunrise erste 5G-Antenne der Schweiz. (Source: Netzmedien)

Gut ein halbes Jahr nachdem Sunrise einen Weltrekord bei der Übertragung von Daten im 5G-Frequenzbereich aufgestellt hatte, doppelte der Telko Ende Juni nach. Sunrise hat die erste 5G-Antenne der Schweiz in Betrieb genommen.

"Der Weltrekord fand noch in einem Testlabor statt", sagte Sunrise-CEO Olaf Swantee den angereisten Besuchern. Die neue Antenne sei die erste, die hingegen unter realen Bedingungen live geschaltet wurde. Sie steht rund 200 Meter vom Sunrise-Hauptsitz in Oerlikon entfernt. Es ist eine bestehende Antenne auf dem Gelände der EWZ, die nun aufgerüstet wurde, um in 5G zu funken.

Und was überträgt Sunrise mit der ersten 5G-Antenne der Schweiz? Netflix in UHD! Der Telko hatte insgesamt drei 4k-TVs und drei Tablets aufgestellt. Diese zeigten neben Netflix auch Inhalte von Youtube und von einer Sunrise-TV-Box.

Das 5G-Modem von Huawei. (Source: Netzmedien)

Die Verbindungsstelle zwischen den Geräten und der Antenne war ein 5G-CPE-Modem von Huawei. Der chinesische Hersteller hatte das Gerät erstmals am Mobile World Congress 2018 in Barcelona gezeigt. Gemäss Swantee wird das 5G-Modem wohl im ersten Quartal 2019 in die Massenanfertigung gehen.

Das im Test verwendete Gerät war "frisch von der Fabrik und noch warm", wie Elmar Grasser, CTO von Sunrise, sagte. Das Gerät ist etwa so gross wie ein Wasserkocher und war direkt mit der 5G-Antenne verbunden.

Zuerst die Consumer, dann das IoT

Dass sich der Testaufbau stark auf die Bedürfnisse von Consumern fokussierte, war wohl kein Zufall. Zwar redet auch Sunrise im Zusammenhang mit 5G viel über das Internet der Dinge (IoT), autonome Fahrzeuge und Smart Industry. Die ersten Schritte in den neuen Frequenzbereichen will Sunrise jedoch im Consumer-Umfeld machen.

"5G for the People", heisst die Devise. 2020 soll es losgehen. Der neue Mobilfunkstandard soll zunächst eine höhere Effizienz bringen, sagte Swantee. Obwohl sich der Datenverkehr gemäss dem CEO fast jährlich verdoppelt, will Sunrise so auch die nächsten 6 Jahre noch mit den bestehenden Standorten operieren können. Das ist auch wichtig, denn insbesondere in urbanen Gebieten sei ein Ausbau kaum machbar, sagte Swantee.

(vl.) Wang Haitao, CEO von Hauwei Schweiz, Olaf Swantee, CEO, und Elmar Grasser, CTO von Sunrise. (Source: Netzmedien)

Der höhere Datendurchsatz soll auch einen Ersatz für ADSL-/VDSL-Angebote bringen. Insbesondere dort, wo es noch kein Fiber-to-the-Home (FTTH) gibt, könnte der Telko seinen Privat- und Geschäftskunden Fiber-through-the-Air (FTTA) schmackhaft machen – also ein drahtloses Internetangebot, das mit Glasfaser vergleichbare Geschwindigkeiten bietet.

Denkbar sei auch ein Back-up-Internet über 5G. Etwa für den Fall, dass das reguläre kabelgebundene Internet ausfällt. FTTA könnte auch für temporäre Höchstleistungen herbeigezogen werden. "Etwa wenn die Weltmeisterschaft Mal hier in der Schweiz stattfinden würde oder wenn Federer wieder spielt", sagte Swantee.

NIS-Vorschriften könnten Sunrises Pläne stören

Einen potenziellen "Showstopper" gibt es da jedoch noch: die NIS-Regulierung. Die Abkürzung steht für nichtionisierende Strahlung, auch als Elektrosmog bekannt. In der Schweiz gibt es diesbezüglich hohe Auflagen, was erlaubt ist. Sunrise spricht in diesem Zusammenhang auch von einem NIS-Regime. Dieses verhindere den Ausbau des Antennennetzes.

"Wir brauchen keine NIS-Vorschriften, die 10 Mal strenger sind, als das, was die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für richtig hält", sagte Swantee. "Wir brauchen Vorschriften, die 3 Mal so streng sind!"

Noch im März 2018 hatte der Ständerat beschlossen, die 20 Jahre alten Grenzwerte nicht anzupassen. Ohne eine Änderung sei eine 5G-Einführung jedoch nur im beschränktem Rahmen möglich. Und auch bei 4G seien demnächst Engpässe zu erwarten.

"Das muss ein volkswirtschaftliches Anliegen sein, nicht nur ein Telko-Interesse", stimmte auch CTO Grasser zu.

Worum es konkret geht

Grasser erklärte dem Publikum anschliessend, was sich mit 5G genau ändern wird. Der neue Standard nutzte hauptsächlich zwei neue Frequenzbänder. Diese befinden sich in den Bereichen 3,5 Gigahertz und 700 Megahertz.

Das 3,5-Gigahertz-Spektrum eigne sich für hohe Übertragungsraten und Geschwindigkeiten, sagte Grasser. Eine Übertragungsrate von 400 bis 500 Megabit pro Sekunde sei in diesem Spektrum realistisch.

Der 700-Megahertz-Bereich werde eher für die flächenmässige Versorgung genutzt. Zudem bringe sie weiter in Gebäude hinein und sorge auch da für eine gute Abdeckung. In diesem Bereich seien Geschwindigkeiten von 150 bis 200 Megabit pro Sekunde denkbar.

Ein Unterschied von 6 Monaten: Das 5G-Modul, das auch an der Antenne hängt (links) und die Ausrüstung, die im Laborversuch im Dezember genutzt wurde. (Source: Netzmedien)

Somit ist 5G im 700-Megahertz-Spektrum nicht viel schneller als 4G. Doch dank zwei neuen Technologien, die bei 5G zum Einsatz kommen, sei die Effizienz deutlich höher und die Latenz wesentlich tiefer.

Neu ist etwa Massive MiMo. Dabei wird die selbe Frequenz über viele Antennen zugleich ausgestrahlt. Dank Beamforming sollen die Funkstrahlen dem Nutzer zudem folgen. Die Basisstation identifiziert die effizienteste Verbindung zum Nutzer und kann so Interferenzen für andere Datenverbindungen vermindern.

Lesen Sie mehr zum 5G-Weltrekord von Sunrise in der Berichterstattung von Dezember 2017.

Lesen Sie hier das Interview mit Sunrise-CEO Olaf Swantee. Darin spricht er über die strengen NIS-Vorschriften und über die die Frequenzvergabe durch die Comcom.

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DPF8_98904

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