Movers and Shakers

InsurTech: die Bottom-up Revolution

Uhr | Aktualisiert
von Christina Kehl, Geschäftsführerin von Swiss Finance Start-ups (SFS) und Studiengangsleiterin CAS Digital Insurance an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich

Christina Kehl gehört zu den « Movers and Shakers » der Schweizer FinTech-Szene und erklärt, wie sie die Digitalisierung des Bankings sieht.

Christina Kehl, Geschäftsführerin von Swiss Finance Start-ups (SFS) und Studiengangsleiterin CAS Digital Insurance an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich
Christina Kehl, Geschäftsführerin von Swiss Finance Start-ups (SFS) und Studiengangsleiterin CAS Digital Insurance an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich

Die Versicherungswelt spricht von der Digitalisierung – von Insur-Tech. Darüber, wie Innovationen und Technologisierung eine ganze Branche verändern. Ist Innovation tatsächlich der Motor für Veränderungen ? Oder sind es Veränderungen, die zur Innovation treiben ? Für Vor- und Nachkriegsgenerationen lag die höchste Priorität auf Absicherung. Dieser Wunsch wurde in hochkomplexe Versicherungsprodukte übersetzt, die

den Kunden in die Abhängigkeit des Vertriebs gestellt haben. Dadurch war nicht der Kunde König, sondern der Anbieter. Die gesamte Versicherungswirtschaft baute auf diesem Top-down-Prinzip auf, Versicherungsunternehmen dominierten die Wertschöpfungskette von A bis Z. Doch heutige Kunden unterscheiden sich von denen vorangegangener Generationen. Sie sind aufgewachsen in einer Welt, in der Grenzen fielen und Chancen sich auftaten. Veränderung nehmen sie nicht mehr allein als Bedrohung wahr, sondern auch als Chance.

Viele von uns verbringen kaum ihr ganzes Berufsleben in ein und derselben Firma. Wir wechseln Jobs, Wohn- und Arbeitsorte, Partner. Wir nennen dies nicht mehr Unbeständigkeit, sondern Freiheit. Und Freiheit ist zu einer der höchsten Prioritäten geworden. Für Versicherer ist dies eine schlechte Nachricht – Versicherungsprodukte verlieren an Attraktivität.

Die Digital Natives suchen nach transparenten Lösungen – simpel und schnell. Sie wollen selbst ans Ruder, anstatt von Versicherungsvertretern abhängig zu sein. Moderne Produkte und Kanäle müssen intuitiv bis hin zu vollautomatisch sein. Wenn Kunden solche Angebote nicht offeriert bekommen, verzichten sie auf die eine oder andere Police. Oder es werden Lösungen auf eigene Faust entwickelt. Aus einer solchen Motivation heraus entstehen Start-ups.

Lange Zeit fühlten sich Versicherungen unantastbar. Taxiunternehmen, Reise, Handel, alles lässt sich digitalisieren, aber doch nicht sie ! Viel zu anspruchsvoll, zu komplex, kein Aussenstehender würde sich heranwagen. Heute ist das Gegenteil bewiesen. Tech-versierte Digital Natives, welche die verworrenen Strukturen des Versicherungswesens und die Komplexität von Versicherungsprodukten nicht kennen – und sich auch nicht darum scheren –, stellen das System auf den Kopf. Top-down-Strukturen erfahren nun die Bottom-up-Revolution. Die Kundenperspektive ist wichtig. Innovatoren von aussen scheuen sich nicht, radikal zu vereinfachen. Das haben Versicherungskonzerne erkannt und reagieren mit eigenen Innovationsteams, Labs, Accelerator- und Inkubatorenprogrammen.

Am Ende wird sich zeigen, ob die Innovatoren oder die « Incumbents » das Rennen machen. Der Wettbewerb um den digitalen Versicherungskunden ist eröffnet.

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ZB201827

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