Wie die Digitalisierung der Verwaltung auf allen Staatsebenen gelingt
Für Verwaltungen lohnt es sich, Digitalisierungsprojekte mit anderen zusammen anzugehen. Wie Bund, Kantone und Gemeinden diese Zusammenarbeit stärken, schilderten die Gäste am Swiss E-Government Forum 2026.
Digitale Souveränität ist aktuell in aller Munde. Das Swiss E-Government Forum 2026, das am 10. März 2026 in Bern startete, bildete da keine Ausnahme. Das Thema tauchte in diversen Vorträgen auf – und das zu Recht, wie Daniel Markwalder, Delegierter des Bundesrates für digitale Transformation und IKT-Lenkung, in seinem Referat festhielt.
Ein Mischpult, kein Kippschalter
"Wenn es hart auf hart kommt, dann haben die Länder immer weniger Hemmungen, Abhängigkeiten auszunutzen, wenn es ihnen hilft", sagte Markwalder und verwies auf ein paar Krisen der vergangenen Jahre als Beispiele. "Gleichzeitig leben wir in einer extrem agilen, aber auch extrem fragmentierten Welt", fügte er hinzu.
Markwalder zählte verschiedene Abhängigkeiten der Schweiz im digitalen Bereich auf, angefangen bei seltenen Erden für die Hardware, über Software und Daten bis hin zum Rechtsrahmen. Für jeden dieser Aspekte gebe es Möglichkeiten, digital souveräner zu werden. Aber: "Digitale Souveränität ist nicht binär", stellte Markwalder klar. Sie sei, entgegen der von ihm wahrgenommenen politischen Diskussion, kein einfacher Kippschalter. "Digitale Souveränität ist viel mehr zu vergleichen mit einem komplexen Mischpult, mit vielen Schaltern und vielen Schiebereglern, die es auszuloten gilt." Für die Debatte wünschte sich der Referent einen differenzierten Blick: "Welchen Grad von Souveränität können und wollen wir erreichen? Und zu welchen Bedingungen? Und um welche Aspekte geht es?", fasste er die zu beantwortenden Fragen zusammen. Erst aus den Antworten könnten dann konkrete Massnahmen abgeleitet werden.
Übrigens stand Markwalder unlängst der Netzwoche Red und Antwort. Im Gespräch ging er auch auf die Debatte zu digitaler Souveränität ein. Das Interview lesen Sie hier.
Zusammen digital souverän
Ein zweites wiederkehrendes Thema in den Referaten war die Zusammenarbeit. Benedikt van Spyk, Staatssekretär des Kantons St. Gallen, brachte beide Themen im Titel seines Vortrags unter: "Kooperation stärkt (digitale) Souveränität." Dazu verwies er auf den Gründungsmythos der Schweiz und dem ersten Zusammenschluss der Urbünde: "Man hat die Ressourcen gebündelt, man hat sich gegenseitig unterstützt gegen das, was von aussen kommt; um die Souveränität zu stärken, um handlungsfähiger zu werden, um stärker gemeinsam aufzutreten."

Benedikt van Spyk, Staatssekretär des Kantons St. Gallen. (Source: zVg)
Dieses Prinzip funktioniere auch in der heutigen Digitalisierung, sagte van Spyk. "Die Frage ist: Warum machen wir es dann nicht häufiger?" Er spielte damit auf den Umstand an, dass so manche Verwaltung in puncto Digitalisierung auf den Alleingang setzt. Mögliche Gründe dafür sind laut dem Referenten die "Verantwortungsdiffusion" (niemand ist wirklich zuständig fürs Networking), fehlende Zeitressourcen ("Zusammenarbeit beschleunigt ganz selten ein bereits komplexes Projekt") und regulatorische Einschränkungen.
Van Spyk benannte nicht nur die Probleme, sondern präsentierte auch ein paar Lösungsansätze. "Am Anfang braucht es ein politisches Commitment". Unterstütze die strategische Ebene die angestrebte Zusammenarbeit nicht, "wird es nicht klappen". Zumal solche Projekte insbesondere zu Beginn langsamer vorankämen und mehr Kosten verursachten. Als weiteren Ratschlag sprach er über Open-Source-Software . Dabei verwies er auf das noch junge E-Gov-Gesetz, das den Grundsatz "Public Money, Public Code" umsetzt. Sehr deutlich legte er den Teilnehmenden schliesslich ans Herz, bestehende Strukturen zu nutzen., namentlich die Digitale Verwaltung Schweiz (DVS). "Es ist das einzige, über die drei föderalen Ebenen in dieser Breite agierende Gefäss", erklärte er und ermutigte das Publikum, daran mitzuarbeiten und so die Organisation zu stärken.

Das Swiss E-Government Forum findet 2026 am 10. und 11. März in Bern statt. (Source: zVg)
Mit Peppino Giarritta, Beauftragter von Bund und Kantonen für die DVS, stand später auch ein Vertreter der 2022 gegründeten Organisation auf der Bühne. Man verstehe sich “als Enablerin, als Befähigerin, als Drehscheibe, vielleicht auch manchmal als Schmiermittel im übertragenen Sinne”, sagte der Referent. Als gute Beispiele solcher zusammen realisierbarer Projekte nannte er die bald startende elektronische Identität (E-ID) und das bereits lancierte Behörden-Login Agov.
Giarritta blickte auch voraus. Um kooperative Projekte schneller anpacken zu können, soll die DVS laut ihrem neuen Zielbild im Bereich der Standardisierung und Architektur stärker wirken. Gleichzeitig laufen die politischen Bemühungen, der Organisation die Kompetenz zu geben, Vorgaben verbindlich zu erklären, um wiederum für Planungssicherheit zu sorgen. Dank Standardisierung "kann die eigentliche Transformation schneller und gezielter und auch sicherer voranschreiten".
Vor einem Jahr zog sich die Frage, ob Digitalisierung im Widerspruch zu Vertrauen steht, wie ein roter Faden durch die Referate am Swiss E-Government Forum. Hier lesen Sie, welche Antworten die Gäste gaben.
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