MIT Technology Review

Bill Gates listet 10 bahnbrechende Technologien für 2019

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Microsoft-Gründer Bill Gates hat für MIT Technology Review die Top 10 bahnbrechenden Technologien für 2019 aufgelistet. Machine Learning, künstliche Intelligenz und Healthtech gehören für ihn dazu - aber auch der 6000 Jahre alte Pflug hat etwas damit zu tun.

Bill Gates (Source: Ken Shipp, US Department of Energy)
Bill Gates (Source: Ken Shipp, US Department of Energy)

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat Bill Gates gebeten, seine Auswahl der Top 10 wegweisenden technologischen Durchbrüche für 2019 zu nennen. Bei seiner Liste wollte er sich nicht nur auf Technologie beschränken, die Schlagzeilen machen werden, sondern auch diejenigen berücksichtigen, die eine nachhaltige Wirkung haben werden, wie er gegenüber MIT Technology Review sagte. Wie der Pflug.

Die rund 6000 Jahre alte Erfindung sei eine ausgezeichnete Verkörperung der Innovationsgeschichte. Nach Jahrtausenden stetiger Verbesserungen seien Pflüge heute technologische Wunderwerke. Doch was genau ist der Zweck eines Pflugs? Ein Pflug ermöglicht dem Nutzer, mehr auszusähen und so mehr zu ernten und mehr zu essen – für alle. Man könne freilich behaupten, dass diese Erfindung der Menschheit mehr Lebensjahre spendete.

Bill Gates Top 10 technologische Durchbrüche für 2019:

  • 1. Roboter-Geschicklichkeit: Industrielle Roboter, wie wir sie heute kennen, sind plump. So lange das aufzuhebende Objekt an einer genau vorherbestimmten Stelle auf dem Fliessband steht, können sie es aufheben – andernfalls nicht. Doch Projekte wie Dactyl sollen das ändern. Die Roboterhand der gemeinnützigen Organisation OpenAI in San Francisco kann sich selbst beibringen, auch unbekannte Objekte aufzuheben. Zu diesem Zweck nutzt die Roboterhand Reinforcement Learning und führt zunächst zahlreiche Simulationen aus., bevor sie etwas aufhebt.

  • 2. Kernkraftwerke der Zukunft: Neue Designs sollen Kernkraftwerke sicherer und kostengünstiger machen. Dazu zählen etwa Kernspaltungsreaktoren der vierten Generation – eine Weiterentwicklung herkömmlicher Systeme. Kleine modulare Reaktoren mit etwa einem Hundertstell der Leistung sollen das Umweltrisiko verringern. Aber auch Fusionsreaktoren – eine Technologie, die lange unerreichbar schien – werden immer mehr Wirklichkeit.

  • 3. Vorhersage von Frühgeburten: Ein einfacher Bluttest könnte bald Auskunft über das Risiko einer Frühgeburt geben. Zellfreie DNA und RNA können Informationen liefern, die zuvor invasive Methoden erforderten. Stephen Quake, ein Bioingenieur an der Stanford University identifizierte sieben Expressionen von Genen, die im Zusammenhang stehen mit Frühgeburten. Dank dieser frühen Warnung könnten Ärzte Massnahmen ergreifen, um eine Frühgeburt abzuwehren und dem Kind eine bessere Überlebenschance zu geben.

  • 4. Die Darmsonde in der Pille: Guillermo Tearney, Pathologe und Ingenieur am Massachusetts General Hospital (MGH) in den USA, entwickelt kleine Sonden. Diese können den Darm untersuchen und sogar Gewebe-Biopsien entnehmen. Im Gegensatz zu Endoskopen seien sie bei einem Hausbesuch einfach zu bedienen. Der Patient muss lediglich eine Kapsel schlucken. Darin befindet sich die kleine Sonde. Ein flexibles Kabel versorgt die Sonde mit Strom und überträgt die Bilder an eine Konsole. Nach der Behandlung lässt sich die Sonde wieder herausziehen.

  • 5. Kundenspezifische Krebsimpfstoffe: Ein deutsches Start-up namens BioNTech zeigte, dass ein Impfstoff, der Kopien von Krebs-Mutationen enthält, das Immunsystem des Körpers anregt, T-Zellen zu produzieren. T-Zellen suchen, attackieren und zerstören Krebszellen. Aktuell läuft eine Studie des Start-ups in Zusammenarbeit mit dem Biotech-Unternehmen Genentech.

  • 6. Der kuhfreie Burger: Laborgezüchtetes Fleisch soll die Umweltbelastung, welche durch die Viehzucht entsteht, reduzieren. Forscher der Universität Maastricht in den Niederlanden gehen davon aus, bereits bis zum nächsten Jahr einen Labor-Burger zu haben. Das Problem: Gemäss einem aktuellen Bericht des WEF sollen die damit verbundenen CO2-Emissionen nur etwa 7 Prozent geringer sein als diejenigen der Fleischproduktion. Und auch am Geschmack werde noch gearbeitet.

  • 7. Kohlenstoff-Fänger: Um einen gefährlichen Temperaturanstieg zu verhindern, muss die Welt in diesem Jahrhundert bis zu 1 Billion Tonnen CO2 aus unserer Atmosphäre entfernen, wie das Klima-Panel der UN mitteilte. Der Klimaforscher David Keith geht davon aus, dass dies maschinell für etwa 100 US-Dollar pro Tonne möglich sei. Sein Start-up Carbon Engineering will künstlichen Treibstoff aus dem eingefangenen Kohlendioxid produzieren. Das Zürcher Unternehmen Climeworks geht einen anderen Weg: Es will das Kohlendioxid an die Erfrischungsgetränkeindustrie verkaufen.

  • 8. Ein EKG am Handgelenk: Fitness-Tracker sind keine ernstzunehmenden medizinischen Geräte. Zumindest noch nicht. Bei den aktuellen Modellen können ein intensives Training oder ein loses Band die Sensoren verwirren. Neue Regulationen du Technologien ermöglichen nun jedoch Elektrokardiogramm-fähige Wearables – die deutlich näher sind an der Präzision einer im Spital durchgeführten Untersuchung. Die aktuelle Apple Watch (Launch 2018) etwa, verfügt über eine von der FDA zugelassene EKG-Funktion.

  • 9. Sanitäre Einrichtungen ohne Kanalisation: Energieeffiziente und kostengünstige Toiletten ohne Abwassersystem sollen die Gesundheit in Entwicklungsländern erhöhen. Die neuen Toiletten sollen die menschlichen Ausscheidungen nicht nur entsorgen, sondern auch klären. 2011 schuf Bill Gates die "Reinvent the Toilet"-Challenge. Seit dem Start des Wettbewerbs hätten mehrere Teams Prototypen auf den Markt gebracht. Alle verarbeiten den Abfall lokal, so dass keine grossen Mengen an Wasser benötigt werden, um ihn zu einer Kläranlage zu transportieren.

Sehen Sie hier im Video, wie Bill Gates in der Daily Show über diese Toiletten redet.

  • 10. Wortgewandte KI-Assistenten: Die aktuelle Generation von Smart-Assistenten verdienten ihren Namen nur knapp. Denn sie verstehen nur gewisse, vorprogrammierte Anweisungen – leichte Abweichungen verwirren sie. Neue Technologien ermöglichen Maschinen jedoch, die semantischen Beziehungen zwischen Wörtern zu erfassen. So könnten sie natürliche Sprache besser verstehen. Dazu zählen etwa die KI von OpenAI, BERT von Google. Oder auch Duplex – ebenfalls von Google. Das System kann Anrufe entgegennehmen und auf Betrüger und Telefonverkäufer prüfen oder Termine vereinbaren.

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