Public Cloud erklärt

Die Public Cloud – die grosse Unbekannte

Uhr | Aktualisiert
von Marco Mannoni, Cloud Consultant, Baggenstos IT Services

Gestern hat Google seine Schweizer Public Cloud lanciert. Aber was verbirgt sich hinter dem Begriff? Das Public-Cloud-Modell wird vorwiegend gewählt, wenn eine Firma auf der "grünen Wiese" beginnen kann, also eine IT-Umgebung von Grund auf neu baut, wie Marco Mannoni, Cloud Consultant von Baggenstos IT Services, erklärt.

Marco Mannoni, Cloud Consultant, Baggenstos IT Services (Source: zVg)
Marco Mannoni, Cloud Consultant, Baggenstos IT Services (Source: zVg)

Das Erste, was man verstehen muss, ist, dass die Cloud nicht einfach ein anderes Rechenzentrum ist. Die Cloud ist ein Konzept, kein Standort. Man unterscheidet bei der Cloud ausserdem zwischen verschiedenen Varianten.

Die verschiedenen Cloud-Modelle

Unter einer Private Cloud versteht man nichts anderes als ein klassisches On-Premises-Rechenzentrum, das man selbst betreibt. Der Name ist also etwas missverständlich, da er mit der eigentlichen Cloud nichts zu tun hat. Vielmehr ist es so, dass vorwiegend Hersteller aus dem On-Premise-Segment ihre Produkte als Private-Cloud-Produkte vermarkten, um so auch vom Momentum der Cloud-Diskussion zu profitieren.

Unter einer Hybrid Cloud versteht man eine hybride Konfiguration, also einen Mischbetrieb zwischen Private und Public Cloud. Die Hybrid Cloud ist in praktisch allen Fällen der erste Schritt in Richtung Public Cloud, da hier die bestehende Infrastruktur Stück für Stück in die Public Cloud verschoben wird. Im Mittelpunkt steht der Benutzer, respektive das Benutzerobjekt. Wenn man etwa eine mittelgrosse Firma mit einigen hundert Benutzern betrachtet, will man nicht die Benutzer On-Premise und in der Cloud verwalten – das würde nämlich bedingen, dass man den Benutzer doppelt führt und dann eine Beziehung zwischen diesen beiden Benutzerobjekten herstellt. Dieses Vorgehen wäre aus operationeller Sicht ein riesiger Aufwand und würde vor allem viele potenzielle Fehlerquellen bergen. Deshalb geht man beim hybriden Szenario den Weg der Synchronisation von On-Premise-Benutzerobjekten in die Cloud. Ist dieser Schritt vollzogen, ist der Benutzer am Boden der gleiche Benutzer wie in der Cloud und kann dann damit beginnen, Cloud-Services in Betrieb zu nehmen. Jegliche Änderungen am Benutzer On-Premises oder in der Cloud wird dann jeweils wieder repliziert, sodass man am Ende nur ein Benutzerobjekt pflegt. Diese Hybrid Cloud wird in den meisten Fällen gewählt, weil es nicht sofort möglich ist, jede Applikation, die am Boden läuft, in die Cloud zu schieben. Viele Firmen betreiben Applikationen, die aus einer anderen Zeit stammen, jedoch aus rechtlichen oder technischen Gründen nicht einfach durch eine neuere Version oder eine andere Software ersetzt werden können. Somit ist auch der Weg aus der hybriden Welt nicht immer realistisch – zumindest nicht in unmittelbarer Zukunft. Das ist aber kein Problem, im Gegenteil gibt es einer Firma die Möglichkeit, die Reise in die Cloud über einen längeren Zeitraum zu vollziehen und somit das Beste aus beiden Welten zu beziehen.

Googles Technik-Chef Urs Hölzle gab gestern in Zürich den Startschuss zur Cloud-Region Schweiz. Das Unternehmen stellte Kunden, Partner und die Vorzüge seines Cloud-Angebots vor. Alle Fragen und Antworten zum Start.

Cloud-only-Lösung

Die Public Cloud umschreibt eine Cloud-only-Lösung, also den Bezug der IT ausschliesslich aus der Cloud. Abgesehen von einem Internetzugang und den Endgeräten der Benutzer wird keine Infrastruktur mehr in einem eigenen Rechenzentrum betrieben. Dieses Modell wird vorwiegend gewählt, wenn eine Firma auf der «grünen Wiese» beginnen kann, also eine IT-Umgebung von Grund auf neu baut. Vielfach wird diese Option auch bei Firmen-Reorganisationen gewählt, etwa wenn man Teile einer Firma in ein neues Unternehmen ausgliedert und sich von historisch gewachsenen Konstrukten trennen kann. Bei allen drei Modellen dreht sich die Kerndiskussion um die Applikationen, die betrieben werden sollen. Hierbei ist eine sorgfältige Auslegeordnung im Rahmen eines Vorprojekts sinnvoll, um mögliche Showstopper zu erkennen und entsprechende Massnahmen einzuleiten.

IT und Business sprechen unterschiedliche Sprachen

Häufig wird IT heute noch genauso wie vor 20 Jahren betrieben. Diese Art von IT ist denn auch immer sehr technisch und daher meist von Technikern betrieben. Der Nachteil einer rein technischen Lösung ist häufig, dass sie am Business vorbeigeht. Sie mag zwar technisch sexy sein, jedoch in vielen Fällen nicht die Anforderungen des Unternehmens erfüllen. Das Business nämlich interessiert die Technik in den wenigsten Fällen. Es spricht von Services, die die Bedürfnisse des Business unterstützen und dem Endbenutzer die Arbeit vereinfachen und nicht zuletzt die Produktivität steigern sollen. Genau da liegt das Problem, da Techniker eine andere Sprache sprechen als das Business.

Eine Cloud-Lösung bringt viele Vorteile, wenn man die Regeln der Cloud versteht und entsprechend an ein solches Konzept herangeht. Das Business muss die Ziele definieren, und die Technik muss sich mit der Technologie auseinandersetzen. In der Cloud spricht man in den wenigsten Fällen von Servern, sondern von Services, die angeboten werden. Diese können klassisch über Infrastructure-as-a-Service (IaaS), Platform-as-a-Service (PaaS) oder Software-as-a-Service (SaaS) gebaut werden. Ein Beispiel: Ein Unternehmen kann klassisch einen Server bauen und auf diesem dann eine Datenbankapplikation installieren. Gewonnen ist dabei nichts, was schon im eigenen Rechenzentrum gemacht wurde.

Stattdessen könnte ein Unternehmen die Datenbank als Service in der Cloud beziehen. Sprich, es wird nur die Datenbank und ihre Funktionalität bezogen, man löst sich jedoch komplett von dem darunter – also dem Server, dem Betriebssystem und der Datenbankapplikation. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man spart Kosten und entledigt sich der Systemtechnik, die eigentlich nur Kosten verursacht. Das Wegfallen der Systemtechnik wird häufig von Cloud-Gegnern als Nachteil angeführt, da der Wegfall von Arbeitsplätzen befürchtet wird. Genauer betrachtet wird die Arbeit nicht weniger, ganz im Gegenteil. Die schier unendlichen Möglichkeiten bedürfen auch Mitarbeitern, die das Business und die Technik im Fokus haben, den sogenannten DevOps (Developer und Operation).

Dieser Fachbeitrag erschien in der Netzwoche-Ausgabe 04/2019. Alle Inhalte des Hefts finden Sie hier.

Ein massgeschneidertes Design ist essenziell für die erfolgreiche Reise in die Cloud

Viele Firmen gehen ihre Cloud-Reise gänzlich falsch an. Werden einfach die Systeme vom eigenen Rechenzentrum in die Cloud verschoben, so ist in den wenigsten Fällen etwas gewonnen. So scheitern dann auch immer wieder Projekte, in denen genau das vollzogen wird, ohne wirklich zuvor ein Design entworfen, Ziele klar definiert und Dienste konsolidiert zu haben. Ein auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittenes Design ist unumgänglich für eine erfolgreiche Reise in die Cloud. Viele Unternehmen vergessen ausserdem die Komponente Mensch. Neue Lösungen sind meist mit Änderungen für das Personal verbunden. Es ist daher immens wichtig, auch Mitarbeiter weiterzuentwickeln. Denn egal welche Lösung angestrebt wird, sie steht und fällt mit dem Menschen, der sie benutzen soll.

Ein grosser Stolperstein ist sicherlich auch die Art der Verrechnung von Cloud-Diensten. In der Cloud gibt es kein typisches «ich beschaffe was und schreibe es auf vier Jahre buchhalterisch ab». Stattdessen wird im Sekundentakt bezahlt – für Speicherplatz und Rechenleistung. Die Erarbeitung der eigentlichen Anforderungen an die IT stellt für die meisten Unternehmen die grösste Herausforderung dar.

Der technologische Fortschritt findet in der Cloud statt

Noch nicht geklärt sind die Gründe dafür, wieso ein Unternehmen überhaupt die Reise in die Cloud antreten soll. Hat man sich mit dem Thema auseinandergesetzt, so stellt man ganz schnell fest, dass es in der gegenwärtigen IT kaum eine Möglichkeit gibt, diese auch effizient, technologisch fortschrittlich und vor allem skalierbar, ohne die Cloud zu betreiben. Will eine Firma in den nächsten Jahren am Markt mitmischen, so gibt es weder einen Weg an der Cloud noch an der Digitalisierung vorbei. Ob man will oder nicht – der technologische Fortschritt findet in der Cloud statt, nicht On-Premise. Insbesondere wenn das Thema Sicherheit auf der Prioritätenliste steht, führt heute kein Weg mehr an der Cloud vorbei. Skeptiker werden sagen, dass erst hier die Gefahren liegen. Der, der sich jedoch mit der Technologie auseinandersetzt, stellt schnell fest, dass viele Möglichkeiten erst in der Cloud geschaffen werden. Stichworte sind hier künstliche Intelligenz und Machine Learning, also die Fähigkeit, sich über schier unbegrenzte Rechenkapazität und intelligente Software­dienste gegen Hacker, Betrüger und kriminelle Organisationen zu schützen. Denn dies ist On-Premise zunehmend ein Kampf gegen Windmühlen.

Mehr von Marco Mannoni lesen Sie auf seinem Blog unter www.mannoni.ch.

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