Start-ups im Swiss Pavilion

So mischen Schweizer Start-ups im globalen Mobile-Markt mit

Uhr | Aktualisiert

Am Mobile World Congress 2019 in Barcelona haben sich auch Unternehmen aus der Schweiz präsentiert. Auf zwei ­ver­schiedene ­Hallen verteilt, waren einige Start-ups darunter. Was sie den Besuchern boten und wie es ihnen an der Messe erging, darüber berichteten sie bei einem Besuch an den Ständen.

(Source: Netzmedien)
(Source: Netzmedien)

Am diesjährigen Mobile World Congress (MWC) in Barcelona haben sich wieder Telkos, Mobilgeräte-Hersteller und viele andere Unternehmen getummelt. An der Messe präsentierten sie neue Produkte und Strategien, bei deren Inszenierung sie sich mit grellen Lichtern und riesigen Displays auf weitläufigen Ausstellungsflächen gegenseitig zu überbieten versuchten. Abseits des Trubels, zwischen den grossen Ständen, befand sich in zwei Hallen im eher überschaubaren Rahmen der Swiss Pavilion.

Neben grossen Schweizer Unternehmen wie Wisekey oder dem CSEM fanden sich dort auch einige Start-ups. Was sie dazu bewegte, sich in dieses Getümmel zu stürzen und was sie von ihrem Auftritt dort erwarteten, verrieten sie in Interviews vor Ort. Die Reichweite der Messe ist gross und dürfte – gemäss den Statements der Interviewpartner – in Zukunft wohl noch andere Start-ups an den MWC locken.

Gmelius

Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Start-up, das eine CRM-App in Gmail anbietet. Das Produkt richte sich vorwiegend an KMUs. Laut Florian Bersier, Gründer und CEO von Gmelius, findet in solchen Unternehmen der Löwenanteil aller Kommunikation im E-Mail-Posteingang statt. Mit Gmelius könnten Teams alles leicht und transparent miteinander teilen, um etwa spezifische Kunden zu betreuen und entsprechende Workflows zu automatisieren. Ob Googles kürzlich eingeführte und kostspielige Sicherheits-Checks auf Gmelius einen negativen Effekt hätten, verneinte Bersier. Im Gegenteil: der damit verbundene Aufwand würde gewisse Konkurrenten vertreiben und zu mehr Vertrauen in die Sicherheit von Apps wie Gmelius führen, sagte er.

Die App des in Genf ansässigen Entwicklers zähle mittlerweile über 150'000 Nutzer. Anfangs sei sie nur für Desktop-Geräte erhältlich gewesen, aber zum MWC habe Gmelius neue Versionen für iOS und Android lanciert. Es sei der erste Besuch des Start-ups an der Messe gewesen, so Bersier. So habe man neue Kontakte zu Firmen knüpfen und in andere Projekten reinschnuppern können.

Guuru

Als Software-as-a-Service-Unternehmen bietet Guuru ein ungewöhnliches Kundendienstmodell an. Die Kundenberatung wird an die loyalsten Kunden outgesourct. Dadurch biete Guuru einen Kundendienst an, der rund um die Uhr und an allen Tagen verfügbar sei und dennoch halb so viel wie andere Lösungen koste. Anstatt wie in einem Forum auf Antworten warten zu müssen, verbinde die Plattform des Start-ups Kunden in einem Live-Chat direkt miteinander, um ihre Fragen speditiv und effektiv beantworten zu können.

Guuru expandiert nun global, wie Benno Marbach, Mitgründer und COO von Guuru, sagte. Das Unternehmen fokussiere sich auf die E-Commerce- und Telko-Märkte in Deutschland, Grossbritannien, Italien und der Schweiz. Die USA seien das nächste Ziel. Zu den Kunden zählten O2 in Deutschland und Telefonica in Grossbritannien. Nun besuche das Team den MWC, um weitere Telkos als Kunden zu gewinnen. Marbach zeigte sich über die Begegnungen mit Telkos an der Messe erfreut. Er hoffe, dass Guuru im nächsten Jahr auch wieder an der Veranstaltung vertreten sei.

Insightness

Das Start-up Insightness stellte seine smarte Sensorik-Lösung vor. Sie sei ursprünglich an der ETH Zürich entwickelt worden und komprimiere schnell die aus Sensoren gewonnenen Daten. Die Lösung integrierten die Macher in konfigurierbare Module, um etwa die Position von Drohnen zu ermitteln oder sie mittels Motion-Map beweglichen Hindernissen ausweichen zu lassen. Mittlerweile wurde das Produkt weiterentwickelt: Das energieeffiziente System komme gegenwärtig in Augmented-Reality- und Virtual-Reality-Lösungen zum Einsatz und könne künftig auch noch in der Robotik und im industriellen Internet der Dinge verwendet werden.

Die Präsenz von Insightness am MWC diene zur ­Findung neuer Investoren, sagte Christian Brändli, CEO und Mitgründer des Unternehmens. Einer der potenziell neuen Kunden, mit dem Insightness an der Messe Kontakt gehabt habe, sei Samsung, erzählte Brändli. Er freue sich über die hohe Anzahl an technisch versierten Besuchern und auch über Firmenvertreter in wichtigen Funktionen, die sich in Gesprächen offen und interessiert gezeigt ­hätten.

Katia

Gegründet wurde das Unternehmen Katia vor fünf Jahren als Hardwarefirma. Die sogenannte "Katia-Box" wurde dazumals noch eingesetzt, um "Spam-Anrufe" im Festnetz zu blockieren. Heutzutage sieht sich Katia als Softwareunternehmen, das Telko-Kunden hilft, gegen lästige Anrufe von Robocallers, Telemarketern und Trickbetrügern vorzugehen. Das Unternehmen arbeitet mit Swisscom und Netplus zusammen und zählt rund 500'000 Kunden, für die 5 Millionen Spam-Anrufe im Monat blockiert werden, wie Business Developer Jasmin Kukko sagte.

Seit einem halben Jahr versuche Katia, in Märkte aus­serhalb der Schweiz vorzustossen. Leider könne sie noch keine Namen der potenziell neuen Kunden nennen, doch das Unternehmen habe schon ertragreiche Gespräche mit Vertretern aus der Telko- und Network-Provider-Branche geführt, sagte Kukko. Damit habe das Katia-Team sein Ziel am MWC erreicht. Denn sie seien auf der Suche nach neuen internationalen Partnerschaften in anderen europäischen Ländern und den USA gewesen.

Kido Dynamics

Das Unternehmen Kido Dynamics aus Lausanne ist spezialisiert auf Smart Cities und die Analyse von Big Data. Vor allem ist Kido Dynamics im Nahen Osten und im asiatischen Markt aktiv und konzentriert sich auf die Auswertung von Mobilfunkdaten. Die Firma kooperiert mit Telkos und wertet Informationen aus deren Call Data Records (CDR) über Mobilität und das Verkehrsverhalten in Städten aus. Der Fokus liegt dabei auf dem Strassenverkehr. Die daraus gewonnenen Daten werden dann an Drittparteien wie die Transportbranche oder Tourismusagenturen verkauft. Bisher hätten nur internationale Kunden zu den Partnern gehört, etwa Cintra in Spanien, Belo Horizonte in Brasi­lien oder Ooredoo in Qatar, sagte Bilal Khan, Vice President Business Development von Kido Dynamics.

Das Start-up sei gerade in Gesprächen mit Schweizer Telkos. Kido Dynamics fehle aber bislang die dazugehörige Genehmigung zur Datenerhebung, da der Schweizer Datenschutz viel restriktiver als anderswo sei. Khan bezeichnete den Besuch am MWC als aufregend, weil sich das Team mit bestehenden Kunden habe austauschen sowie neue gewinnen können.

Shift Cryptosecurity

Wie Vlado Petrushev, Asset Management and Crypto Custody, erklärte, nahm Shift Cryptosecurity am MWC teil, um sich einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Start-up entwickelt Hardware- und Softwarelösungen für digitale Währungen und Krypto-Assets wie Bitcoin, Ethereum und Co. Das Flaggschiff-Produkt des Unternehmens ist ein Hardware-Portemonnaie namens Digital Bitbox. Es finde schon bei über 15 000 Kunden in 100 Ländern Anklang. Petrushev zufolge sind Kryptowährungen im Informationszeitalter das neue Gold. Er glaubt, dass der Markt dafür trotz der Volatilität solcher Assets noch weiter wachsen werde und Sicherheitsprodukte wie die seines Unternehmens künftig noch mehr gefragt sein würden.

Mit seinem Auftritt am MWC habe das Start-up versucht, neue Partner im Mobilgerätemarkt zu gewinnen, sagte Petrushev. Sein neuestes Produkt habe als Feature eine USB-C-Verbindung und sei mit allen gängigen Smartphones kompatibel – ein passendes Produkt für die Messe. Laut Petrushev knüpfte das Unternehmen an der Messe viele Kontakte, die künftig zu nützlichen Kooperationen führen könnten.

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DPF8_132038

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