ETH-Studie

Digitalisierung schafft mehr Jobs, als sie vernichtet - ein Problem gibt es trotzdem

Uhr | Aktualisiert

Digitalisierung und Automatisierung sollen massenhaft Jobs vernichten. Was Studien prophezeihen und Arbeitnehmer befürchten, wird alles nicht so schlimm, sagt die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Vor einer Herausforderung warnen die Forscher allerdings.

(Source: Christopher Burns/unsplash.com)
(Source: Christopher Burns/unsplash.com)

Spätestens seit die Universität Oxford im Jahr 2013 in einer Studie verkündet hat, dass durch Digitalisierung und Automatisierung rund die Hälfte aller Jobs in den USA gefährdet sei, ist das Thema in aller Munde. Auch Schweizer Arbeitnehmer machen sich Sorgen, ob sie dereinst durch einen Roboter oder künstlich intelligente Software ersetzt werden. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich kommt nun aber zu einem anderen Fazit, wie die "Sonntagszeitung" berichtet.

Eine zusammen mit der Universität Luxemburg durchgeführte Umfrage sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Digitalisierung alles in allem mehr Jobs schaffe, als sie vernichte. Pro 100'000 von Schweizer Unternehmen in neue Technologien investierte Franken würden 1,6 neue Jobs geschaffen. Die Digitalisierung wirke sich also durchaus auf die Arbeitswelt aus, allerdings positiv.

Lord Adair Turner provozierte am Gottlieb Duttweiler Institut mit der These, dass Roboter unsere Produktivität senken und eine gute Ausbildung keinen Job garantiert. Mehr darüber erfahren Sie hier.

Wachstum ungleich verteilt

Entwarnung also an der Automatisierungs-Front? Nicht ganz. Die Autoren der Studie um ETH-Professor Martin Wörter kämen zu dem Fazit, dass die Digitalisierung im Durchschnitt in den vergangenen Jahren Arbeitsplätze geschaffen habe. Sie sei damit eine Chance für die Schweizer Unternehmen. Allerdings könnten nicht alle Arbeitnehmer gleichermassen von diesem Wachstum profitieren. Die geschaffenen Stellen betreffen laut Sonntagszeitung vor allem hoch qualifizierte Angestellte. Die Anzahl der Stellen für mittel bis gering qualifizierte Arbeitnehmer sei dagegen gesunken.

Es bestehe durch diese Entwicklung die Gefahr, dass die Ungleichheit innerhalb der Schweizer Bevölkerung steigen könnte, so die Sonntagszeitung weiter. Dem müssten Unternehmen Gegensteuer geben. Sie könnten weniger qualifizierte Mitarbeitende unterstützen, etwa durch Weiterbildungsangebote. Es sei im Interesse der Unternehmen, ihre langjährigen Mitarbeiter weiterzubilden, wird Wörter im Bericht zitiert. Ebenso müssten sich aber auch die Angestellten darum kümmern, nicht auf der Strecke zu bleiben. Es brauche Anstrengungen auf beiden Seiten.

Was in der schweizerischen Arbeitswelt gelte, treffe auf den Rest der Welt nicht unbedingt zu. Die Schweiz sei auf die Digitalisierung besser vorbereitet als andere Länder. Gründe dafür seien die Qualität der Hochschulen, das Ausbildungsniveau der Schweizer Bevölkerung und das anpassungsfähige Berufsbildungssystem. Grundsätzlich sei die Schweiz deshalb gut aufgestellt, um von den neuen Gegebenheiten zu profitieren.

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