Regeln und Methoden

W3C aktualisiert Dokumente für Accessibility-Tests

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von René Jaun und cbi

Das Standardisierungskonsortium W3C hat seine Formatdefinition für Accessibility-Tests aktualisiert. Zudem veröffentlichte das Gremium eine neue Version seiner Evaluationsmethode für Accessibility-Tests.

(Source: Mariia Korneeva / stock.adobe.com)
(Source: Mariia Korneeva / stock.adobe.com)

Das World Wide Web Consortium (W3C) hat Anfang Februar 2026 eine Reihe von Dokumenten im Bereich der Barrierefreiheit (Accessibility) aktualisiert. Das Gremium, welches Standards für zahlreiche Web-Technologien vorantreibt, empfiehlt neu Version 1.1 seines "Accessibility Conformance Testing (ACT) Rules Format", wie etwa bei "Borncity" zu lesen war.

Subjektive Anwendbarkeit

Das W3C will mit dem Dokument ein einheitliches Format schaffen, "mit dem alle an Barrierefreiheitstests beteiligten Personen ihre Testverfahren auf robuste und verständliche Weise dokumentieren und austauschen können. Dies ermöglicht Transparenz und Harmonisierung der Testmethoden, einschliesslich der von Accessibility-Testtools implementierten Methoden", heisst es in der Einleitung.

Im Vergleich zur Vorgängerversion (1.0, verabschiedet im Oktober 2019) habe es zwei grosse Änderungen gegeben, erklärt das W3C. So gibt es neu zwei Arten von Accessibility-Anforderungen: Konformitätsanforderungen und sekundäre Anforderungen (im Original: conformance requirements und secondary requirements). Version 1.1 ermöglicht auch, für Regeln die sogenannte "subjektive Anwendbarkeit" (subjective Applicability) zu definieren.

Als Beispiel eines Tests mit subjektiver Anwendbarkeit nennen die Autoren des Dokuments eine Regel, die prüft, ob "als Überschrift gestaltete Elemente" das korrekte Überschriften-Mark-up verwenden. "Die Anwendbarkeit dieser Regel kann nicht objektiv formuliert werden, da 'als Überschrift gestaltet' subjektiv ist und vom Kontext der Seite abhängt", so das W3C.

Testmethode und neue Anwendungen

Das Konsortium veröffentlichte das ACT-Regelformat Version 1.1 mit dem Status "Recommendation" und "empfiehlt die breite Anwendung dieser Spezifikation als Standard für das Web", wie es in der Einführung heisst. Weitaus weniger verbindlichen Charakter hat ein sogenanntes Group Note Draft (Entwurf von Gruppenanmerkungen) aus dem Accessibility-Bereich, welches das W3C ebenfalls unlängst veröffentlichte. Es handelt sich um Version 2.0 der "W3C Accessibility Guidelines Evaluation Methodology (WCAG-EM)". Wie der Name schon sagt, formuliert die W3C darin Schritt für Schritt eine Methode, wie ein digitales Produkt auf Barrierefreiheit überprüft werden kann – oder genauer: "eine Methodik mit einem schrittweisen Prozess zur Bewertung, inwieweit digitale Produkte den Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) 2 entsprechen", wie das Gremium selber schreibt. Das Dokument gibt an, welche Voraussetzungen und Expertise es für einen Accessibility-Test braucht und beschreibt dann den Evaluationsprozess in vier Hauptschritten, von "den Umfang des Produkts definieren" bis zu "die Testergebnisse melden".

Zu guter Letzt veröffentlichte das W3C noch eine ganze Reihe weiterer Group Note Drafts unter dem Haupttitel "Cognitive Accessibility Research Modules". Jedes Dokument befasst sich mit einer bestimmten technologischen Anwendung oder einem Trend, der für Menschen mit kognitiven Behinderungen zwar Potenzial, aber auch Herausforderungen mit sich bringt. Verfügbar sind etwa Dokumente zu Indoor-Navigation, Conversational Interfaces oder Technologien zur Entscheidungsfindung (Supported Decision-Making). In den Dokumenten trägt das Konsortium bereits jetzt vorhandene Beispiele der Anwendungen zusammen und zeigt mögliche Hürden und Verbesserungspotenzial auf.

Das W3C stellt klar, dass es sich bei Group Note Drafts um keine verbindlichen Empfehlungen, sondern nur um Entwürfe handelt. In manchen Dokumenten listet das Konsortium konkrete Fragen an die Community auf und lädt zur Diskussion ein.

 

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