Digital Hoarding

Wenn die Festplatte überquillt, schlägt das auf die Psyche

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Über 10'000 E-Mails im Postfach zu haben ist keine Seltenheit. Doch das Anhäufen von Daten kann zu ähnlichem Stress führen wie das Horten von Gegenständen. Auch für Unternehmen birgt das Sammeln unnötiger Daten Problempotenzial.

(Source: JESHOOTS.COM / Unsplash)
(Source: JESHOOTS.COM / Unsplash)

2018 verschickten alle Weltbürger zusammen mehr als 280 Milliarden Mails und 65 Milliarden Whatsapp-Nachrichten pro Tag. Ein Grossteil davon befindet sich immer noch auf den Geräten der Empfänger. "Es ist total normal, dass Leute sehr, sehr viele Mails haben", sagt Psychologin Liz Sillence von der Northumbria-Universität gegenüber "Zeit Online". Sie war Teil eines Teams von Psychologen, das 627 Menschen zum Thema Digital Hoarding befragte. In den Postfächern vieler Teilnehmer hätten sich 10’000, teils 20’000 gelesene wie ungelesene Mails angesammelt. Die meisten Studienteilnehmer empfänden das aber nicht als schlimm.

Weshalb die Empfänger Mails und andere Nachrichten und Daten meist nicht löschen, fragte das Psychologen-Team 46 Personen. Folgende vier Gründe nannten die Befragten besonders häufig:

1. Sie wollen die Daten für alle Fälle aufbewahren

2. Das Aussortieren erscheint ihnen als zu aufwändig

3. Es ist ihnen egal, dass ihre Postfächer und Festplatten voll sind

4. Sie hängen emotional an den Daten

Man könnte also meinen, es gäbe gar keinen zwingenden Grund, die Datenansammlung aufzuräumen. Wie "Zeit Online" schreibt, können durch die vielen Daten aber Probleme für Unternehmen entstehen. So werde es schwierig, relevante Informationen aus der Datenmenge zu erhalten und sie gegen Cyberangriffe zu schützen.

Das Daten-Wirr-Warr kann auch zur psychischen Belastung werden. Einige der Teilnehmer hätten sich – wenn wohl auch eher zum Spass – als digitale Horter oder Messies bezeichnet. Ein Zeichen dafür, dass ihnen bewusst sei, dass Daten in Massen eine Belastung sein können.

(Source: Netzmedien)

Nicht jeder Nutzer mit vielen Mails im Postfach ist aber automatisch ein Messie und nicht jeder, der im echten Leben krankhaft Gegenstände anhäuft, tut dies auch digital. Das Horten digitaler Daten könne aber ähnlichen Stress auslösen wie das Horten von Gegenständen.

Als Digital Hoarder klassifizierten Darshana Sedera von der Monash University und seine Forscherkollegen Menschen, die immer wieder neuen Speicherplatz zulegten, weil es ihnen zu schwer falle, etwas zu löschen. Diese Definition würde jedoch auf viele Menschen zutreffen. Es braucht weitere Forschung, um die Auswirkungen der Datenmassen, die sich in unserem digitalen Alltag anhäufen, genauer zu ergründen, schreibt Sedera laut "Zeit Online".

Wie sich die Digitalisierung und flexibles Arbeiten auf die Gesundheit auswirken, lesen Sie im Interview mit Arbeitswissenschaftler Georg Bauer von der Universität Zürich.

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