Interview

Auch Pause machen will gelernt sein

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Wenn sich die Arbeit stapelt, fällt es oft schwer, regelmässig eine Pause einzulegen. Sylvia Manchen Spörri, Leiterin des Bachelorstudiengangs Business Psychology an der Hochschule Luzern, erklärt, warum Pausen auch an arbeitsintensiven Tagen wichtig sind und wie Vorgesetzte mit dem Thema Pausen umgehen sollten.

Sylvia Manchen Spörri, Leiterin Bachelorstudiengang Business Psychologie an der Hochschule Luzern (Source: zVg)
Sylvia Manchen Spörri, Leiterin Bachelorstudiengang Business Psychologie an der Hochschule Luzern (Source: zVg)

Wie macht man idealerweise Pause(n) am Arbeitsplatz?

Sylvia Manchen Spörri: Idealerweise macht man regelmäs­sig und verteilt über den Tag Pausen. Nach ungefähr einer Stunde Arbeit sollte man eine kurze Pause von etwa fünf Minuten machen oder Mikropausen einlegen, indem man beispielsweise das Büro lüftet oder eine Entspannungsübung macht. Auch braucht es längere Pausen wie die Mittagspause, um sich zu verpflegen und zu erholen. Der Erholungswert ist zu Beginn der Pause am grössten und nimmt dann exponentiell ab. Zu lange oder rein fremdbestimmte Pausen bringen Mitarbeitende aus dem Arbeitsfluss.

 

Was passiert mit dem Körper, wenn man den ganzen Tag ohne Pause durcharbeitet?

Insgesamt nimmt die Leistungsfähigkeit ab. Ermüdung nimmt nicht linear über den Tag hinweg, sondern exponentiell zu. Menschen nehmen Ermüdungszeichen subjektiv oftmals nicht wahr und legen deshalb keine oder zu spät eine Pause ein. Ermüdung zeigt sich physiologisch durch einen beschleunigten Puls und eine flacher werdende Atmung. Psychologische Zeichen sind eine Abnahme der Konzentration und ein Auftreten von Denkstörungen. Es kann zu physiologischen Stressreaktionen wie einem Anstieg des Blutdrucks kommen. Bei der Arbeit am Computer kann es weiter zu einer Beanspruchung der Augen, zu Verkrampfungen und zur Entwicklung muskuloskelettaler Beschwerden kommen.

 

Was halten Sie vom Mittagessen am Schreibtisch?

Eine Mittagpause am Schreibtisch ist nicht zu empfehlen. Die digitale Welt kann aber aus verschiedenen Gründen dazu verführen: Die Arbeit am Bildschirm hat eine Sogwirkung. Mitarbeiter bekommen durch das Aufpoppen von Nachrichten oder Blinken eines Cursors ein Gefühl des Zeitdrucks. Sie fühlen sich in Konkurrenz mit dem Computer und geraten in den Sog, immer weiterzuarbeiten. Oftmals kommen Mitarbeitende auch in einen Flow-Zustand. Sie arbeiten hochkonzentriert an einer herausfordernden Aufgabe und vergessen dabei alles andere. Durch die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol geraten sie in einen Zustand leichter Erregung, der die Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft fördert. Gleichzeitig erhält man dadurch einen Tunnelblick. Die Wahrnehmung des eigenen körperlichen Befindens wird währenddessen ausgeblendet. Dadurch besteht die Gefahr, die eigenen körperlichen Grenzen zu überschreiten und Pausen zu vergessen.

 

Wie schafft man es, auch an sehr arbeitsintensiven Tagen Pausen einzulegen?

Erholungspausen gehören zum Zeitmanagement. Man sollte bewusst Arbeitsabschnitte planen, die kleine frei gewählte Pausen ermöglichen. Ausserdem kann man sich im Team vom Druck befreien, erst einen Berg an Aufgaben abarbeiten zu müssen und erst dann eine Pause zu machen und sich stattdessen gegenseitig daran erinnern, rechtzeitig eine kurze Entspannung einzuschalten.

 

Wie sollten Arbeitgeber mit dem Thema Pausen umgehen?

Abgesehen vom Einhalten der gesetzlichen Vorgaben ist es wichtig, den Mitarbeitenden Handlungs- und Gestaltungsspielräume zu geben, die ihnen frei wählbare Pausen ermöglichen. Führungskräfte können ausserdem eine Vorbildrolle einnehmen und ihre Mitarbeitenden auf Ermüdung hinweisen. Im Kontext der Digitalisierung können Mitarbeitende zu gesundheitlichen Themen zur Arbeit am Computer und im Homeoffice geschult werden.

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