Zu wenig Lohn, zu viel Word

Baselbieter Fachstelle für Cybercrime kommt nicht in die Gänge

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Der Kanton Baselland hat Mühe, Fachkräfte für seine Fachstelle gegen Cyberkriminalität zu finden. Schuld daran sollen vergleichsweise tiefe Löhne sein. Gleichzeitig macht dem Kompetenzzentrum aber auch veraltete Technologie zu schaffen.

(Source: ©stokkete - stock.adobe.com)
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Seit April betreibt der Kanton Baselland ein Kompetenzzentrum gegen Cyberkriminalität - theoretisch. Der Aufbau der Fachstelle bereitet offenbar Schwierigkeiten, wie die "Basler Zeitung" berichtet. So sind demnach von 13 bewilligten Stellen bei der Polizei bislang 6 besetzt. Die Staatsanwaltschaft vermeldet zwei von drei besetzten Stellen.

Ein triftiger Grund für die harzige Suche nach Fachkräften sei der in Aussicht gestellte Lohn, schreibt die Zeitung unter Berufung auf die Polizei. Im Kanton Baselland belaufe sich ein Monatslohn als IT-Forensiker auf maximal zwischen 8000 und 9000 Franken. Beim Bund und dessen Nationalen Zentrum für Cybersicherheit könne das Monatssalär rund 3000 Franken höher sein.

Eine weitere Schwierigkeit sei es, Fachkräfte zu finden, die an einem langjährigen Engagement als Cyberstrafverfolger interessiert seien, zitiert die Zeitung Thomas Lyssy, Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Zusätzlich sind die wenigen externen Weiterbildungsmöglichkeiten durch die Covid-19-Pandemie derzeit nicht vorhanden oder für einen längeren Zeitraum nicht verfügbar."

Technologisch in der Steinzeit

Doch dem Kompetenzzentrum mangelt es nicht nur an Fachkräften, sondern auch an moderner Technologie, wie die Zeitung weiter ausführt. Gehe es um technische und rechtliche Grundlagen, befinde man sich bei der Polizei "in der Steinzeit", heisst es unter Berufung auf Cybercrime-Leiter Michel Meier. So würden Anfragen an andere Kantone noch immer via E-Mail und Word-Formulare übermittelt, ohne automatisierten Datenaustausch.

Die Staatsanwaltschaft betont zudem, dass der Gesetzgebungsprozess mit dem digitalen Wandel und der damit einhergehenden, teilweise internationalen, Cyberkriminalität nicht mithalten könne. Sie bemängelt Insbesondere die hohen Hürden des EU-Datenschutzes und das Verbot einer Vorratsdatenspeicherung, welche die wirksame Bekämpfung der Cyberkriminalität international zunehmend in Frage stellen.

Schon länger läuft das Kompetenzzentrum Cybercrime der Kantonspolizei St. Gallen. Was die Fachstelle alles tut und welche Ziele sie für 2020 verfolgt, gab sie im Frühhling 2019 bekannt.

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