Wie die öffentliche Verwaltung von Low-/No-Code profitieren kann
Low-/No-Code-Plattformen sind Technologien mit grossem Potenzial für einfache Prozesse mit häufig wiederkehrenden Mustern, wie sie auch in öffentlichen Verwaltungen anzutreffen sind. Diese sollten den Wertschöpfungsbeitrag von No-/Low-Code im Auge behalten und zugunsten ihrer digitalen Transformation und Souveränität nutzen.
Die zugrundeliegende Idee von Low-/No-Code ist nicht neu. Ziel ist es, die Entwicklung von Software auch Menschen ohne Programmierkenntnisse zu ermöglichen. Dies hilft, die digitale Transformation zu beschleunigen, indem die "Übersetzungsleistung" von Fach- und Kundenanforderungen in einen Code automatisiert wird.
Einfaches Baukastensystem
Low-/No-Code-Entwicklungsplattformen greifen diese Idee auf. Sie entsprechen einem Baukasten mit intuitiven Benutzeroberflächen. Dabei verwenden Nutzende einzelne Module des Baukastens, die häufig wiederkehrende Funktionen darstellen. Ein verbreiteter Anwendungsfall sind Content-Management-Systeme, die es Laien ermöglichen, Webseiten mithilfe grafischer Befehle zu gestalten.
Mit Low-/No-Code werden vielfältige Versprechen verbunden. Sie verkürzen die Durchlaufzeiten für Digitalisierungsvorhaben, vereinfachen die Einhaltung von Architekturvorgaben, stärken Kundenfokus und Prozessqualität, entlasten Softwareentwicklerinnen und -entwickler und führen zu mehr Unabhängigkeit von IT-Dienstleistern. Zudem erleichtern sie die Digitalisierung kleiner Prozesse, für die sich Eigenentwicklungen nicht lohnen. Letztlich bieten die Baukästen auch Synergiepotenzial über die Organisationsgrenzen hinweg. Ganze Baukästen können mit anderen geteilt werden.

(Source: PwC)
Schweiz ist zurückhaltend
In der Schweiz steckt der Einsatz von Low-/No-Code-Entwicklungsplattformen noch in den Kinderschuhen. Gemäss "Trendradar 2022" von PwC zeigen sich über 150 Führungskräfte aus der Verwaltung zögerlich: Mehr als zwei Drittel der Studienteilnehmenden erachten Low-/No-Code heute als irrelevant, nur 22 Prozent setzen Ressourcen dafür ein. Lediglich 8 Prozent haben über die Einführung nachgedacht.
Die zurückhaltende Einstellung der Trendradar-Teilnehmenden ist nachvollziehbar, denn noch gibt es wenig Erfahrungswerte für die Verwaltung. Hinzu kommt, dass die Initialinvestitionen hoch sind – sowohl für die Entwicklung des Baukastens als auch für die erforderliche Weiterbildung und Organisationsanpassung. Zudem dürfen die Baukästen nicht überschätzt werden: Einfache Leistungen können sie zwar abdecken, komplexere Vorhaben müssen aber weiterhin im regulären Entwicklungsprozess umgesetzt werden. Diese Parallelität erhöht die Komplexität. Und es gilt, das «Swiss Finish» und eine überbordende "Customization" im Auge zu behalten.
Viel brachliegendes Potenzial im öffentlichen Sektor
Grundsätzlich haben Schweizer Verwaltungen allerdings wesentliche Voraussetzungen für die Einführung von Low-/No-Code, denn sie verfügen über gut ausgebildetes Personal in den Fachabteilungen. Zudem bieten der Föderalismus und die Departementalität viel Synergiepotenzial für wiederverwendbare Module, da an vielen Orten ähnliche Leistungen abgewickelt werden. Ein Vorbild könnte der nördliche Nachbar sein: Deutschland wagt gerade mit "MODUL-F" einen Pilotversuch für einen Entwicklungsbaukasten für alle drei Staatsebenen.
Will die Schweiz ihre ambitionierten Ziele im Bereich der digitalen Verwaltung erreichen, müssen wir neue Ansätze erproben – auch vor dem Hintergrund des zunehmend verschärften IT-Fachkräftemangels und der angespannten Haushaltssituation. Es ist deshalb essenziell, entsprechende Kompetenzen aufzubauen und gemeinsam mit anderen Gemeinwesen Low-/No-Code in Pilotprojekten zu erproben.
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