Umstrittener Entscheid

Update: VBS erachtet Lösegeldzahlung von Ruag als rechtmässig

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von Alexia Muanza und René Jaun und Übersetzung: ahu/nki, cka, shu

Das VBS hat seine Untersuchung einer Lösegeldzahlung durch die Ruag an Cyberkriminelle abgeschlossen. Die Zahlung hatte der Rüstungskonzern zwei Monate zuvor infolge eines Cyberangriffs auf eine US-amerikanische Tochtergesellschaft eingeräumt. Das Departement kommt zum Schluss, dass keine Anhaltspunkte für einen Rechtsverstoss vorliegen, weist jedoch auf mehrere Mängel beim Umgang mit dem Vorfall hin.

(Source: REDPIXEL.PL / Shutterstock.com)
(Source: REDPIXEL.PL / Shutterstock.com)

Update vom 05.08.2026: Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hat seine Untersuchung zum im Oktober 2025 erfolgten Cyberangriff auf Ruag LLC abgeschlossen. Ruag LLC ist eine US-amerikanische Tochtergesellschaft der Ruag MRO Holding. Das VBS kommt zum Schluss, dass die Entscheidung des Unternehmens, ein Lösegeld an die cyberkriminelle Gruppe Akira zu zahlen, in dessen unternehmerischer Verantwortung lag. Es lägen keine Anhaltspunkte für einen Rechtsverstoss vor, heisst es in der Mitteilung der Behörde. Ruag MRO habe zudem vor der Zahlung geprüft, ob diese mit dem US-amerikanischen Recht vereinbar war.

Das VBS äussert hingegen mehrere Kritikpunkte hinsichtlich der Bewältigung des Vorfalls. Es ist der Ansicht, dass der Rüstungskonzern seine Kommunikation mit dem Bund besser hätte koordinieren müssen. Das Unternehmen habe die Risiken vor allem unter wirtschaftlichen und rechtlichen Gesichtspunkten bewertet, ohne den politischen und rufbezogenen Folgen sowie den übergeordneten Interessen des Bundes genügend Gewicht beizumessen. 

Im Anschluss an diesen Vorfall hat Ruag laut Mitteilung mehrere Massnahmen eingeleitet, die insbesondere die Eskalationsprozesse in den Tochtergesellschaften, die IT-Governance, das Krisenmanagement und die Mindestanforderungen an die Cybersicherheit betreffen. Das Departement erinnert Ruag zudem an ihre Pflicht, die Stellen, die den Bund vertreten, bei einem Vorfall dieser Art rasch und in angemessener Weise zu informieren.

Es empfiehlt der Ruag ausserdem, ihre Schutzmassnahmen und Prozesse gemeinsam mit dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) zu überprüfen, um allfällige Schwachstellen zu identifizieren und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberangriffen zu stärken. 

Das VBS ist des Weiteren der Ansicht, dass keine zusätzlichen Massnahmen in Bezug auf die Eigentumsrechte erforderlich sind. Es bekräftigt jedoch die Empfehlung des Bundes, im Falle eines Cyberangriffs kein Lösegeld zu zahlen. 

 

Update vom 08.06.2026:

US-amerikanische Ruag-Tochter zahlt Lösegeld an Ransomware-Erpresser

Nach einem Ransomware-Angriff auf seine US-amerikanische Tochterfirma Ruag LLC hat der Rüstungskonzern den Erpressern offenbar Geld überwiesen. Dies räumte Ruag-Verwaltungsratspräsident Jürg Rötheli gegenüber "SRF" ein.

In der Sendung "Die Samstagsrundschau" sagte Rötheli, man habe der Hackerbande Akira einen "kleineren Betrag" überwiesen. Die entsprechende Entscheidung habe man nach Gesprächen mit unternehmensinternen Gremien getroffen, ergänzte Ruag nach der Sendung gegenüber "SRF". Dabei sei man auch von US-Rechtsexperten beraten worden. Nicht in die Entscheidung involviert war offenbar das Bundesamt für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), welches den Bund als Eigentümer gegenüber Ruag vertritt.

Mann mittleren Alters in dunkelblauem Anzug mit Lesebrille vor neutral-grauem Hintergrund.
Ruag-Verwaltungsratspräsident Jürg Rötheli. (Source: Obs / Clear Channel Schweiz)

Ruag hält die Zahlung für richtig und erklärt, das Unternehmen habe sämtliche Daten zurückerhalten und den finanziellen und sicherheitsspezifischen Schaden auf ein Minimum reduzieren können.

In der Cybersecurity-Branche dürfte die Lösegeldzahlung nicht gut ankommen. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) rät davon ab, derartige Forderungen zu erfüllen, wie etwa "20 Minuten" anmerkt. Die beiden in der Digitalbranche bekannten Nationalräte Franz Grüter und Gerhard Andrey geben sich besorgt: "Wer Lösegeld bezahlt, zeigt Cyberkriminellen, dass sich ihre Erpressungsversuche lohnen", sagt Grüter (SVP) und fordert eine Untersuchung. Andrey (Grüne) betont, es sei nun wichtig, die Cybersicherheit des Rüstungskonzerns zu stärken, denn ein solcher Angriff "hätte nicht passieren dürfen".

 

Originalmeldung vom 05.11.2025:

US-amerikanische Ruag-Tochter ist Opfer eines Ransomware-Angriffs

Bösartige Hacker haben bei Ruag LLCC zugeschlagen. Die US-amerikanische Tochterfirma des Schweizer Rüstungskonzerns Ruag wurde Opfer eines Ransomwareangriffs, wie "SRF" berichtet.

Demnach steckt die Hackergruppe Akira hinter dem Angriff. Die Gruppierung behauptet, 24 Gigabyte an Daten erbeutet zu haben - darunter etwa Informationen zu Angestellten des Unternehmens, aber auch vertrauliche militärische Daten – und droht nun damit, das Datenpaket zu veröffentlichen. Getan hat sie dies bislang allem Anschein nach nicht, wie dem "SRF"-Bericht zu entnehmen ist.

Ruag in der Schweiz bestätigt gegenüber "SRF" den Angriff auf das Tochterunternehmen, hält sich aber mit Angaben zum Ausmass zurück. "Gemäss aktuellem Erkenntnisstand sind keine besonders schützenswerten Daten von Mitarbeitenden in der Schweiz betroffen", zitiert "SRF" aus der Stellungnahme. Die Aufarbeitung des Vorfalls laufe und man habe entsprechende Massnahmen eingeleitet, schreibt das Unternehmen weiter. Ausserdem hält es fest, der Vorfall betreffe ausschliesslich Ruag LLC und habe keine Auswirkungen auf andere Systeme des Ruag-Konzerns.

Ruag LLC arbeite für Luftstreitkräften aus der ganzen Welt und beschaffe unter anderem Ersatzteile für Kampfflugzeuge.

 

Im Frühling 2021 sorgte Ruag ebenfalls wegen eines mutmasslichen Hackerangriffs für Schlagzeilen. Was dabei passierte und wie der Bund reagierte, erfahren Sie hier.

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