Alex Karp am WEF 2026

Palantir-CEO warnt vor KI-Euphorie und sieht Fachkräfte im Vorteil

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Am WEF 2026 in Davos hat Palantir-CEO Alex Karp davor gewarnt, generative KI als simple Ergänzung bestehender Software-Systeme zu betrachten. Zugleich prognostizierte er eine tiefgreifende Neuordnung des Arbeitsmarkts, bei der technische Fachkräfte profitieren und klassische Bürojobs sowie bestimmte akademische Profile unter Druck geraten könnten.

Alex Karp, CEO von Palantir, am WEF 2026. (Source ©WEF_BvLoebell)
Alex Karp, CEO von Palantir, am WEF 2026. (Source ©WEF_BvLoebell)

Am diesjährigen Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos hat Alex Karp, CEO der Datenanalyse-Firma Palantir, mit aus seiner Sicht naiven Vorstellungen über den Einsatz generativer KI abgerechnet. Viele Unternehmen versuchten derzeit, KI zu nutzen, indem sie ein grosses Sprachmodell (LLM) an ihre bestehende Software-Infrastruktur "andocken". Dieser Ansatz sei jedoch weitgehend wirkungslos. "Wenn Sie ein Sprachmodell kaufen und es auf Ihren Software-Stack aufsetzen, funktioniert das nicht", sagte Karp.

Gerade in regulierten und datensensiblen Bereichen wie dem Gesundheits- oder Versicherungswesen liefere eine solche oberflächliche Integration weder die nötige Präzision noch die erforderliche Sicherheit. Stattdessen bräuchten Unternehmen ein regelrechtes "Betriebssystem für KI", das Daten, Prozesse und Modelle eng miteinander verzahnt, argumentierte Karp - nicht ganz uneigennützig. Denn Palantir bietet mit seinen Plattformen genau eine solche Zwischenschicht an, die als Brücke zwischen unternehmenseigenen Daten und verschiedenen KI-Modellen fungieren soll.

Praktische Fähigkeiten statt Titel

Auch der verbreiteten These, KI werde in erster Linie als Jobkiller wirken, widersprach Karp. Er erwartet zwar deutliche Verschiebungen am Arbeitsmarkt, sieht die Gewinner jedoch vor allem unter jenen mit anwendbaren technischen und operativen Fähigkeiten. Besonders betonte er die Bedeutung der beruflichen Ausbildung. Als Beispiel nannte er einen früheren Polizisten, der später als Bediener hochentwickelter Zielsysteme für das US-Militär arbeitete - für Karp ein Beleg dafür, dass reale Fähigkeiten oft wichtiger seien als formale Abschlüsse.

Gleichzeitig rechnet er mit einem Rückgang bestimmter "White-Collar-Jobs" mit vergleichsweise geringer Wertschöpfung im Dienstleistungssektor. Ironischerweise zählte sich Karp, der selbst in Philosophie promovierte, zu jenen akademisch geprägten Wissensarbeitern, deren Tätigkeiten besonders stark unter Automatisierungsdruck geraten könnten. Entsprechend plädierte er für eine Neuausrichtung der Personalrekrutierung: Unternehmen sollten stärker auf tatsächliche Kompetenzen und Lernfähigkeit achten als auf akademische Titel.

Brisante Aussagen zur Einwanderung

Für zusätzliche politische Sprengkraft sorgten Aussagen Karps zur Migration, über die unter anderem "Bloomberg" (Paywall) berichtete. Er sagte, die Produktivitätsgewinne durch KI könnten die Notwendigkeit grossangelegter Einwanderung verringern. "Es wird mehr als genug Arbeit für die Menschen eines Landes geben, insbesondere für jene mit einer praktischen Ausbildung", sagte Karp. Und weiter: "Ich kann mir nur schwer vorstellen, warum wir eine grossangelegte Einwanderung brauchen sollten, es sei denn, man verfügt über sehr spezielle Fähigkeiten."

Diese Position ist besonders brisant, da Palantir seit Jahren enge und umstrittene Geschäftsbeziehungen zu US-Behörden wie der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE unterhält. Menschenrechtsorganisationen kritisieren den Einsatz der Palantir-Software bei Abschiebungen und Überwachungsprogrammen seit Langem. Karps Aussagen zur künftigen Rolle von Migration im KI-Zeitalter erhalten vor diesem Hintergrund zusätzliche politische Bedeutung.

Die Rede von Alex Karp am diesjährigen WEF ist auf Youtube abrufbar. 

 

Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt hat die Einführung von KI-Diensten übrigens bereits deutliche Spuren hinterlassen, wie aus einer Studie der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich hervorgeht - mehr dazu lesen Sie hier

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