Update: Ständerat will Twint nicht verstaatlichen
Die kleine Parlamentskammer hat eine Motion abgelehnt, die das Ziel hatte, Twint zu einem kostenlosen öffentlichen Dienst für Händler zu machen. Der Genfer SP-Ständerat Carlo Sommaruga wollte mit dem Vorstoss gegen hohe Twint-Gebühren für KMUs vorgehen.
Update vom 23.06.2026: Der Ständerat hat mit 32 zu 9 Stimmen bei einer Enthaltung eine Motion von Carlo Sommaruga (SP/GE) abgelehnt. Sie forderte eine Strategie zur Umwandlung von Twint in einen öffentlichen Dienst sowie die Abschaffung der Gebühren für Händler. Nun ist der Vorstoss vom Tisch.
Während der Debatte in der kleinen Kammer argumentierte Sommaruga, Twint sei zu einer zentralen Zahlungsinfrastruktur der Schweiz geworden - vergleichbar mit Bargeld, das der Bund der Bevölkerung kostenlos zur Verfügung stellt. Er kritisierte insbesondere die Gebühren, die Händler bezahlen müssten, wobei Twint bestimmten grossen Detailhändlern private Rabatte gewähre.
Fabio Regazzi (Mitte/TI) räumte ein, dass die Gebühren KMUs belasten würden, lehnte jedoch die Idee einer Verstaatlichung ab. Der Tessiner Ständerat sprach sich für mehr Wettbewerb und transparentere Regeln aus und verwies auf eine Untersuchung der Wettbewerbskommission (Weko), die bereits laufe.
Bundesrätin Karin Keller-Sutter empfahl die Motion ebenfalls zur Ablehnung. Der Bundesrat setze aktuell auf den Ausbau der Sofortzahlungsinfrastruktur der Schweizerischen Nationalbank (SNB), sagte sie in der Debatte. Zudem nannte auch sie die laufende Prüfung der Beschwerde bezüglich der Twint-Gebühren, welche die Swiss Retail Federation bei der Weko eingereicht hatte.
Originalmeldung vom 01.04.2026:
Bundesrat soll Twint für Händler kostenlos machen
Der Genfer SP-Ständerat Carlo Sommaruga hat einen Antrag beim Bundesrat eingereicht, in dem er die Ausarbeitung einer Strategie für Twint als kostenlosen öffentlichen Dienst für Händler fordert. Der parlamentarische Vorstoss beruft sich darauf, dass die Eidgenossenschaft seit 1850 das Währungsmonopol inne hat und der Bevölkerung Bargeld trotz Produktions- und Verwaltungskosten in zweistelliger Millionenhöhe kostenlos zur Verfügung stellt.
Eine kostspielige Nutzung für Unternehmen
Der Verfasser des Gesuchs weist darauf hin, dass heute mehr als 70 Prozent aller Finanztransaktionen elektronisch abgewickelt werden, im Vergleich zu nur 30 Prozent im Jahr 2017. Gleichzeitig habe sich die Nutzung von Twint in den neun Jahren seit Beginn um mehr als das 225‑Fache erhöht - vergangenes Jahr hat sie sogar die 6-Millionen-Nutzer-Marke geknackt. Die Plattform mache inzwischen rund ein Viertel aller elektronischen Zahlungen in der Schweiz aus und fast zwei Drittel der mobilen Zahlungen.
Während der Dienst für Privatpersonen derzeit kostenlos ist, bleibt er laut dem Antrag für Händler weiterhin teuer. Twint berechnet in der Regel 1,3 Prozent des Transaktionsbetrags - ein Satz, der in einzelnen Fällen sogar bis zu 2 Prozent betragen kann. Aufgrund dieser hohen Gebühren hat Swiss Retail eine Beschwerde bei der Wettbewerbskommission eingereicht.
Das brasilianische Modell als Referenz
Um dieses Problem anzugehen, schlägt das Gesuch vor, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Verwaltung, den Betrieb und die Weiterentwicklung von Twint übernimmt, die derzeit in den Händen der wichtigsten Schweizer Banken und der SIX Group liegt.
Der Parlamentarier nennt zudem stärker regulierte Modelle in Singapur, Norwegen und Schweden, bezieht sich jedoch vor allem auf das Beispiel Brasiliens, wo die Plattform PIX von der Zentralbank betrieben wird. Deren Einführung habe die Zahlungen zwischen Privatpersonen kostenfrei gemacht und die Gebühren für Händler auf 0,33 Prozent pro Transaktion begrenzt.
Twint plant übrigens, seine Bezahlplattform auch für Stablecoins und die E-ID zu öffnen. Hier lesen Sie mehr dazu.
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