Mobilfunk-Cybersicherheit in der Schweiz
Die Zahl der Cyberangriffe in der Schweiz steigt – und mit ihr die Bedeutung sicherer Kommunikationsnetze. Während kritische Infrastrukturen zunehmend ins Visier geraten, setzt die Mobilfunkbranche auf hohe Sicherheitsanforderungen und internationale Standards. Doch wie robust ist die Mobilfunk-Cybersicherheit tatsächlich?
Cybersicherheit gehört zu den zentralen Herausforderungen bei der Digitalisierung von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft in der Schweiz. Dies zeigen die rund 65 000 freiwilligen Meldungen von Privaten und Unternehmen beim Bundesamt für Cybersecurity (BACS) im vergangenen Jahr. Ziel von Cyberattacken sind aber auch die kritischen Infrastrukturen. So wurden vergangenes Jahr im Rahmen der neuen Meldepflicht 222 Cybervorfälle gemeldet. Zu den häufigsten Angriffsarten gehören Hacking, DDoS-Attacken sowie der Diebstahl von Zugangsdaten. Davon betroffen waren auch Unternehmen aus der ICT-Branche.
Sicherheitskultur seit über 150 Jahren
Es stellt sich daher die Frage, wie es um den Schutz der Kommunikationsinfrastrukturen, beispielsweise der Mobilfunknetze, steht. Dabei blickt die Telekombranche auf eine langjährige Sicherheitstradition zurück. Grundstein ist das Fernmeldegeheimnis, das bereits 1874 – damals noch als Telegrafengeheimnis – in der Bundesverfassung verankert wurde und zu einer Vielzahl von Vorschriften, etwa im Fernmeldegesetz oder Informationssicherheitsgesetz, geführt hat.
Auf internationaler Ebene wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Sicherheits- und Zertifizierungsansätze entwickelt und eingeführt, die unterschiedliche Aspekte abdecken und sich gegenseitig ergänzen – zum Beispiel in Bezug auf Netzwerk-Equipment (NESAS), Sicherheitstest (SCAS) oder die IT-Sicherheit von Produkten (EU Common Criteria). Zudem betreibt der internationale Mobilfunkverband GSMA eine Wissensdatenbank, die Sicherheitsrichtlinien, Best Practices sowie technische Dokumente enthält und die Mobilfunknetzbetreiberinnen beim sicheren Aufbau und Betrieb der Netzwerke sowie ihrer Security-Organisationen unterstützt.
Sicherheitsanforderungen im Betrieb
Was heisst dies nun konkret in der Praxis? Cybersicherheit gehört zu den Kernaufgaben der Mobilfunknetzbetreiber in der Schweiz, die dafür über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Security-Bereich beschäftigen. Der operative Betrieb dieser Firmen orientiert sich an bewährten internationalen Normen und Standards, die grundsätzlich technik- und herstellerneutral ausgestaltet sind. Dazu gehören Informationssicherheits-Managementsysteme (ISO 27001) oder das Business-Continuity-Management (ISO 22301).
Im Zentrum der Cybersecurity steht das Security-Operations-Center, das die Sicherheit in den Netzen ständig überwacht, Bedrohungen analysiert und entsprechende Massnahmen einleitet. So werden beispielsweise allein bei Swisscom monatlich rund 2000 DDoS-Attacken erkannt und abgewehrt.
Internationale Standards als Fundament
Die Stärkung der Cybersecurity findet auch auf internationaler Ebene statt und spiegelt sich in umfangreichen Normen und Standards wider. In einem Bericht zu Cybersecurity im Mobilfunk, den eine Expertengruppe des Schweizerischen Verbandes der Telekommunikation (Asut) verfasste, wurden rund 15 Standards und Frameworks identifiziert, die verschiedenste Aspekte der Cybersecurity abdecken und die gesamte Lieferkette umfassen.
Der Vorteil von Normen wie ISO 27001 liegt zudem darin, dass diese Standards branchenübergreifend angewendet werden. Anbieter und Kunden sprechen "dieselbe Sprache" und können gemeinsam die Sicherheit von Systemen und Prozessen erhöhen.
Kooperation als Schlüssel zur Cyberresilienz
Cybersicherheit entsteht dabei nicht isoliert, sondern durch koordiniertes Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dies beginnt bei der Konzeption neuer Mobilfunkstandards wie 5G, die deutlich sicherer ist als die bisherigen Mobilfunktechnologien, erstreckt sich über die Lieferkette und reicht bis zum Betrieb der Mobilfunknetze sowie dem Dialog mit dem öffentlichen Sektor und interessierten Kreisen. Sichere Dienstleistungen sowie Infrastrukturen verhindern dabei nicht nur Attacken und Verbrechen im digitalen Raum, sondern sind auch eine Voraussetzung für die digitale Souveränität der Schweiz.
Swiss Telecommunication Summit
Wann: 25. Juni 2026, 09.15 bis 15.40 Uhr (anschliessend Apéro)
Wo: Kursaal Bern, Kornhausstrasse 3, 3013 Bern
Anmeldung und Programm: events.asut.ch
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