Schweizer RZ-Markt

So präsentiert sich der Schweizer Markt für Rechenzentren

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KI treibt den Boom im Schweizer Markt für Rechenzentren voran. Während Green den Bau von weiteren Anlagen in der Schweiz plant, erleben diejenigen von Atlas Edge, Exa Infrastructure und Stack Infrastructure einen Besitzerwechsel.

(Source: phonlamaiphoto - stock.adobe.com)
(Source: phonlamaiphoto - stock.adobe.com)

Der Schweizer Markt für Rechenzentren (RZs) hat sich in den vergangenen zwei Jahren weiterentwickelt. In einer Auswertung der kanadischen Agentur Visual Capitalist schafft es die Schweiz mit 113 gezählten RZs auf Platz 17 des globalen Rankings. Der Standort Zürich bleibt dabei am häufigsten vertreten. Im Vergleich zu 2024 finden sich Infrastrukturen mit neuen Besitzern und erweiterten Nutzflächen. Und einige der grossen Player bauen ihre Präsenz in der Schweiz weiter aus. 

Neubauten und Akquisitionen

Das Datacenter 2 von Green in Dielsdorf ist seit 2025 in Betrieb. Es bietet wie die anderen Anlagen von Green die Zertifizierungen ISO 22301, ISO 27001, ISO 27701, SOC 1 (Type ll) und ISAE 3402 (Type ll). Für 2026 plant Green den Baustart eines dritten RZs am Campus in Dielsdorf, ebenfalls mit 5800 Quadratmetern Nutzfläche. Das Datacenter 4 in Lupfig, das sich seit 2024 im Bau befindet, soll voraussichtlich 2027 eröffnet werden. Ausserdem sieht Green weitere Projekte für die ganze Schweiz vor. Der RZ-Betreiber räumt zudem bei den Benennungen seiner neun Datacenter auf: "Metro-Campus" wird neu zu "Campus ZRH1" mit Datacenter 1 bis 4 in Lupfig und "Campus ZRH2" mit Datacenter 1 bis 3 in Dielsdorf. Das RZ in Schlieren heisst nun "Datacenter ZRH3" und das in Glattbrugg "Datacenter ZRH4".

Der kalifornische RZ-Gigant Digital Realty betreibt weiterhin eines der von der Nutzfläche her grössten Datacenter in der Schweiz: 11 400 Quadratmeter umfasst das Rechenzentrum "ZUR3" in Glattbrugg. Im Jahr 2025 durfte sich der 45-Megawatt-Campus, bestehend aus den drei Datacentern in Glattbrugg, über eine "Gold+"-Zertifizierung der Swiss Data­center Efficiency Association (SDEA) freuen. Damit erfüllen die Anlagen von Digital Realty die Nachhaltigkeitsstandards zu 100 Prozent an gemessener und verifizierter Leistung. Seit 2023 plant Digital Realty zudem ein weiteres RZ beim Flughafen Zürich. Dessen Abwärme soll künftig den Flughafen mit nahezu emissionsfreier Wärme und Kälte versorgen.

Der US-amerikanische RZ-Betreiber Equinix investierte im November 2024 rund 40 Millionen Franken in seine Anlage ZH4 in Zürich. Bis 2027 soll das 2010 eröffnete Datacenter um 680 Quadratmeter wachsen, was Platz für 200 zusätzliche Cabinets schafft. Zurzeit bieten die beiden RZs in der Stadt Zürich (ZH2 und ZH4) zusammen 4730 Quadratmeter Fläche. Auch nach dem Ausbau bleibt das Datacenter ZH5 in Zürich, Oberengstringen, mit 10 500 Quadratmetern das grösste.

Die Swisscom übernahm Ende 2024 ihr elftes Rechenzentrum. Den Neuzugang akquirierte der Telko vom Tabakkonzern Philip Morris. Das RZ befindet sich im jurassischen Bonvillars, bietet eine Nutzfläche von 1100 Quadratmetern und ist damit etwas kleiner als jenes in Genf. Laut Swisscom erfüllt es die höchsten Sicherheits- und Verfügbarkeitsstandards inklusive Rund-um-die-Uhr-Überwachung.

Auch NorthC hat grosse Pläne für den Standort Schweiz. Nach der Einweihung seines vierten Rechenzentrums in Winterthur im März 2025 verkündete der niederländische RZ-Anbieter den Bau von zwei weiteren Infrastrukturen. Die neue Anlage auf dem Innovations-Campus Uptownbasel soll sich laut dem Unternehmen auf KI, Quantencomputing, Diagnostik und Medizin spezialisieren. Sie erweitert die zwei bestehenden Datacenter in Münchenstein 1 und 2 und umfasst voraussichtlich 2500 Quadratmeter mit einer Leistung von 5,5 Megawatt. Die Inbetriebnahme ist für Mitte 2027 geplant. Und mit dem sechsten RZ auf dem Campus "The Hive", das Mitte 2028 entstehen soll, erweitert NorthC seine Präsenz auch im Kanton Genf. Mit 5400 Quadratmetern Fläche, 4,5 Megawatt IT-Kapazität und einem Betrieb mit 100-prozentigem Ökostrom wird die Anlage die grösste der NorthC-Familie in der Schweiz sein.

Infomaniak Network feierte im Januar 2025 die Einweihung des Rechenzentrums "D4" in Genf. Wie das Unternehmen mitteilt, fliessen 100 Prozent des vom neuen Datacenter verbrauchten Stroms in das kantonale Fernwärmenetz ein. Zudem punkte das 1500 Quadratmeter grosse RZ "D3" in Genf mit einem PUE-Wert von weniger als 1,1.  

Neue Besitzer

Stack Infrastructure übergibt die Verantwortung für zwei seiner vier RZs in der Schweiz an einen neuen Besitzer. Vaultica, der neue Eigentümer von "GEN01" und "GEN02", geht aus dem Rebranding der europäischen Colocation-Aktivitäten von Stack Infrastructure hervor. Die neue Marke soll mit insgesamt acht miteinander verbundenen RZs in Mailand, Kopenhagen, Stockholm, Oslo und in Genf das Wachstum in Europa beschleunigen. 
Der Schweizer Rechenzentrumsmarkt boomt, befeuert durch den Rechenhunger der KI. Dieser Trend zwingt die gros­sen Akteure bei ihren Investitionen dazu, konsequent auf Energieeffizienz und Abwärmenutzung zu setzen. So festigt die Schweiz ihre Position als Europas nachhaltiger Datenhafen – ein Ende des Booms ist jedenfalls nicht in Sicht.

 

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