Update: Westschweizer Radiologienetzwerk bestätigt Datendiebstahl nach Cyberangriff
Das Réseau Radiologique Romand (Groupe 3R) bestätigt nach dem Cyberangriff Ende April 2026 den Diebstahl von Unternehmensdaten. Zudem schreibt das Westschweizer Radiologienetzwerk die Attacke der Ransomware-Gruppe Akira zu und informiert über den Wiederaufbau seiner IT-Infrastruktur.
Update vom 07.07.2026: Nachdem das Réseau Radiologique Romand (Groupe 3R) in jüngsten Mitteilungen eingeräumt hatte, dass beim Cyberangriff vom 30. April gestohlene interne Dokumente im Darknet veröffentlicht wurden, hat sie auf Anfrage weitere Informationen zu den Folgen des Vorfalls geliefert. Das Unternehmen bestätigt, dass bei dem Angriff Unternehmensdaten entwendet wurden. Zudem seien medizinische Daten verschlüsselt worden und seien dadurch vorübergehend nicht nutzbar gewesen. Bislang gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass diese veröffentlicht wurden. Ob die Daten ebenfalls exfiltriert wurden, lasse sich unter Umständen jedoch nie mit letzter Sicherheit klären, erklärt die Groupe 3R.
Auf Nachfrage zu mehreren bislang offenen Punkten teilt das Unternehmen zudem mit, dass die Attacke der Ransomware-Gruppe Akira zuzuschreiben sei. Die Vorgehensweise der Täter entspreche den Erkenntnissen der beauftragten Cybersecurity-Spezialisten. Das Unternehmen betont ausserdem, dass dieser zweite Cyberangriff in keinem Zusammenhang mit der Attacke von 2025 stehe - weder hinsichtlich der Täterschaft noch der Vorgehensweise.
Wichtigste Systeme wieder in Betrieb
Laut Mitteilung des Unternehmens verfügen alle 20 Zentren der Groupe 3R inzwischen über eine vollständig neu aufgebaute und abgesicherte IT- und technische Infrastruktur. Der Wiederaufbau sei mit Unterstützung von auf Cybersecurity spezialisierten, ISO-27001-zertifizierten Partnern erfolgt. Die wichtigsten Systeme, darunter RIS, PACS und die Telefonie, seien wieder in Betrieb. Auch die Teleradiologie funktioniert gemäss Mitteilung wieder, sodass Radiologen Untersuchungen erneut aus der Ferne beurteilen können.
Nach dem ersten Cyberangriff im Jahr 2025 habe die Gruppe gemeinsam mit einem spezialisierten Unternehmen ein umfassendes Programm zur Stärkung der Cybersicherheit gestartet. Die prioritären empfohlenen Massnahmen seien umgesetzt und ein Plan zur Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur erarbeitet worden. Die Migration auf eine neue IT-Architektur sei allerdings bereits vor dem Angriff im April 2026 geplant gewesen und hätte ursprünglich erst im Herbst dieses Jahres beginnen sollen. "Eine solche Transformation lässt sich jedoch nicht kurzfristig umsetzen. Sie erfordert die sichere Migration sehr grosser Mengen medizinischer Daten, ohne den laufenden Betrieb und die Patientenversorgung zu unterbrechen", erklärte das Unternehmen auf Anfrage.
Die Wiederherstellung sei noch nicht vollständig abgeschlossen. Das Portal für zuweisende Ärztinnen und Ärzte befindet sich laut der Groupe 3R derzeit in der Testphase und soll nach Abschluss der letzten Sicherheitsüberprüfungen wieder in Betrieb gehen. Ausserdem teilt das Unternehmen mit, dass die Strafanzeige, die am 30. April bei der Kantonspolizei Wallis eingereicht wurde, am 12. Mai an die Bundesanwaltschaft weitergeleitet worden sei.
Originalmeldung vom 07.05.2026:
Cyberangriff legt Westschweizer Radiologie-Netzwerk erneut lahm
Das Réseau Radiologique Romand (Groupe 3R), das in sieben Kantonen 20 Radiologiezentren betreibt, meldet einen Cyberangriff. Der Vorfall ereignete sich am 30. April und beeinträchtigt die IT-Systeme derart, dass die Behandlungskapazitäten eingeschränkt sind.
In einer Mitteilung spricht die Gruppe von einer "reduzierten Verfügbarkeit der Computersysteme". Alle Zentren blieben zwar offen, doch müsse die Gruppe einige Untersuchungen verschieben. Die Organisation fordert Patientinnen und Patienten auf, ihre Termine vor der Anreise zu überprüfen. Die Gruppe versichert, dass die Vertraulichkeit neuer Untersuchungsdaten gewährleistet sei, und warnt gleichzeitig vor möglichen Betrugsversuchen. Sie erinnert daran, dass die Rechnungsstellung direkt über die Krankenkassen erfolgt.
Wie die Tamedia-Zeitungen aus der Romandie berichten, meldete die Gruppe den Vorfall dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) und reichte Strafanzeige ein. Ob die Angreifer Daten erbeutet haben, ist zurzeit noch unklar. "Wir werden kein Lösegeld zahlen", beteuert Fabrice Joliat, Kommunikationsverantwortlicher der Groupe 3R, gegenüber der "Tribune de Genève" und "24 heures". Somit befolge man die Empfehlungen der Behörden.
Der Angriff erfolgt ein Jahr nach einem ähnlichen Vorfall im April 2025. Damals stahlen die Angreifer medizinische und administrative Daten, ohne jedoch den Betrieb zu stören. Auf die Frage der Westschweizer Zeitungen, welche Massnahmen die Gruppe seit dem Vorfall von 2025 ergriffen habe, antwortete das Unternehmen nur ausweichend. Der Aufwand sei beträchtlich gewesen, hiess es, ohne jedoch Details zu nennen. Der aktuelle Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Attacken auf das Schweizer Gesundheitswesen. So traf es beispielsweise im Dezember 2024 das Netzwerk Vidymed.
Als Reaktion auf die wachsende Bedrohung gründeten übrigens 18 Schweizer Spitäler im Jahr 2025 einen Verein namens "Healthcare Cyber Security Center" (H-CSC). Dies mit dem Ziel, ein Frühwarnsystem zur Erkennung von IT-Risiken für das Gesundheitswesen zu etablieren - mehr dazu lesen Sie hier.
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