KMUs investieren in KI, treffen Entscheide aber oft aus dem Bauch
Schweizer Unternehmen treiben den Einsatz von künstlicher Intelligenz rasch voran. Bei der strategischen Nutzung von Daten zeigt sich jedoch Nachholbedarf, wie eine Umfrage im Auftrag der "NZZ" zeigt.
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz entwickelt sich in Schweizer Unternehmen vom Experiment zum strategischen Thema. Fast jede zweite Führungskraft nennt KI als eines der wichtigsten Themen für die kommenden drei Jahre. Gleichzeitig geben vier von fünf Befragte an, dass sich die Einbindung moderner Technologien verbessert hat, wie aus dem diesjährigen KMU-Barometer (PDF) hervorgeht. Die Ergebnisse basieren auf einer Onlineumfrage der Fachhochschule Kalaidos im Auftrag der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). Zwischen Mitte März und Anfang April 2026 nahmen 495 Führungskräfte aus Schweizer Unternehmen an der Befragung teil.
Die Technologieoffensive erfolgt allerdings vor einem schwierigen wirtschaftlichen Hintergrund. Die Stimmung unter den Schweizer KMUs ist so schlecht wie seit Beginn der Erhebung nicht mehr. Der Gesamtindex des "NZZ"-KMU-Barometers fiel auf minus 7,3 Punkte und erreichte damit den tiefsten Stand seit 2021. Geopolitische Spannungen, Unsicherheiten im internationalen Handel und Sorgen um Lieferketten belasten die Erwartungen der Unternehmen.
KI verbreitet sich rasant
Dennoch investieren viele Firmen weiter in neue Technologien. 87 Prozent der Befragten experimentieren bereits mit künstlicher Intelligenz oder bauen entsprechende Kompetenzen auf.
Bemerkenswert ist die Haltung vieler Unternehmen zum technologischen Wandel. Zwar nennen 16 Prozent der Befragten den technologischen Wandel als ihre wichtigste Sorge. Doch laut den Studienautoren investieren gerade diese Unternehmen besonders häufig in KI. Die Verunsicherung führt also nicht zu Zurückhaltung, sondern zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit der Technologie.
Daten spielen oft nur eine Nebenrolle
Die hohe KI-Affinität kontrastiert allerdings mit der Datenreife vieler Unternehmen. Während KI-Anwendungen rasch Einzug in den Unternehmensalltag halten, bleibt die strategische Datennutzung vielerorts unterentwickelt. Lediglich 27 Prozent der Befragten nutzen Daten systematisch für strategische Entscheidungen. Die Mehrheit greift nur punktuell auf Analysen zurück oder verlässt sich primär auf Erfahrung und Intuition.
Die Studienautoren sehen darin einen Hinweis darauf, dass die Einführung neuer Technologien vielerorts schneller voranschreitet als der Aufbau datengetriebener Entscheidungsprozesse.
Diese Diskrepanz könnte erklären, weshalb viele Unternehmen Mühe mit grundlegenden Anpassungen haben. Ebenfalls nur 27 Prozent trauen sich zu, ihr Geschäftsmodell innerhalb von sechs Monaten substanziell umzubauen. Die Umfrage zeichnet somit das Bild von Unternehmen, die technologisch aktiv sind, strategisch aber oft noch wenig datengetrieben und agil handeln.
Zu einem ähnlichen Schluss kommt übrigens auch eine kürzlich veröffentlichte UBS-Studie: Zwar setzt inzwischen die Mehrheit der Schweizer Unternehmen KI ein, viele Firmen nutzen die Technologie jedoch noch nur punktuell statt systematisch - mehr dazu lesen Sie hier.
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