KI-Supercomputer im Baselbiet nimmt Betrieb auf
In Arlesheim ist ein neuer KI-Supercomputer ans Netz gegangen. Die Infrastruktur soll Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden den Betrieb anspruchsvoller KI-Anwendungen in der Schweiz ermöglichen - ohne dass Daten ins Ausland fliessen.
Der Cloud- und KI-Anbieter Phoeniqs, der Innovationscampus Uptownbasel und der Arealentwickler Fankhauser haben in Arlesheim (BL) einen KI-Supercomputer in Betrieb genommen. Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Institutionen sollen damit Rechenkapazitäten für komplexe KI-Anwendungen unter Schweizer Recht nutzen können.
Die neue Infrastruktur soll eine Alternative zu den Angeboten der grossen Hyperscaler darstellen und mehr digitale Souveränität ermöglichen, wie die Betreiber mitteilen. Datenintensive Anwendungen und grosse KI-Modelle sollen sich demnach lokal betreiben lassen, ohne dass Daten in ausländische Rechenzentren abfliessen. Das Angebot richtet sich vor allem an Unternehmen und Organisationen mit erhöhten Anforderungen an Datenschutz und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben.
Nvidia, IBM und Dell liefern Technologie
Technisch basiert das System auf 192 H100-Grafikprozessoren von Nvidia. Solche Spezialchips übernehmen die Parallelberechnungen, die moderne KI-Anwendungen für Training und Betrieb benötigen. An der Infrastruktur wirkten abgesehen von Nvidia auch IBM und Dell mit.

Der KI-Supercomputer in Arlesheim basiert auf Nvidia-H100-Grafikprozessoren - an der Infrastruktur beteiligten sich zudem IBM und Dell. (Source: zVg)
Phoeniqs bezeichnet die Anlage als leistungsfähigsten kommerziellen KI-Supercomputer der Schweiz. Für die Vermarktung arbeitet der Cloud-Anbieter mit Sitz in Pfäffikon (SZ) exklusiv mit Sunrise zusammen.
Campus setzt auf KI und Quantencomputing
Uptownbasel erweitert mit dem Projekt sein Angebot im Bereich rechenintensiver Technologien. Der Innovationscampus in Arlesheim konzentriert sich auf Themen wie künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Cybersicherheit, Energie und Life Sciences.

Der Innovationscampus Uptownbasel in Arlesheim baut sein Angebot im Bereich künstliche Intelligenz weiter aus. (Source: zVg)
Bereits heute befindet sich auf dem Areal ein kommerziell nutzbarer Quantencomputer. Der neue KI-Supercomputer deckt dagegen einen deutlich breiteren Anwendungsbereich ab und richtet sich an Organisationen, die KI-Systeme produktiv einsetzen oder eigene Modelle entwickeln und trainieren möchten.
Der Campus umfasst derzeit 18 Unternehmen mit rund 400 Arbeitsplätzen. In den kommenden Jahren planen die Verantwortlichen einen weiteren Ausbau des Standorts.
Abwärme fliesst ins Wärmenetz
Der Betrieb grosser KI-Systeme benötigt erhebliche Mengen Energie. Für die neue Anlage stehen laut den Betreibern rund drei Megawatt Leistung zur Verfügung. Batteriespeicher sollen Lastspitzen ausgleichen, eine zusätzliche Notstromversorgung auf Basis von Biodiesel dient als Reserve.
Ein geschlossenes Wassersystem kühlt die Anlage und führt die entstehende Wärme von den Serverracks ab. Nach Angaben der Betreiber erreicht die dabei entstehende Abwärme Temperaturen von rund 50 Grad Celsius.
Die Abwärme dient anschliessend zur Beheizung von Gebäuden auf dem Areal. Ein Teil der Energie soll zudem in den regionalen Wärmeverbund von Primeo Wärme fliessen.
Apropos Supercomputer: Das Swiss National Supercomputing Centre (CSCS) betreibt mit "Alps" einen der mächtigsten Hochleistungsrechner Europas. Warum digitale Souveränität mehr bedeutet als technologische Unabhängigkeit und welche Bedeutung das Schweizer KI-Modell Apertus für den Innovationsstandort Schweiz hat, erklärt CSCS-Direktor Thomas Schulthess im Interview.
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