"Auto-Tiering ist der Rettungsanker in der Speicherkrise"
Lange galt All-Flash als Königsweg im Enterprise-Storage. Doch die aktuelle Speicherkrise zwingt Unternehmen dazu, ihre Strategien neu zu überdenken. Warum dabei Auto-Tiering an Bedeutung gewinnt und wie sich Performance und Wirtschaftlichkeit sinnvoll verbinden lassen, erklärt Sam Klambour, Business Manager Schweiz bei QNAP.
Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren konsequent auf SSDs gesetzt. War die Branche dabei zu einseitig unterwegs?
Sam Klambour: Fakt ist, dass bereits lauthals diskutiert wurde, wer von den drei Festplattenherstellern als nächster an die zwei anderen verkauft wird. Fakt ist aber auch, dass es den SSD-Herstellern in bald 20 Jahren nie auch nur annähernd gelungen ist, an die Preise der HDDs heranzukommen. Datacenter-SSDs kosteten selbst in den besten Zeiten mindestens das Doppelte. Kein NAND-Wechsel – ob MLC, TLC oder QLC – konnte das ändern. Daher muss man schlussfolgern: Jein, wir waren zwar zu unilateral auf SSDs ausgerichtet, aber die ganze IT-Industrie ging davon aus, dass HDDs mittelfristig ein Auslaufmodell sind.
Die Speicherkrise zwingt Unternehmen zum Umdenken. Welche Fragen sollten sie sich heute stellen?
Durch die grösste Speicherkrise in der Geschichte der IT werden wir nun alle gezwungen, uns wieder genau zu überlegen, was an unseren Daten denn wirklich hot und was alles eigentlich cold ist. Technisch und preislich gesehen ist es ja schon ein Witz, Cold Data auf schnellen Formel-1-NMVe-SSDs zu lagern. Oder haben Sie schon einmal eine Baufirma gesehen, die ihre Kalksandsteine mit einem Bugatti auf die Baustelle transportiert?
Warum rückt das Thema Auto-Tiering gerade jetzt wieder in den Fokus?
Unternehmen hassen zurecht Notlösungen und Investitionen, die sie nach einer Krise wieder kübeln können. Auto-Tiering aber ist beides: Rettungsanker in der Speicherkrise sowie tragende Lösung für die Zukunft. Jetzt, bei den völlig aus dem Ruder gelaufenen SSD-Preisen, nimmt man für den SSD-Hot-Tier das Minimum an Kapazität, das benötigt wird, alles andere lagert man auf den HDD-Cold-Tier. Später, wenn die SSD-Preise wieder bezahlbar werden, kann man den Hot-Tier erweitern.
Kann Auto-Tiering Unternehmen helfen, Storage-Projekte trotz hoher Preise umzusetzen?
Ja. Mit Auto-Tiering können die Unternehmen – ob KMU oder Enterprise – das Hinausschieben der Storage-Projekte wegen der Speicherpreise in vielen Fällen beenden. Zuwarten birgt die Gefahr, dass die Preise und Verfügbarkeit von Drives dann noch schlechter sind. Die Datenspeicher-OEMs haben ganze SSD- und HDD-Lots für 2027 bereits an global tätige Grösstkunden verkauft. Da Auto-Tiering aber generell eine substanzielle Kostensenkung im Vergleich zu All-Flash mit sich bringt, sinken die Projektkosten für viele Kunden selbst mitten in der Speicherkrise.
Für welche Anwendungen eignet sich Auto-Tiering besonders?
All-Flash oder überwiegend Flash ist dort sinnvoll, wo es einfach unverzichtbar ist, etwa für produktive Datenbanken, Virtualisierung und andere transaktionsintensive Workloads. Für Fileserver, Backups, Archivierung und Videorecording hingegen, ja selbst für CAD oder die Postproduktion, ergibt intelligentes Auto-Tiering mit einem Mix aus SSD und HDD viel mehr Sinn. Ganz klar: SSDs haben die Speicherperformance revolutioniert. Ich möchte nie mehr darauf verzichten. Gleichzeitig haben die Festplattenhersteller preislich und kapazitätsmässig bewiesen, dass HDDs für Cold-Data ideal bleiben. Modernes Auto-Tiering vereint damit das Beste aus beiden Welten.
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