Partner-Post Dossier in Kooperation mit Eset Deutschland

Wenn Medizingeräte zu IT-Systemen ­werden, verändert sich auch die Sicherheit

Uhr
von Michael Klatte, Eset Deutschland

Die zunehmende Vernetzung im Gesundheitswesen bringt Effizienzgewinne, stellt IT-Abteilungen jedoch vor neue ­Herausforderungen. Mit wachsender Komplexität steigen auch die Anforderungen an Sicherheit, Transparenz und ­Resilienz.

Michael Klatte, IT-Journalist, Eset Deutschland. (Source: zVg)
Michael Klatte, IT-Journalist, Eset Deutschland. (Source: zVg)

Patientendaten werden heute zwischen Kliniken, Arztpraxen, Laboren und Versicherungen ausgetauscht, Mitarbeiter greifen mobil auf Anwendungen zu und immer mehr Medizingeräte kommunizieren direkt mit Klinikinformationssystemen. Was die Patientenversorgung effizienter macht, erhöht gleichzeitig die Komplexität der IT. Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Cybersecurity grundlegend.

Sicherheit beginnt nicht mehr an der Firewall

Die Zeiten sind vorbei, in denen sich die IT eines Krankenhauses oder einer Arztpraxis auf wenige Server und Arbeitsplatzrechner beschränkt. Moderne Gesundheitseinrichtungen arbeiten mit einer Vielzahl unterschiedlichster Systeme, Geräteklassen und Betriebssysteme. Cloud-Anwendungen, mobile Endgeräte, digitale Patientenportale, externe Dienstleister und vernetzte Medizin­geräte gehören heute ebenso zum Alltag wie klassische Fachanwendungen.

Diese Entwicklung eröffnet enorme Chancen. Informationen stehen schneller zur Verfügung, Prozesse lassen sich effizienter gestalten und medizinische Daten können einfacher zwischen verschiedenen Beteiligten ausgetauscht werden. Gleichzeitig wächst jedoch die Zahl der Schnittstellen und Abhängigkeiten. Aus einer überschaubaren IT-Landschaft ist ein komplexes digitales Ökosystem geworden.

Genau darin liegt heute eine der grössten Herausforderungen für die Cybersecurity. Es geht längst nicht mehr nur darum, einzelne Systeme oder Endgeräte zu schützen. Wichtiger ist vielmehr, den Überblick über eine zunehmend heterogene Infrastruktur zu behalten und Sicherheitsmassnahmen so aufeinander abzustimmen, dass sie als Gesamtkonzept funktionieren.

Hinzu kommen regulatorische Anforderungen. Während die Europäische Union mit NIS-2 die Anforderungen an Cyberrisikomanagement und Resilienz deutlich verschärft, gewinnen auch in der Schweiz Datenschutz, Governance und Cyberresilienz zunehmend an Bedeutung. Cybersicherheit entwickelt sich damit immer stärker von einer rein technischen Aufgabe zu einer strategischen Management- und Führungsverantwortung.

Komplexität statt fehlender Technologien

Dabei mangelt es den meisten Gesundheitseinrichtungen heute nicht an verfügbaren Sicherheitslösungen. Endpoint Protection, Multi-Faktor-Authentifizierung, E-Mail-Security oder Netzwerksegmentierung gehören vielerorts längst zum Standard.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese Massnahmen sinnvoll miteinander zu verbinden. Über Jahre gewachsene Infrastrukturen, unterschiedliche Hersteller, Cloud-Dienste und branchenspezifische Anwendungen müssen gemeinsam betrachtet werden. Mit jeder neuen digitalen Anwendung wächst die Angriffsfläche weiter, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz, Compliance und den sicheren Betrieb.

Erfolgreiche Sicherheitsstrategien setzen deshalb nicht bei einzelnen Produkten an, sondern bei den Geschäftsprozessen. Welche Systeme sind für den Betrieb unverzichtbar? Welche Daten müssen besonders geschützt werden? Welche Auswirkungen hätte ein Ausfall auf die Patientenversorgung? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich beurteilen, welche Lösungen den grössten Beitrag zur Resilienz leisten.

Cybersecurity wird damit zum festen Bestandteil der digitalen Transformation. Wer Sicherheit erst nach Abschluss eines Digitalisierungsprojekts berücksichtigt, läuft Gefahr, bestehende Strukturen nachträglich aufwendig absichern zu müssen. Deutlich nachhaltiger ist es, Sicherheitsanforderungen von Beginn an mitzudenken und technische, organisatorische sowie regulatorische Aspekte gemeinsam zu betrachten.


"Resilienz entsteht nicht durch einzelne Sicherheitsprodukte"

Cyberresilienz ist mehr als nur Technik. Rainer Schwegler, Senior Territory Manager Switzerland bei Eset Deutschland, erklärt im Interview, weshalb Prozesse und Menschen ebenso entscheidend sind – und welche Chancen und Risiken KI für die Cybersicherheit im Gesundheitswesen mit sich bringt. Interview: Dylan Windhaber 

Rainer Schwegler, Senior Territory Manager Switzerland, Eset

Viele Gesundheitseinrichtungen treiben die Digitalisierung konsequent voran. Welche Auswirkungen beobachten Sie auf die Sicherheitsstrategie?

Rainer Schwegler: Cybersecurity wird heute deutlich früher in Projekte einbezogen als noch vor einigen Jahren. Früher stand häufig die Frage im Mittelpunkt, wie sich neue Anwendungen oder medizinische Geräte möglichst schnell einführen lassen. Heute überlegen viele Einrichtungen bereits während der Planung, welche Auswirkungen neue Systeme auf Sicherheit, Datenschutz und Betrieb haben. Das ist eine wichtige Entwicklung. Sicherheit lässt sich deutlich einfacher im Alltag managen, wenn sie von Anfang an berücksichtigt wird, anstatt sie später nachzurüsten.

Wo sehen Sie in der Praxis die grössten Herausforderungen?

Viele Einrichtungen betreiben heute eine sehr heterogene IT-Landschaft. Klinikinformationssysteme, Medizintechnik, Cloud-Dienste und klassische Unternehmens-IT müssen zuverlässig zusammenarbeiten. Aber jede dieser Komponenten bringt eigene Anforderungen mit. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese unterschiedlichen Welten miteinander zu verbinden. Natürlich ohne dabei Sicherheit oder Verfügbarkeit zu beeinträchtigen. Das klingt in der Theorie einfacher, als es in der Praxis ist. Viele Einrichtungen haben ihre Infrastruktur über Jahre oder sogar Jahrzehnte aufgebaut. Die Kombination von neuen Lösungen und Legacy-Systemen ist eine echte Aufgabe.

Viele Einrichtungen haben bereits Sicherheitslösungen im Einsatz. Was fehlt noch, damit daraus echte Cyberresilienz entsteht?

Sicherheitsmassnahmen dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Die Frage lautet nicht: Welche Lösung möchten wir einsetzen? Sondern, welche Prozesse sind für die Patientenversorgung kritisch und wie stellen wir sicher, dass sie auch im Krisenfall funktionieren? Dafür braucht es Transparenz über Systeme, Datenflüsse und Abhängigkeiten. Ebenso wichtig sind klare Verantwortlichkeiten, getestete Notfallprozesse und ein realistisches Bild der eigenen Risiken. Nicht jede Organisation kann rund um die Uhr Sicherheitsereignisse überwachen oder eigene Spezialisten für Incident Response vorhalten. Deshalb gewinnen zentrale Auswertungen, automatisierte Analysen und Managed Services an Bedeutung. Sie ersetzen die interne IT nicht, sondern entlasten sie und schaffen zusätzliche Reaktionsfähigkeit. Resilienz entsteht also nicht durch ein einzelnes Produkt, sondern durch das Zusammenspiel aus Technik, Prozessen und externer Expertise. 

Wie verändert KI die Cybersecurity im Gesundheitswesen?

KI verändert die Sicherheitslandschaft auf mehreren Ebenen. Angreifer nutzen sie bereits, um Phishing-Kampagnen überzeugender zu machen, Schadsoftware weiterzuentwickeln oder Schwachstellen gezielter auszunutzen. Gleichzeitig eröffnet KI aber auch der Verteidigung neue Möglichkeiten. Gerade in komplexen IT-Umgebungen lassen sich enorme Datenmengen kaum noch manuell auswerten. KI kann dabei helfen, Zusammenhänge schneller zu erkennen, Anomalien zu identifizieren und Sicherheits­teams bei der Priorisierung von Vorfällen zu unterstützen. Das wird insbesondere im Gesundheitswesen immer wichtiger, weil dort unterschiedlichste Systeme und Datenquellen zusammenkommen. Als Ersatz für Security-Experten taugt KI aber nicht. Sie automatisiert Routineaufgaben, beschleunigt Analysen und verkürzt Reaktionszeiten. Die Verantwortung für Sicherheitsentscheidungen bleibt weiterhin bei den zuständigen Teams und Führungskräften in den Organisationen.

Mehr erfahren

Webcode
jofZkdUd