Das war der AI + X Summit 2026

Wie Menschen KI formen und KI die Gesellschaft prägt

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von Julia Meyer und jor

Zum sechsten Mal in Folge hat der AI + X Summit Fachleute aus der KI-Szene in der Deutschschweiz nach Zürich gebracht. Es ging um Roboter und Technik, aber auch um den Einfluss von KI auf Gesellschaft, Wirtschaft und Demokratie.

Der AI + X Summit 2026 hat in Zürich zahlreiche Fachleute aus KI-Forschung und -Entwicklung zusammengebracht. Im Publikum und auf der Bühne sassen Vertreterinnen und Vertreter aus der Industrie sowie aus Hochschulen und Universitäten.

Das ETH AI Center organisierte den Anlass. Der Summit solle Menschen aus Wissenschaft, Start-ups, Unternehmensleitungen und dem öffentlichen Sektor zusammenbringen. Der Name "AI + X" symbolisiere die Überzeugung, dass es sich lohne, die eigene Komfortzone zu verlassen und zusammenzuarbeiten. Das Event war Teil des Zurich AI Festivals.

"Zürich hat eine sehr starke KI-Community. Wir haben uns bemüht, Business, Industrie und Forschung in eine Woche zu bekommen. Für uns ist es wichtig, das KI-Ökosystem persönlich zu machen, wir feiern das Zusammenbringen von Professoren, Studierenden, Unternehmern, Forschenden und dem öffentlichen Sektor.", sagt Alexander Ilic, Leiter und Gründer des ETH AI Centers, später im Gespräch. 

Roboter sollen soziale Intelligenz lernen

Dann ging es auch schon los mit den Keynotes: In einer Paneldiskussion zu Robotik und KI standen neben Robotern Forschende sowie Vertreterinnen und Vertreter von Robotikunternehmen auf der Bühne.

Bild der Vortragenden vom Keynote "Physical AI"
Das Panel zu physischer KI diskutierte über KI in Robotik. (Source: Netzmedien)

Jorge Pena Queralta, Dozent an der ZHAW, definierte Physical AI als die "Intersektion zwischen KI und Robotern". Weiter betonte er die grossen Fortschritte in diesem Bereich: "Robotern können wir heute fast alles beibringen, die Herausforderung ist nun die Sicherheit und Reliabilität." Philippe Heim, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und zuständig für Produkte und Lösungen bei Steelcobelimed, betonte die Herausforderung, die Erwartungen der Menschen angesichts der teilweise eingeschränkten Fähigkeiten heutiger Roboter zu managen. 

Theresa Schmiedel, Professorin an der ZHAW, betonte die noch eingeschränkten sozialen Fähigkeiten von humanoiden Robotern. Eine wichtige Herausforderung in der Weiterentwicklung von Robotern sei es, ihnen angemessenes soziales Verhalten beizubringen. Soll ein Roboter eine Person im Pflegeheim zweimal drängen, an einem Treffen teilzunehmen, oder sollte er in dieser Situation die Autonomie der Person respektieren? In welcher Situation ist die Autonomie des Menschen wichtiger als dessen Wohlbefinden? Schmiedel sieht in der KI in Robotern eine grosse Chance, aber auch eine Herausforderung: "Zum ersten Mal sind Interaktionen realer. Allerdings sind diese noch nicht von unseren sozialen Werten gesteuert." 
 

Apertus 2.0 soll 2027 erscheinen

Auch Apertus, das Schweizer Open-Source-Sprachmodell der Swiss AI Initiative, kam in einer Keynote zur Sprache. Martin Jaggi, Professor und Head of Machine Learning and Optimization Laboratory an der EPFL, und Imano Schlag, Co-Leader von Apertus und Forscher am ETH AI Center, sprachen über die Zukunft von Apertus und das neue Modell Apertus 2.0, das 2027 erscheinen soll.

Trevor Brokowski sprach von der immer kleiner werdenden Lücke bei den Fähigkeiten offener Modelle gegenüber Frontier-Modellen. Der Leistungsunterschied betrage nur wenige Monate Entwicklungszeit. 

Gerade beim Einsatz in Kliniken sei es sehr wichtig, Modelle zu haben, die den Unternehmen und Institutionen gehören, damit Daten nicht an die Betreiber der KI-Modelle gelangen, betonten die Vortragenden. Apertus werde bereits von mehreren Schweizer Banken genutzt. Das bestätigte auch Nicolas de Skowronski, Head of Digital Transformation bei Julius Baer. Für die Privatbank sei es wichtig, ein KI-Modell zu haben, hinter dem das Finanzinstitut stehen könne. 

Wie die Normen für KI von morgen geformt werden

Die Teilnehmenden an der Paneldiskussion "What is AI Doing to us?” diskutierten über den Einfluss von KI auf die Gesellschaft, aber vor allem auch über die Möglichkeiten, wie die Gesellschaft heute die Normen rund um die KI von morgen beeinflussen kann. 

Bild der Panelteilnehmenden beim Panel "What is AI doing to us?"
Das Panel "What is AI doing to us" diskutierte über "Rogue AI" und Regulierung von KI in der Schweiz. (Source: Netzmedien)

Kritisch diskutierten sie unter anderem das Narrativ der "Rogue AI", also der "abtrünnigen" KI und den Nutzen dieses Narrativs für die KI-Anbieter. "Wenn wir beispielsweise den OpenAI-Fall betrachten, sehen wir, wie ich argumentieren würde, Fahrlässigkeit. Sie wussten von Dingen im Voraus und haben ihren Systemen bewusst Anreize gesetzt, riskantes Verhalten zu zeigen. Wenn sie dann sagen, na ja, das Modell wurde abtrünnig, dann birgt dieses Narrativ eine Implikation für das Policymaking: Diese Unternehmen seien nicht verantwortlich für die Folgen der Systeme, die sie gebaut und entwickelt haben", sagte Eryk Salvaggio, Dozent und Forscher an der University of Cambridge, "Die Menschen hier im Publikum, die täglich solche Systeme bauen, wissen wohl am besten, dass wir die Systeme bauen und ihnen nicht einfach beim Wachsen zusehen." 

Schliesslich stand die Frage nach der Regulierung von KI in der Schweiz zur Debatte. Abraham Bernstein, Direktor der Digital Society Initiative der UZH, erzählte von einem Vorschlag für KI-Regulierung in der Schweiz, den die Digital Society Initiative der UZH mitgestaltet habe. Es sei ein anderer Ansatz als jener der EU mit dem AI Act, nämlich eine sektorspezifische statt einer sektorübergreifenden Regulierung. Es gebe bereits viele Gesetze, die sich auf KI-Technologie anwenden lassen. Während des Vernehmlassungsverfahrens, das wohl bald starten werde, könnten in der Schweiz alle ihre Meinung dazu äussern, wie KI in Zukunft in der Schweiz aussehen sollte. Dies sei eine grosse Chance der direkten Demokratie in der Schweiz.

Auf die Frage, welche Rolle es spiele, wie die Schweiz KI reguliere, betonte er die Wichtigkeit dieses Themas für Schulen und für den Arbeitsmarkt in der Schweiz. Eryk Salvaggio, Gates Scholar und Künstler, füghte hinzu, dass er während seiner Mitarbeit beim Swissnex Network in San Francisco vom Einfluss politischer Organisationen und Menschenrechtsorganisationen auf die Gesetzgebung in der Schweiz überrascht gewesen sei. Diese Organisationen in der Schweiz seien auch weltweit vernetzt und hätten so auch über die Landesgrenzen hinaus Einfluss. 

Was die Teilnehmenden beschäftigt

Neben den Vorträgen auf der Bühne konnten die Gäste an verschiedenen Ständen mit Fachleuten, Mitarbeitenden und Forschenden ins Gespräch kommen. Einige Stimmen und ihre Eindrücke vom Event: 

"Das vielfältige Publikum an diesem Event ist toll, wir haben auch viele Personen kennengelernt, die keinen technischen Hintergrund haben. Diese menschliche Seite von KI, mit der sich viele Menschen hier beschäftigen, ist genau unser Fokus", sagt Peter Nestorov, Head of Industry Partnerships beim UZH AI Hub. 

Auch das Swiss National Supercomputing Center (CSCS) war mit einem Stand vertreten. "Wir möchten zeigen, dass die Schweiz ihre eigene Supercomputing-Infrastruktur hat, die offen ist für Forschende, Start-ups und Innovatoren", sagte Prashanth Kanduri, Mitarbeiter beim CSCS. 

Zeynep Savaseri, die Gründerin und CEO von "her-code", sprach über ihre Motivation, eine Organisation für Frauen im Tech-Bereich zu gründen: "Der Mangel an Frauen in diesem Bereich hat mich ermutigt, etwas zu unternehmen." 

"Dieses Event ist eine gute Gelegenheit, neue Menschen kennenzulernen und unsere Lösung zu präsentieren", sagte Tin Groz, Data Scientist bei Unique,  einem Anbieter einer KI-Lösung für den Finanzbereich. 

Marc Bürkle, Direktor von AI Triangle beim ETH AI Center, betonte die Wichtigkeit, die KI-Community zusammenzubringen. “Wenn man sich die KI-Forschung in der Schweiz, Bayern und Baden-Württemberg ansieht, ist sie Weltklasse. Unser Ziel ist es, den Forschungstransfer in die Industrie und Start-ups weiter auszubauen. Start-ups in der Schweiz ermöglichen wir beispielsweise einen einfacheren Marktzugang in Süddeutschland."


Der AI + X Summit des ETH AI Centers soll die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung fördern. Mehr zum Event lesen Sie hier. 

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