Zwischen KI-Potenzial und Praxis - wie Spitäler Innovation angehen
Vom 20. bis 22. Oktober hat die IFAS, die Fachmesse für den Schweizer Gesundheitssektor, Fachleute aus der Branche in der Messe Zürich zusammengebracht. In Referaten zu Innovationen im Spitalalltag zeigten Vertreter von Spitälern und Start-ups, was neue Technologien leisten können und welche Hürden ihre Einführung mit sich bringt.
In der Messe Zürich in Oerlikon haben sich vom 20. bis 22. Oktober 2026 Fachleute aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens zur IFAS getroffen, der Fachmesse für den Schweizer Gesundheitssektor. Wie bereits im Interview mit Exhibition Director Heinz Salzgeber deutlich wurde, spielte die Digitalisierung auch dieses Jahr eine wichtige Rolle.

Der neue Presentation Cube. (Source: Netzmedien)
Neu im Programm der IFAS 2026 war der "Presentation Cube". Dieser bot Besuchenden vertiefte Einblicke in konkrete Lösungen, Anwendungen und aktuelle Fragestellungen der Gesundheitsbranche.
Einen weiteren Teil der Fachmesse bildete auch dieses Jahr das IFAS-Forum. Dabei gaben Fachpersonen des Gesundheitswesens während der drei Messetage Einblicke in aktuelle Herausforderungen des Sektors und diskutierten konkrete Lösungsansätze mit dem Publikum.
Eines der Foren des zweiten Messetages thematisierte Innovationen für den Alltag stationärer Leistungserbringer. Dabei kamen sowohl Vertreter verschiedener Spitäler als auch etablierte Start-ups zu Wort. Jonathan Meier, CEO und Gründer von Healthinal, moderierte die Referate und die anschliessende Diskussionsrunde.
Technologie prägt das neue Spital in Baden
Den Auftakt machte Daniel Heller, Verwaltungsrat des Kantonsspitals Baden (KSB). In seinem Input lieferte er unter anderem Beispiele von technischen Innovationen, die den 2025 eröffneten neuen Spitalkomplex prägen. Darunter befindet sich beispielsweise der "Digital Twin" des Spitals, der es Nutzenden der hauseigenen App ermöglicht, durch das Spital wie mit Google Maps zu navigieren, wie Heller erklärte. Ausserdem seien alle technischen Geräte mit Sensoren versehen, was sie über dieselbe App einfach auffindbar mache.

Daniel Heller, Verwaltungsrat des Kantonsspitals Baden. (Source: Netzmedien)
Ebenso schwärmte Heller von der automatischen Transportanlage des KSB, bei der Roboter selbstständig durch das Haus fahren und Essen oder Wäsche auf die Stationen bringen. Des Weiteren sieht er in KI enormes Potenzial: "Alle Herausforderungen, die wir haben - Fachkräftemangel, Kostendruck, Datenexplosion - alles kann mit KI-Lösungen supported oder sogar ganz gelöst werden." Zudem könne man mit KI die enorme und aktuell fragmentierte Datenmenge des Gesundheitssystems vernetzen.
Das USZ setzt bei Innovation bereits auf KI
Auf Hellers Vortrag folgte Lukas Jäger, Innovation Manager im Innovation & Start-up Center des Universitätsspitals Zürich (USZ). In seinem Referat erklärte er, wie das Innovationsmanagement im USZ gehandhabt wird.

Lukas Jäger, Innovation Manager im Innovation & Start-up Center des Universitätsspitals Zürich. (Source: Netzmedien)
Als Beispiel hob Jäger das aktuell laufende "Voices-Projekt" hervor. Dabei handle es sich um ein lokales KI-basiertes System, das während der Wartezeit eines Notfallpatienten genutzt werden könne, um ein Patientengespräch vorzubereiten.
Technologische Innovation braucht Geduld
Jens Eckstein, Chief Medical Information Officer beim Universitätsspital Basel (USB), berichtete an der IFAS von den Höhen und Tiefen des Innovationsprozesses für Technologien. Diesen komplexen Weg zur Innovation zeigte Eckstein am Beispiel eines Wearable-Projekts, das seit fast zehn Jahren läuft.

Jens Eckstein, Chief Medical Information Officer am Universitätsspital Basel. (Source: Netzmedien)
Die Idee sei ein Armband, das Patientendaten direkt ins System des Spitals übertrage. Nach zahlreichen Studien und fehlgeschlagenen Partnerschaften habe man jetzt ein über Bluetooth laufendes System, das Daten streame und weiterverwerte, betonte Eckstein. "Das Einzige, was fehlt, ist das Wearable", sagt er. Die Suche geht beim USB also weiter.
Technik macht nur ein Fünftel aus
Während Heller in KI die Lösung für viele Herausforderungen im Gesundheitssektor sieht, setzte Jannis Schönleber an der Gesundheitsmesse einen anderen Akzent. Als Co-Founder und CEO von 44ai beleuchtete er die Seite eines Technologie-Start-ups im Gesundheitswesen. Als KI-Start-up biete 44ai eine Software an, die den Workflow der aktuell grossen Anzahl Applikationen zusammenführen soll, sagte Schönleber.

Jannis Schönleber, Co-Founder und CEO von 44ai. (Source: Netzmedien)
Trotz seines technischen Hintergrundes hob er die überaus wichtige Rolle des Change-Managements im Sektor hervor. Schönleber zufolge macht Technik maximal ein Fünftel der Veränderung aus, den Rest die gezielte Planung, Steuerung und Begleitung des Veränderungsprozesses.
Technologie muss Vertrauen bringen
Das letzte Referat hielt Cyrill Gyger, CEO und Co-Founder von Qumea. Das Digital-Health-Unternehmen sei entstanden, um die Überwachung in Pflegeeinrichtungen und Spitälern datenschutzgerecht zu gewährleisten, erklärte Gyger. Am Beispiel von Qumea zeigte er auf, was eine neue Technologie alles brauche, um das Vertrauen der Nutzenden zu gewinnen.

Cyrill Gyger, CEO und Co-Founder von Qumea. (Source: Netzmedien)
Dafür muss eine neue technologische Lösung laut Gyger vier Kriterien erfüllen. Erstens müsse es Evidenz für deren Wirkung geben, zweitens müsse sie die am wenigsten invasive Lösung sein und drittens in den Alltag passen. Am wichtigsten sei jedoch, dass die Lösung von den Mitarbeitenden auf den Stationen angenommen werde. Ohne diese Voraussetzung helfen auch die ersten drei Punkte nichts, sagte Gyger.
Damit zeigte das Referat ein klares Bild: Spitäler wie das KSB und das USZ setzen bereits auf KI und vernetzte Systeme. Ob sich diese Lösungen im Alltag durchsetzen, hängt laut Schönleber und Gyger aber weniger von der Technik ab als von den Menschen, die damit arbeiten.
Informationssysteme im Gesundheitswesen sind auch im Kanton Waadt schon seit längerem ein grosses Thema. Bei den Waadtländer Einrichtungen bevorzugt man eine US-Software gegenüber dem System Genfer Universitätsspitäler, was zu Diskussionen führte. Mehr zum Thema lesen Sie hier.
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