Studien von MSM Research

IoT kommt in der Schweiz nur langsam in Fahrt

Uhr | Aktualisiert

MSM Research hat Studien zu den Themen Big Data und Internet der Dinge vorgestellt. Sicherheit, Geschäftsnutzen und der Mehrwert für den Kunden sind für Schweizer Unternehmen die zentralen Punkte im Feld Big Data. Bei der Implementierung des Internets der Dinge gibt es noch keine Eile.

Am Donnerstag dem 15. September hat MSM Research zu einem Medienfrühstück geladen. Vor Vertretern der Fachpresse präsentierte Philipp Ziegler die Forschungsergebnisse von MSM Research zum ICT-Markt in der Schweiz. Zusätzlich stellte Ziegler zwei neue Studien zu den Themen Big Data und Internet der Dinge (IoT) vor.

KMUs erzeugen das Wachstum

Zunächst gab Ziegler einen Einblick in die aktuelle Stimmungslage des Schweizer ICT-Marktes. Das Wachstum wird laut Ziegler massgeblich von den KMUs getragen. Zwei Drittel der ICT-Ausgaben kommen aus diesem Bereich. Dabei würden bei KMUs die Augaben sogar stärker zulegen als bei Grossunternehmen.

Der Trend weg von der Individualisierung hin zur Standardisierung von Softwarelösungen setzt sich laut Ziegler weiter fort. Unternehmen könnten individuelle Lösungen nicht mehr finanzieren. Daher liege das Wachstum im Segment Standardsoftware um 5 Prozent höher als bei Individualsoftware und diese Entwicklung würde sich auch so fortsetzen.

Klassisches Integratoren-Geschäft hat keine Zukunft

Zahlreiche Anbieter stünden momentan vor der Entscheidung, ob sie auf Masse oder eine Nische setzen sollen. Das klassische Integratoren-Geschäft verspreche keine Zukunft mehr, meinte Ziegler weiter. Für die Firmen die sich nun in der Mitte zwischen Masse und Nische befinden, gelte es eine Entscheidung für eine Seite zu treffen.

Das Outsourcing ist nach wie vor ein wichtiges Thema im ICT-Bereich. Ziegler bezeichnete die Entwicklung als einen Paradigmenwechsel weg von intern zu extern. Unterstrichen werde dies dadruch, dass 30 Prozent der Unternehmen aktuell über eine Auslagerung von IT-Funktionen nachdenken würden.

Zudem sieht Ziegler einen schwindenden Einfluss der IT-Abteilung. Inzwischen wird jeder zweite Franken vom Business direkt, also von den Fachabteilungen, ausgegeben. Dies werde sich noch verstärken, zeigte sich Ziegler überzeugt.

ICT-Markt wächst moderat

Für die B2B-Ausgaben im ICT-Bereich erwartet MSM in diesem Jahr einen Zuwachs von 0,7 Prozent im Jahresvergleich. Rund 17 Milliarden Franken sollen dieses Jahr umgesetzt werden, dies sind 120 Millionen Franken mehr als noch im Vorjahr. Dabei entfällt etwas mehr als die Hälfte der Investitionen auf den Bereich Services. Hardware und Software halten sich mit etwas mehr als 15 Prozent in etwa die Waage. Auf den Bereich Telekommunikation entfallen 12,5 Prozent.

In den nächsten Jahren soll der ICT-Markt wieder deutlich stärker wachsen. Ziegler geht von Plus 1,9 beziehungsweise 2,5 Prozent in den nächsten beiden Jahren aus. Wachstumstreiber werde der Bereich Services sein. Im Vergleich dazu sollen die anderen drei Segmente teilweise deutlich schrumpfen. Ziegler bezeichnete den Trend hin zu den Services als "Paradigmenwechsel" in der Branche und diese sei nun auch deutlich messbar.

Nutzen von Big Data oft noch unklar

Eines der zentralen Themen im Bereich Digitalisierung ist bei Schweizer Unternehmen die Frage der Sicherheit, wie Ziegler ausführte. Folglich sagte auch die Hälfte der Befragten in einer neuen Studie zum Bereich Big Data, dass dies für sie aktuell die grösste Herausforderung ist. Ebenso häufig wurde der Aufwand zur Datenverwaltung und Archivierung genannt, der mit den wachsenden Datenbergen einhergeht.

Viele Befragte würden immer noch denken, dass "Big Data nur etwas für die ganz Grossen Unternehmen ist", sagte Ziegler. Daher gaben auch 60 Prozent der Befragten an, noch keine Big-Data-Lösungen zu nutzen. Als Big Data fasste Zielger Lösungen zusammen, die Datenberge mit der Hilfe von vielen Servern auswerten und weit über den Möglichkeiten von Excel hinausgingen. Nur knapp 20 Prozent der Befragten hatten eine solche Lösung bereits im Einsatz. Die restlichen Befragen seien entweder in der Planung oder würden über das Thema noch diskutieren.

Wenn es darum geht was eine Big-Data-Lösung bringen soll, dann steht der Kunde ganz im Mittelpunkt. Drei Viertel wollen mit einer solchen Lösung besser auf Veränderungen im Kundenverhalten reagieren können. 63 Prozent erhoffen sich eine bessere Kundenzufriedenheit und Bindung.

Erst danach nannte rund die Hälfte der Befragten die Hoffnung nach mehr Flexibilität und Agilität im Unternehmen. Laut Ziegler sind die Anforderungen an diesen Punkt in den letzten Jahren stark gestiegen. Ein schnelles Anpassen an Veränderungen "ist ein wichtiges Differenzierungstool für Anbieter", hob er hervor.

Als grösste Hürde bei der Implementierung von Big-Data-Lösungen nannte die Hälfte der Befragte die Komplexität der Lösungen. Für 40 Prozent gaben die hohen Kosten den Ausschlag. Ein Drittel konnte sogar keinen direkten Nutzen für das eigene Business in solchen Lösungen erkennen.

Adaption von IoT noch vorsichtig

Erstmals beschäftigte sich MSM Research in einer Studie dezidiert mit dem Internet der Dinge (IoT) in der Schweiz. Gemäss Ziegler ist die Erhebung die "erste Auslegeordnung für die Schweiz". An der Studie wirkte auch noch ICT-Power mit.

Obwohl das IoT als eines der Hype-Themen gehandelt wird, sah die Mehrheit noch keinen drängenden Handlungsbedarf. "Die generelle Einschätzung in der Branche ist, dass wir noch viel Zeit haben", sagte Ziegler. Die Hälfte der Befragten glaubt, dass sich das IoT erst in den nächsten 3 bis 5 Jahren vollumfänglich durchsetzen wird. 20 Prozent glaubten sogar, dass es noch 5 bis 8 Jahre dauern wird.

Bei diesen Zahlen gilt es aber zu differenzieren, wie eine Diskussion zum Thema zeigte. Denn nicht in allen Industriebereichen wird das IoT gleich schnell Einzug halten. Auch brauchen gewisse Branchen länger, um solche Prozesse zu implementieren. Festzuhalten bleibt aber, dass es noch keinen Aktionismus unter den Befragten gibt.

Die Zurückhaltung zeigte sich auch bei der Implementierung des IoT in Unternehmen. So gaben nur 15 Prozent an, dass es in Ihrem Unternehmen schon ein Team für das IoT gibt und dieses teilweise auch schon verankert ist. Bei 9 Prozent sei ein solches Team in Planung. Die restlichen drei Viertel gaben an, noch keine solchen Pläne zu haben.

Als Gründe für die Zurückhaltung nannte die Hälfte der Befragten, dass sie noch Abwarten, da sie bisher keinen Mehrwert für ihr Business sehen. In einem Drittel der Unternehmen würde das Thema zu mindest Diskutiert. Ein Drittel sah sogar grosse Chancen im IoT. Eine Bedeutung für ihr Business sah ein Viertel der Befragten.

Ansprechpartner bei Fragen fehlt

Wie auch beim Thema Big Data stehen Sicherheitsfragen ganz oben auf der Liste der Sorgen. 66 Prozent gaben diesen Punkt zu Protokoll. Bei 42 fehle es am Know-how. Ein weiteres zentrales Problem sei, dass es an konkreten Ansprechpartnern für Unternehmen in IoT-Fragen mangele. Welcher Lösungsanbieter IoT-Fähigkeiten habe und welche Leuchttürme es im Bereiche IoT gibt, ist laut Ziegler bei vielen Unternehmen nicht bekannt.

Es existiere daher viel Unterstützungs- und Beratungsbedarf, führte Ziegler weiter aus. Die Hälfte der Unternehmen wisse nicht, wie sie IoT-Lösungen in ihre Geschäftsprozesse einbinden soll. Denn gerade Prozesse und Geschäftsmodelle gelte es zu hinterfragen. Weiterer Beratungsbedarf bestehe bei den Themen Sicherheit und Datenschutz.

42 Prozent der Befragten brauchen Hilfe bei der Integration und Implementierung sowie beim Prozessmanagement. Nach Unterstützung bei der Strategieberatung verlange rund ein Drittel der Umfrageteilnehmer.

Zum Abschluss zeigte Ziegler auf, wie sich die Betriebsmodelle durch das IoT und Big Data bis 2020 entwickeln könnten. Heute würden noch 70 Prozent aller Schweizer Unternehmen ihre IT selber betreiben. Bis 2020 soll dieser Wert auf nur noch 30 Prozent sinken. Im gleichen Zeitraum sollen Managed Services von 20 auf 30 Prozent, Oursourced Private Cloud von 8 auf 25 Prozent und die Public Cloud von 2 auf 15 Prozent steigen. Lösungsanbieter und Integratoren müssten sich auf diese Veränderungen einstellen.

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