Global Perspectives Barometer 2016

Die Jungen wollen mitreden

Uhr | Aktualisiert
von George Sarpong

Was erwarten künftige Führungskräfte von ihren Arbeitgebern? Vor allem Mitspracherecht bei der Entscheidungsfindung. Dies zeigt eine Studie des St. Gallen Symposiums der Universität St. Gallen, die in Zusammenarbeit mit dem GfK Verein durchgeführt wurde.

Die Digitalisierung treibt Unternehmen vor sich her. Das Business muss Hand in Hand mit der IT-Organisation Lösungen auf Fragen finden, die in immer kürzeren Abständen aufkommen. Junge Manager, die mit digitalen Angeboten aufgewachsen sind, scheinen sich an die komplexen Entwicklungen der digitalen Transformation angepasst zu haben. Die Dynamik der Digitalisierung ist für sie normal, wie die Studie "Global Perspectives Barometer 2016" zeigt, erstellt vom GfK Verein und dem St. Gallen Symposium.

Junge Manager, und somit die Führungskräfte von morgen, fordern von der Führungsriege, ihr Entscheidungsverhalten radikal zu überdenken und sich bewusst sowie anders zu entscheiden. Doch was heisst das konkret? Aus den Ergebnissen der Studie leiten die Autoren drei Thesen ab. Diese zeigen auf, wie sich künftige Führungskräfte Entscheidungsprozesse vorstellen.

Die grössten Risiken bergen dringend nötige Entscheidungen, die versäumt werden. Die wichtigsten Fehlerquellen liegen wiederum in der Entscheidungsvorbereitung.

Über zwei Drittel (68 Prozent) der befragten künftigen Führungskräfte sind der Meinung, dass die heutigen Führungskräfte bei Entscheidungen meist in den ersten Schritten versagen würden. Insgesamt 39 Prozent sagen, dass die heutigen Manager nicht in der Lage seien, alle möglichen Lösungswege zu identifizieren oder verschiedene Optionen adäquat zu analysieren und zu gewichten. Man verliesse sich zu sehr auf bisherige Erfahrungen, anstatt Annahmen radikal zu hinterfragen, um zu besseren Entscheidungen zu gelangen. Eines der grössten Probleme aus Sicht des Nachwuchses ist es, dass Unternehmen blind gegenüber Innovationen sind und sich zu sehr an Bewährtes klammern, wie Andreas Neus, stellvertretender Geschäftsführer des GfK Vereins und Autor der Studie, sagt.

Manager treffen falsche Entscheidungen, wenn sie sich in ihrer Komfortzone bewegen und nicht aktiv Widerspruch von ihren Mitarbeitern einfordern.

Die Hälfte der Befragten hält es für essenziell, dass Führungskräfte während des Entscheidungsprozesses vor allem die jungen Mitarbeiter aktiv auffordern, die Ideen des Managements zu hinterfragen. Widerspruch sollte aktiv eingefordert werden, empfiehlt Fabian Buder, Projektleiter und Autor der Studie. “Führungskräfte sollten eigene Ideen kritisch hinterfragen und nicht davor zurückschrecken, wenn die eigene Idee zugunsten eines anderen Lösungsszenarios zerrissen wird“, sagt Buder.

Beziehen Sie Mitarbeiter in Entscheidungen ein, oder die Besten werden gehen!

Ein Viertel der befragten künftigen Führungskräfte will eher den Job wechseln, als für jemanden zu arbeiten, der sie bei Entscheidungen nicht konsultiert, wie die Autoren schreiben. Gleiches gelte für Entscheider, welche die Ideen und Einwände ihrer jungen Kollegen übergehen.

Bei der Einbeziehung von Teammitgliedern in die wichtige Entscheidungsvorbereitung – hier passieren aus Sicht der Befragten am häufigsten schwerwiegende Fehler – sind sich die "Leaders of Tomorrow" einig: Bis zu 90 Prozent der künftigen Manager wollen ihr Team grosse Teile der Vorbereitung übernehmen lassen.

Fazit

Künftige Führungskräfte wollen in einer informationsgetriebenen und dezentralen Organisation arbeiten, in der mit klar definierten Zielen und nicht durch Hierarchie geführt wird. Dies bedeutet für 62 Prozent auch eine Verschiebung der Entscheidungsautorität: Sie fordern, dass Entscheidungen von denen getroffen werden sollten, die den engsten Kontakt zu Markt und Kunden haben.

Ein freier Zugang zu internen Informationen für alle Mitarbeiter einer Organisation ist für 79 Prozent der jungen Manager sogar die Basis für ein langfristig erfolgreiches Unternehmen.

Zur Studie

Für die Studie "Global Perspectives Barometer 2016" von GfK und der Uni St. Gallen wurden 802 Personen weltweit befragt. 52 Prozent der Studienteilnehmer stammen aus OECD-Ländern. Die Mehrheit der Befragten war zum Zeitpunkt der Studie unter 26 Jahre alt. 75 Prozent der Studienteilnehmer studieren in Teilzeit oder Vollzeit.

Die Studie "Global Perspectives Barometer 2016" kann auf der Website des GfK Verein heruntergeladen werden.

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8110

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