So wurde "Swissgrid 24/7" zum Master of Swiss Web 2026
"Swissgrid 24/7" hat den Master-Titel bei Best of Swiss Web 2026 gewonnen. Die Anwendung visualisiert den komplexen Betrieb des Schweizer Stromnetzes und schafft intern Transparenz. Über die Idee hinter dem Projekt, die technische Umsetzung und die Zukunft sprechen Jens Hettler, Markus Imhof und Marcin Wojtas von Swissgrid.
"Swissgrid 24/7" ist ein komplexes Projekt. Wie würden Sie es jemandem beschreiben, der nicht weiss, was Swissgrid tut oder was eine Leitstelle ist?
Jens Hettler: Wir sorgen dafür, dass die Schweiz nicht stillsteht. Swissgrid betreibt das Höchstspannungsnetz der Schweiz. In unseren beiden Leitstellen in Aarau und Prilly überwachen unsere Kolleginnen und Kollegen das Netz rund um die Uhr und greifen ein, wenn Grenzwerte überschritten werden oder Störungen auftreten. Damit stellen wir sicher, dass der Strom jederzeit fliesst, und leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit in der Schweiz. Mit "Swissgrid 24/7" visualisieren wir für die Mitarbeitenden, wie wir das tun.
Was war der konkrete Auslöser für das Projekt?
Markus Imhof: Der sichere und zuverlässige Netzbetrieb ist eine unserer Kernaufgaben. Ob dieser Auftrag erfüllt ist, konnten bei Swissgrid bisher vor allem die Kolleginnen und Kollegen in den Leitstellen anhand der Systeme beurteilen. Mit diesem Projekt haben wir den Netzbetrieb für alle Mitarbeitenden sichtbarer, verständlicher und einfacher zugänglich gemacht. Jede und jeder im Unternehmen leistet einen Beitrag zu einem sicheren Netzbetrieb. Mit "Swissgrid 24/7" sollen alle die Zusammenhänge verstehen und sehen, wie ihre Arbeit zur Versorgungssicherheit beiträgt.
Wie verändert die Lösung den Blick auf die eigene Arbeit bei Swissgrid?
Imhof: Mit "Swissgrid 24/7" haben wir nicht nur Einstiegshürden zu unseren Netzdaten abgebaut, sondern die Daten auch ansprechend visualisiert und sinnvoll verknüpft. Komplexe Zusammenhänge werden verständlich erklärt. Das hilft uns im Netzbetrieb, unsere Arbeit in den Leitstellen besser darzustellen und zu vermitteln. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen ausserhalb des Netzbetriebs wird einfacher, und der eigene Beitrag zum Gesamtergebnis wird klarer sichtbar und verständlicher eingeordnet.
Wie wichtig ist Transparenz in einem Unternehmen, das kritische Infrastruktur betreibt?
Hettler: Transparenz ist ein entscheidender Faktor – auch für eine Betreiberin kritischer Infrastruktur. Die Energieversorgung ist komplex und im Kontext der Energiewende derzeit sehr dynamisch. Die transparentere Darstellung des Netzbetriebs mit "Swissgrid 24/7" hilft, Zusammenhänge, Problemfelder, aber auch positive Entwicklungen intern sichtbar zu machen. Das fördert den Dialog im Unternehmen.
Erreicht "Swissgrid 24/7" eher Fachleute oder Nicht-Experten?
Hettler: Die Zielgruppe sind klar die Nicht-Expertinnen und -Experten. Genau darin lag eine der grössten Herausforderungen: Wie vereinfacht man komplexe Technik so, dass sie verständlich wird, ohne wichtige Details zu verlieren? Wir Ingenieurinnen und Ingenieure müssen dabei manchmal über unseren Schatten springen. Dennoch braucht es gewisse Grundkenntnisse über unseren Kernauftrag, um sich in der Applikation zurechtzufinden. Die Kombination aus "Swissgrid 24/7" und fachlicher Begleitung hat sich dabei bewährt.
Welche Rolle spielt die Anwendung im Krisenfall oder bei Störungen?
Imhof: "Swissgrid 24/7" wurde bewusst nicht als operatives Tool entwickelt. Bei Störungen oder Krisen arbeiten wir mit unseren operativen Systemen. Die Informationsdichte und die intuitive Navigation haben jedoch gezeigt, dass ähnliche Ansätze auch in solchen Situationen Vorteile bringen könnten. Die Anwendung dient daher als Inspiration für Weiterentwicklungen anderer Tools – oder könnte künftig entsprechend erweitert werden. Zudem hilft sie, Ereignisse im Nachgang für Mitarbeitende verständlich zu visualisieren.
Auf welche Herausforderungen sind Sie in der Entwicklungsphase gestossen – und wie sind Sie damit umgegangen?
Marcin Wojtas: Vor allem im Datenbereich gab es Herausforderungen – insbesondere aufgrund der grossen Datenmenge und ihrer Komplexität. Es brauchte einiges an Aufwand, die Daten aufzubereiten und bereitzustellen. Auch bei der Darstellung im Front-End waren mehrere iterative Schritte notwendig, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Diesen Aufwand hatten wir in der Planung etwas unterschätzt.
Was hat den Ausschlag gegeben, mit Cando zusammenzuarbeiten?
Imhof: So unromantisch das jetzt klingt: Es waren die Beschaffungskriterien. Swissgrid hat "Swissgrid 24/7" im Rahmen eines GATT/WTO-Verfahrens ausgeschrieben. Cando hat im ordentlichen Bewertungsverfahren den Zuschlag erhalten.
Was würden Sie rückblickend anders machen?
Wojtas: Ein stärker iteratives Vorgehen – insbesondere in der Front-End-Entwicklung – hätte uns vermutlich schneller ans Ziel gebracht. Dennoch sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Auszeichnung bei "Best of Swiss Web" bestätigt das zusätzlich.
Wie geht es mit der Plattform weiter? Wie könnte "Swissgrid 24/7" in fünf Jahren aussehen?
Hettler: Das Umfeld der Netzbetriebsdaten ist derzeit sehr dynamisch. Operative Systeme, die als Quellsysteme dienen, werden in den kommenden Jahren ersetzt. Entsprechend muss auch der Datentransfer zu "Swissgrid 24/7" angepasst werden – ein nicht zu unterschätzender Aufwand. Gleichzeitig werden neue Datenquellen hinzukommen. Zudem planen wir Weiterentwicklungen wie eine geoexakte Darstellung unseres Netzes und eine noch interaktivere Verknüpfung mit Bildmaterial unserer Anlagen.
Im Podcast erwähnen Sie Pläne für eine öffentliche Version von "Swissgrid 24/7". Was braucht es dafür noch?
Imhof: Wir möchten keine falschen Erwartungen wecken. Swissgrid betreibt kritische Infrastruktur, und viele unserer Daten sind sensibel. Eine Veröffentlichung der heutigen internen Version steht daher nicht zur Diskussion. Wir prüfen jedoch, ob und wie sich ausgewählte Inhalte über bestehende Kommunikationskanäle einsetzen lassen könnten.
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