Kolumne von Jürg Lindenmann

Erzeugen wir Einsen, keine Nullen!

Uhr | Aktualisiert
von Jürg Lindenmann, Geschäftsführer, Health-IT

Die Digitalisierung hat mit etwas Verspätung auch das Gesundheitswesen erreicht. Die Präsentation neuer, innovativer Konzepte ist schon fast unüberschaubar und verspricht, beinahe alle Probleme des Gesundheitswesens zu lösen. Aber kümmern wir uns genug darum, welchen Nutzen all dies den "Konsumenten" beziehungsweise Nutzern von Gesundheitprodukten und -dienstleistungen bringt?

Jürg Lindenmann, Geschäftsführer, Health-IT. (Source: ZVG)
Jürg Lindenmann, Geschäftsführer, Health-IT. (Source: ZVG)

"Warum wurde das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier eigentlich gemacht?" Diese Frage einer noch nicht unter Déformation professionnelle leidenden jungen Praktikantin bringt das Dilemma der Gesundheits-IT-Branche auf den Punkt. Im Gegensatz zu den Verheissungen von Facebook, Google und Co. können wir unsere Gesundheit nur bedingt positiv beeinflussen – allenfalls durch eine gesunde Lebensweise. Während die Verschwendung von personellen und finanziellen Ressourcen gerade im Gesundheitsbereich direkte negative Auswirkungen auf unsere Lebensqualität hat und damit auch auf unser Portemonnaie, wäre beim Ausfall von Whatsapp – zumindest temporär – genau das Gegenteil der Fall.

"Technologie bezieht ihren Wert aus der Gesellschaft, in die sie eingebettet ist." Dieses Zitat des IT-Pioniers und gros­sen Technologiekritikers Joseph Weizenbaum ermahnt dazu, sich bewusst zu werden, dass technologische Lösungen nur ihre Berechtigung haben, wenn sie ihren Nutzern auch einen Mehrwert bieten.

Ein steiniger Weg zur nützlichen Lösung

Der Informatik wird schon seit ihren Anfängen – und leider oft zu Recht – der Vorwurf gemacht, technokratische Konzepte zu entwerfen und dem Anwender dann als Lösung für ein im schlimmsten Fall nicht vorhandenes Problem zu verkaufen, was sich letztlich in mangelnder Akzeptanz und Unzufriedenheit manifestiert.

Bevor man mit einer Lösung Mehrwert schaffen kann, muss man darum die zukünftigen Nutzer befragen, beziehungsweise "im Feld" erforschen, welche Bedürfnisse und Anforderungen mit IT adressiert werden können oder sollen. Dies ist zwar sehr aufwändig, zahlt sich aber aus, wenn der erzielte Mehrwert die für die Lösung investierte Zeit und die eingesetzten finanziellen Mittel übertrifft.

Das ist aber ein steiniger Weg, der auch Fehlschläge und Sackgassen beinhaltet, denn nur so kann man die Lernkurve gemeinsam in kleinen Schritten beschreiten.

Sinnvolle Umsetzung des EPD anstreben

Es gibt erfreulicherweise schon viele gute Beispiele von nützlichen und robusten IT-Anwendungen für die Institutionen des Gesundheitswesens, die durch solche Prozesse über lange Zeiträume und in intensiver und detaillierter Auseinandersetzung mit den Anwendern entstanden sind.

Auch für den Bürger haben sich eine Vielzahl an Anwendungen etabliert, die helfen, sich im komplexen Angebot des Gesundheitswesens zurechtzufinden und seine Gesundheit zu managen, die man allerdings mit der neuen Weltwährung "Daten" bezahlen muss.

Der breit gefasste Begriff der Digitalisierung bezieht sich auf die grundlegende Genetik der Informatik, nämlich die Speicherung von Informationen in Form von Nullen oder Einsen. Achten wir also darauf, dass wir bei den konkreten IT-Lösungen möglichst viele "Einsen" und keine "Nullen" erzeugen. Gerade bei der Umsetzung des EPD sollten wir besonders darauf achten.

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