Editorial

Eine Frage der Perspektive

Uhr | Aktualisiert
Oliver Schneider, stv. Redaktor Netzwoche (Source: Netzmedien)
Oliver Schneider, stv. Redaktor Netzwoche (Source: Netzmedien)

Vor einigen Wochen habe ich eine Veranstaltung von Microsoft im Zürcher Pop-up-House besucht. Luca Callegari, Chief Marketing & Operation Officer von Microsoft Schweiz, stellte dort dem Publikum eine Frage, die ihn offensichtlich beschäftigte. Er wollte wissen, ob Microsoft aus Sicht der Anwesenden ein US-amerikanisches oder eher ein schweizerisches Unternehmen sei. Die Frage gab auch mir zu denken. Schliesslich hatte ich eine Antwort darauf. Sie lautet: ­weder noch.

Warum ich das so sehe, hat mit meiner Wahrnehmung von ­Microsoft in der IT-Welt zu tun. Irgendwann Anfang der 90er-­Jahre überraschte mein Vater die Familie, indem er einen Personal Computer in seinem Büro aufstellte. Diese Anschaffung war die Initial­zündung für meine Begeisterung für digitale Technik, die bis heute ungebrochen ist. Die Möglichkeiten, die dieses völlig neuartige Gerät eröffnete, waren für mich damals atemberaubend. Trotz 486er-CPU, 16 Megabyte RAM und 256 Megabyte Festplattenplatz war unser erster PC dank CD-ROM-Laufwerk bereits multimedia-fähig, faxte per Modem, liess mich erste Versuche im Grafik-Design unternehmen und in virtuelle Spielwelten eintauchen. Und welches Unternehmen war mit dieser neuen Welt untrennbar verbunden? Microsoft. Der Name prangte auf dem hellblauen Logo, das jeden Start von Windows 3.11 ankündigte, und er stand auf fast jeder der vielen Kartonschachteln, die neben dem PC aufgereiht waren.

Microsoft war für mich deshalb kein Unternehmen, das an einem bestimmten Ort zuhause oder an eine bestimmte Nationalität geknüpft war. Diese erfuhr ich erst Jahre später. Microsoft war für mich das Tor in die IT-Welt. Das Unternehmen stand – zusammen mit Namen wie Intel, Apple, Compuserve oder IBM – stellvertretend für all die Werkzeuge, Veränderungen, Zerstreuungen und Erfahrungen, die der Computer für meine Kindheit und die Welt mit sich bringen sollte. Wenn überhaupt, waren diese Firmen aus meiner Perspektive im neuen, globalen Cyberspace beheimatet, wo es keine Länder, Grenzen oder Distanzen mehr zu geben schien. Und auch wenn sich Microsoft & Co. in den 25 Jahren seit meinen ersten PC-Erfahrungen stark gewandelt haben, hinterlassen ihre Namen auch heute noch diesen Eindruck bei mir.

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