Kolumne: Digitale Transformation der IT

Kooperation oder Kollaboration?

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Gründer und Geschäftsführer, Glenfis. (Source: zVg)
Gründer und Geschäftsführer, Glenfis. (Source: zVg)

Nun kooperieren Sie doch mal! Wenn Ihnen dies vorgehalten wird, dann ist klar, was Ihnen vorgeworfen wird: Sie arbeiten nicht mit. Kooperation ist das Schlagwort, wenn es um die konstruktive Zusammenarbeit geht. Freundlich sein und die Bereitschaft haben, Informationen mit anderen auszutauschen. Das war lange auch die Stossrichtung im Management, wenn man versuchte, die Leute aus ihren Silos zu locken und die Gräben zu überwinden. Jeder hat zwar seinen Garten, den er pflegen und in Ordnung halten muss – aber er soll sich zumindest abstimmen und andere informieren.

Kooperation hat aber Teams nicht wirklich zusammengeschweisst. Vielmehr verfolgt jedes Team immer primär seine eigenen Ziele, muss alle politischen, technischen und kulturellen Einflüsse von innen und aus­sen zuerst an sich selbst spiegeln und das eigene Niveau für Vertrauen und Transparenz finden. Man weiss zwar, dass man übergeordnete Ziele hat, die alle Teams betreffen, und man versucht auch, sich diesen Zielen im Rahmen der eigenen Möglichkeiten anzugleichen. Aber jedes Team hat trotzdem noch seine eigenen Ziele, die es zu erreichen gilt und die den persönlichen Bonus oder das Ansehen der eigenen Rolle definieren: "Wenn auch alle um mich herum versagen – Hauptsache ich habe mein Soll geschafft!"

Kooperieren reicht nicht mehr aus. Kollaborieren ist das neue Zauberwort. Nicht bloss unterstützen, sondern echte Zusammenarbeit ist gefordert. Nicht jeder hat seine eigenen Ziele – alle haben die gleichen Ziele und arbeiten gemeinsam an diesen. Alle werden gleich gemessen, und alle sind entweder gemeinsam erfolgreich oder gehen gemeinsam unter. Da braucht es mehr "Skin in the game". Es braucht einen grossen Respekt vor jedem, eine hohe Transparenz und ein maximales Vertrauen. Alle haben das Interesse, die Ziele zu erreichen und damit den maximalen Mehrwert für die Kunden zu erzielen.

Es ist mehr als blosses Wording. Und es ist auch mehr als die Einführung eines Collaboration-Tools. Nur weil wir mit Slack oder Microsoft Teams arbeiten, kollaborieren wir noch lange nicht. Organisationen brauchen mehr als nur neue Technologien, um eine kollaborative Unternehmenskultur zu entwickeln, in der leistungsstarke Teams erfolgreich sein können. Auf taktischer Ebene können Tools für die Zusammenarbeit und die Kommunikation Verbesserungen bringen und ein Gefühl von mehr Transparenz vermitteln. Aber keine einzige App oder Plattform kann eine Arbeitsplatzkultur beheben, die grundlegend zerstört ist.

Bevor man sich für Lösungen an die Technik wendet, muss die Teamarbeit in den Vordergrund gestellt werden. Es gibt keinen Rückzugsort ins eigene Gärtchen. Man ist entweder Teil des Teams oder draussen. Da ist Leadership gefragt, keine Direktoren die einen Auftrag erteilen. Denn es ist eine Binsenwahrheit: A fool with a tool is still a fool.

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